- 30.01.1998, 13:08:10
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- OTS0162
Generali Foundation: Ausstellung "The making of"
Zu einer Konstante im Ausstellungsprogramm der Generali Foundation gehört die Auseinandersetzung mit projektorientierten künstlerischen Positionen. In diesem Rahmen wurde der Künstler Mathias Poledna eingeladen, eine Ausstellung zu entwickeln.
Wien (OTS) - The making of — zeichnet entlang einer Reihe von
Motiven die Konturen eines alternativen Raums kultureller
Produktion. Ausgangspunkt für die künstlerische Arbeit ist ein
Verständnis von Institution als symbolisches Gefüge, in dem sich
heterogene und einander überlagernde Vorstellungen von Kultur
artikulieren.
Speziell für die Ausstellung entwickelte Projekte gehen diesen
Vorstellungen in Form des Ökonomischen, des Sozialen oder des
öffentlichen Erscheinungsbildes exemplarisch nach und ermöglichen
damit eine neue Sicht auf die Rohmaterialien gesellschaftlicher
Übereinkünfte. In diesem Sinn lassen sich die einzelnen Projekte
als provisorische "Öffnungen" lesen, die in den fenster- und
fassadenlosen Ausstellungsraum der Generali Foundation eingelassen
werden. Das Spektrum künstlerischer Vorgangsweisen reicht dabei
vom Aufzeichnen von Realität bis hin zur Herstellung alternativer
oder fiktiver Szenarien. Dabei ist die Architektur des in Hinblick
auf eine mögliche wirtschaftliche Nutzung gebrauchsneutral
konzipierten Ausstellungsraumes eines der Motive, das die
verschiedenen Projekte in ein gemeinsames Bezugssystem kritischer
Auseinandersetzung stellt.
Zentrales Element der Ausstellungsgestaltung ist die Demontage der
Deckenverkleidung des Ausstellungsbereiches. Ihre Freilegung lenkt
den Blick auf die gewöhnlich verdeckte Anordnung von
Leuchtstoffbalken, Stahlbetonträgern und das darüberliegende
Glasdach, die eigentliche "Außenfassade". Zugleich läßt der
Wegfall der diffusierenden Membrane den Raum in einem anderen,
weniger homogenen Licht erscheinen. Im Gegensatz zu vergleichbaren
Arbeiten der Institutionskritik der siebziger Jahre funktioniert
der Eingriff hier zunächst als Display, das den Rahmen für die
einzelnen KünstlerInnenbeiträge absteckt.
Simon Leungs Beitrag geht vom Immobilienbestand der EA-Generali
Gruppe und der damit verbundenen Ökonomie aus. Seine fotografische
Bestandsaufnahme der im Besitz des Versicherungskonzerns stehenden
Gebäude dokumentiert diese als "Sammlung", die einer eigenen Logik
der Vermögenssicherung und Verwertung folgt. Die jeweils vor den
Gebäuden hockende Figur des Künstlers nimmt Bezug auf "squatting"
(hocken) als Klassifikationsmerkmal kultureller Andersartigkeit in
der traditionellen Ethnographie; zugleich zeigt sie ein anderes
Modell der Inbesitznahme von öffentlichem Raum an.
Dorit Margreiter entwickelt in ihrer Arbeit den Vorschlag einer im
Milieu von Kunstinstitutionen spielenden TV-Vorabend Serie. Das
Szenario knüpft an das in der Generali Foundation vorgefundene
Soziotop an und entwirft davon ausgehend eine Reihe fiktiver
Charaktere, deren jeweilige Identität, berufliche und private
Verflechtungen den erzählerischen Spielraum definieren. In dem in
Form eines Trailers präsentierten Serienentwurf scheint die
grundsätzliche Mediatisierbarkeit sozialer Formationen durch - mit
dem Feld Kunst als einem (noch nicht) verwerteten mainstream-
kompatiblen Ambiente.
Nils Normans Projekt behandelt die räumlichen Gegebenheiten als
Hülle für eine potentiell realisierbare Umwidmung des Gebäudes in
ein (utopisches) Arbeitsmodell. Der Vorschlag einer auf
Hydrokultur basierende Mikrofarm, einer experimentellen Klinik für
Lichttherapie, einem Umweltschützer Training und Design Center
zusammen mit einem Second Hand Büromöbelladen verweist auf
mögliche Leerstellen im ökonomischen Gefüge. Im Rahmen einer
"Hinterhofökonomie" sind die dort auffindbaren emanzipatorischen
Potentiale aber immer auch rückgekoppelt an die Transformationen
der bestehenden Ordnung in großem Maßstab.
Der Beitrag von Mathias Poledna "überblendet" die gegebene
institutionelle Struktur mit der Mailänder "Fondazione
Feltrinelli", einem Archiv und Studienzentrum zur Geschichte des
Sozialismus und der Arbeiterbewegung. Das dokumentarische Video
verfolgt entlang konstruierter Analogien die mit Historisierungen
einhergehenden Ambivalenzen und setzt die von der "Fondazione"
gegenüber dem Politischen beanspruchte wissenschaftliche Autonomie
mit der Person ihres Gründers, dem Großverleger Giangiacomo
Feltrinelli, einem aktiven Unterstützer der militanten Linken der
siebziger Jahre, in Kontrast.
Teilnehmende KünstlerInnen — Simon Leung (*1964, lebt in Los
Angeles/New York),
Dorit Margreiter (*1967, lebt in Wien/Berlin), Nils Norman (*1966,
lebt in New York),
Mathias Poledna (*1965, lebt in Wien)
The making of
5. Februar bis 12. April 1998
Pressevorbesichtigung am Mittwoch, dem 4. Februar 1998, 10.30
Uhr.
Eröffnung der Ausstellung um 19.00 Uhr, die KünstlerInnen
werden anwesend sein.
Generali Foundation
Wiedner Hauptstraße 15, 1040 Wien
Tel. (01) 504 98 80, Fax (01) 504 98 83
Ausstellungszeiten: Studienraum: Archiv, Bibliothek, Datenbank
Di, Mi, Fr 11-18, Do 11-20, Sa, So, feiertags 11-16 Uhr Di 14-
18, Mi 10-14, Do 14-20 Uhr
Eintritt regulär öS 60, ermäßigt öS 40 Anmeldung erbeten (Fr.
Überbacher DW 15)
Termine für Führungen auf Anfrage. e-mail: found_studienraum@ea-
generali.com
Die Generali Foundation ist der Kunstverein der EA-Generali Gruppe
mit Sitz in Wien und hat sich die Förderung zeitgenössischer Kunst
zum Ziel gesetzt. Mitglieder sind die EA-Generali AG,
Erste Allgemeine Versicherungs-AG, Generali Allgemeine
Lebensversicherungs AG und
Generali Rückversicherung AG.
Pressestelle: Claudia Kofler, (01) 504 98 80-24
1/98
Rückfragehinweis: Generali Foundation
Claudia Kofler
1040 Wien, Wiedner Hauptstraße 15
Tel.: 504 98 80-24
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