Wir müssen den Buchhandel zum Medienhandel machen!

Wien (OTS) - Libro-Vorstandschef André Rettberg ruft Buchhändler zur gemeinsamen Weiterentwicklung des Buchhandels auf. Über die Zukunft des Buchhandels entscheiden die Leser, nicht die EU-Kommission.

"Die umfassende Kritik an der Buchpreisbindung, wie sie in der 1996 von Libro in Brüssel eingebrachten Beschwerde stand und sich jetzt in der Entscheidung der Europäischen Kommission wiederfindet, war ein Entwicklungsprozeß" erklärte André Rettberg, Vorstandsvorsitzender der Librodisk Handels AG, auf der 1. Jahreskonferenz der Managerakademie des Ueberreuter Verlages in Frankfurt. Die 'Dialogverweigerung und die mangelnde Innovationsfreudigkeit mancher Vertreter von großen Verlagen' habe zu der jetztigen Situation geführt.

Ziel war es, so Rettberg weiter, vor allem anderen das Problem der Buchclubs zu thematisieren, die an der bestehenden Preisbindung vorbei neue Bücher bis zu dreißig Prozent billiger als der Buchhandel anbieten dürften. Als Beispiel nannte der Libro-Chef den Buchclub Donauland, eine Tochter des Bertelsmann-Imperiums. Solche Sonderregelungen für die Buchclubs führten zu wettbewerbsverzerrenden Realitäten, in denen der stärkste Marktteilnehmer allen anderen seine Strategie aufzwingen könne. 'Den Lesern, die unsere Kunden sind, können wir solche Preisgefälle nicht begreiflich machen', betonte Rettberg. Das Gespräch über Sonder- und Lizenzausgaben sei jedoch bisher nicht möglich gewesen, 'also blieb keine andere Wahl, als das Gesamtsystem in Frage zu stellen.' Der David Libro sei bis jetzt vom großen Goliath zurückgewiesen worden, machte Rettberg deutlich und brachte gleichzeitig die Hoffnung zum Ausdruck, daß 'das klare Signal der Europäischen Kommission vielleicht die Chance für einen neuen Anlauf gibt.'

Rettberg bezeichnete sich als 'Buchhändler mit Leib und Seele', dem es seine gesamte Berufslaufbahn hindurch 'um das Buch und die dem Buch verwandten Medien und um die Verbreitung von Literatur und Kultur an ein möglichst breites Publikum' gegangen sei. Der festgefügte deutschsprachige Buchhandel habe jedoch in den letzten Jahren stagniert. 'Mit dieser Stagnation konnte und wollte ich mich nicht abfinden und werde es auch in Zukunft nicht tun', unterstrich Rettberg. Er rief die Buchhändler dazu auf, den Buchhandel zum Medienhandel weiterzuentwickeln. 'Der althergebrachte, uns liebgewordene flächendeckende Buchhandel ist nicht Gegner und Feind des Medienhandels. Der Medienhandel ist vielmehr die Antwort auf die gesellschaftlichen und technologischen Veränderungen, denen wir mit Offenheit, Flexibilität, Innovation und Kundenorientierung begegnen müssen.'

'Über die Zukunft des Buchhandels wird weder von den Beamten der EU-Kommission noch von den Richtern des Europäischen Gerichtshofes entschieden werden', unterstrich der Libro-Vorstandschef. 'Über die Zukunft des Buchhandels entscheiden die Leser, entscheiden die Konsumenten, entscheiden unsere Kunden.'

Rückfragehiweis: Menedetter PR, Mag. Anita Köninger,

Elisabethgasse 1, 3411
Klosterneuburg, Tel.: 02243/371 06-0

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