EU und Polen rechnen mit Beitrittsdatum 2002

Pietras: Polen ist stärkste Herausforderung für Erweiterung - Mit Abstand größtes Land unter den EU-Kandidaten

Wien (PWK) - "Wir nehmen an, daß die Beitrittsverhandlungen der EU mit Polen in den nächsten fünf Jahren, also 2002, abgeschlossen sein werden", erklärten Jaroslaw Pietras, polnischer Integrations-Staatssekretär, und John Bell von der EU-Kommission heute (Montag) bei einem Seminar in der Wirtschaftskammer Österreich. Der tatsächliche Beitrittstermin hänge allerdings nicht nur vom Willen der Partner ab, sondern auch von technischen Faktoren, wie etwa der Verhandlungskapazität oder der Dauer des Ratifizerungsprozesses durch die einzelnen EU-Mitglieder. ****

Polen ist mit 40 Mio Einwohnern das weitaus größte Land unter den Beitrittswerbern und stelle daher die stärkste Herausforderung für die EU-Erweiterung dar, meinte Pietras. Es sei mit umfangreichen und zähen Verhandlungen zu rechnen. Als "sehr komplex" bezeichnete auch John Bell die offenen Fragen. Mit entsprechendem politischen Willen seien sie aber zu lösen. Walter Ertl von der WKÖ gab der Überzeugung Ausdruck, daß die EU eher mit einer Gruppe von Ländern gleichzeitig die Verhandlungen abschließen werde (so wie seinerzeit mit Österreich, Schweden und Finnland) als einzelne Länder hintereinander aufzunehmen.

Polen hat in den letzten fünf Jahren große Veränderungen in der Wirtschaft durchgeführt, hob Pietras hervor. Die Sektoren Kohle und Stahl seien weitgehend umstrukturiert worden. Die Kohleproduktion ist auf die Hälfte gesenkt worden, der Anteil der Kohle am Export stark zurückgegangen.

Schwieriger gestalte sich die Reform der Landwirtschaft. Die Probleme lägen dabei nicht so sehr im wirtschaftlichen als vielmehr im sozialen und politischen Bereich (Pietras). In der Landwirtschaft, die sechs Prozent des polnischen BIP erbringt, sind rund 25 Prozent aller Beschäftigten tätig, wenn auch zum Teil nur im Nebenerwerb.

Polen, mit dem die EU schon 1994 ein Europaabkommen abgeschlossen hat, ist für Österreich ein wichtiger Handelspartner. 1996 betrug das Handelsvolumen 14,6 Mrd S (davon 9 Mrd S Exporte und 5,6 Mrd S Importe). In den ersten drei Quartalen 1997 nahm der Warenaustausch stark zu: die Exporte wuchsen um 35, die Importe um 19 Prozent.

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