- 19.01.1998, 14:22:43
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EU und Polen rechnen mit Beitrittsdatum 2002
Pietras: Polen ist stärkste Herausforderung für Erweiterung - Mit Abstand größtes Land unter den EU-Kandidaten
Wien (PWK) - "Wir nehmen an, daß die Beitrittsverhandlungen der EU
mit Polen in den nächsten fünf Jahren, also 2002, abgeschlossen sein
werden", erklärten Jaroslaw Pietras, polnischer Integrations-
Staatssekretär, und John Bell von der EU-Kommission heute (Montag)
bei einem Seminar in der Wirtschaftskammer Österreich. Der
tatsächliche Beitrittstermin hänge allerdings nicht nur vom Willen
der Partner ab, sondern auch von technischen Faktoren, wie etwa der
Verhandlungskapazität oder der Dauer des Ratifizerungsprozesses durch
die einzelnen EU-Mitglieder. ****
Polen ist mit 40 Mio Einwohnern das weitaus größte Land unter den
Beitrittswerbern und stelle daher die stärkste Herausforderung für
die EU-Erweiterung dar, meinte Pietras. Es sei mit umfangreichen und
zähen Verhandlungen zu rechnen. Als "sehr komplex" bezeichnete auch
John Bell die offenen Fragen. Mit entsprechendem politischen Willen
seien sie aber zu lösen. Walter Ertl von der WKÖ gab der Überzeugung
Ausdruck, daß die EU eher mit einer Gruppe von Ländern gleichzeitig
die Verhandlungen abschließen werde (so wie seinerzeit mit
Österreich, Schweden und Finnland) als einzelne Länder hintereinander
aufzunehmen.
Polen hat in den letzten fünf Jahren große Veränderungen in der
Wirtschaft durchgeführt, hob Pietras hervor. Die Sektoren Kohle und
Stahl seien weitgehend umstrukturiert worden. Die Kohleproduktion ist
auf die Hälfte gesenkt worden, der Anteil der Kohle am Export stark
zurückgegangen.
Schwieriger gestalte sich die Reform der Landwirtschaft. Die
Probleme lägen dabei nicht so sehr im wirtschaftlichen als vielmehr
im sozialen und politischen Bereich (Pietras). In der Landwirtschaft,
die sechs Prozent des polnischen BIP erbringt, sind rund 25 Prozent
aller Beschäftigten tätig, wenn auch zum Teil nur im Nebenerwerb.
Polen, mit dem die EU schon 1994 ein Europaabkommen abgeschlossen
hat, ist für Österreich ein wichtiger Handelspartner. 1996 betrug das
Handelsvolumen 14,6 Mrd S (davon 9 Mrd S Exporte und 5,6 Mrd S
Importe). In den ersten drei Quartalen 1997 nahm der Warenaustausch
stark zu: die Exporte wuchsen um 35, die Importe um 19 Prozent.
Wichtige österreichische Ausfuhrwaren sind Maschinen,
elektronische Geräte, Papier und Pappe, chemische Produkte. Bei den
Importen aus Polen dominieren traditionell die Energieträger Kohle
und Strom (bei Strom ist Österreich der größte Abnehmer Polens).
Österreichs Wirtschaft ist in Polen mit rund 700 Joint Ventures
engagiert, die vor allem in der Bauwirtschaft, in der Industrie
(Schwerpunkt Kunststofferzeugung) und in Dienstleistungen (Banken)
tätig sind.
(Schluß) RL
Rückfragehinweis: Mag. Robert Andrecs
WKÖ, IH-Abteilung
Tel:50105/4182
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