- 15.01.1998, 11:39:28
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- OTS0121
Lohnnebenkosten steigen weiter
Lamel: 100-Prozent-Grenze teilweise bereits überschritten Kessler: Mit einer Wertschöpfungsabgabe wäre nichts gewonnen
Wien (PWK) - "Die Lohnnebenkosten sind 1996 abermals gestiegen,
obwohl im Koalitionsabkommen festgeschrieben wurde, daß zumindest die
Lohnnebenkosten des produzierenden Sektors stabil gehalten werden
müssen", bemerkte Heinz Kessler, Obmann der Bundessektion Industrie,
bei der Präsentation der Erhebungsdaten der Wirtschaftskammer
Österreich zu den Arbeitskosten 1996 im Rahmen einer Pressekonferenz
der Bundessektion Industrie. Bezugnehmend auf die letzten Äußerungen
des Bundeskanzlers stellte Kessler auch fest, daß entgegen der
Meinung des Bundeskanzlers eine Diskussion über zu hohe
Lohnnebenkosten nicht eine Aufforderung zur Abschaffung des Systems
sozialer Sicherheit und Solidarität darstellt, sondern daß die
Lohnnebenkosten einfach wegen ihrer Höhe aus der Debatte zur
Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und der Beschäftigung nicht
ausgeklammert werden können. ****
Joachim Lamel, Syndikus der Bundessektion Industrie, untermauerte
diesen Vorwurf mit handfestem Datenmaterial. Für die
Industriebeschäftigten (Arbeiter und Angestellte) sind die
Lohnnebenkosten von 97,1 Prozent im Jahr 1993 auf 98,6 Prozent im
Jahr 1996 gestiegen. Für heuer wird mit rund 99,0 Prozent zu rechnen
sein. Bei den Arbeitern wurde bereits 1993 die 100-Prozent-Grenze
überschritten. Der Lohnnebenkostensatz für Arbeiter stagniert seither
auf diesem hohen Niveau und betrug 1996 100,7 Prozent. Bei den
Angestellten hingegen wachsen die Lohnnebenkosten noch immer
deutlich. Sie haben sich von 93,1 Prozent im Jahr 1993 auf 96,4
Prozent in der Erhebung 1996 erhöht. Der internationale Vergleich für
die Lohnnebenkosten der Arbeiter zeigt Österreich an der Spitze vor
Ungarn (100,0 Prozent) und Italien (99,2 Prozent). In Deutschland,
das bei den Gesamtarbeitskosten um 25 Prozent über den Arbeitskosten
eines österreichischen Arbeiters liegt, beträgt der
Lohnnebenkostensatz 79,4 Prozent. Hohe Lohnnebenkosten belasten die
Arbeitskosten, welche die Lohnstückkosten entscheidend beeinflussen.
Die Lohnstückkosten wiederum sind ausschlaggebend für die
internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Strukturell ergeben sich gegenüber der letzten Erhebung für 1993
keine größeren Unterschiede: Rückgängen bei Abfertigungen und
Krankengeld stehen Zunahmen bei den gesetzlichen Sozialleistungen und
anderen Positionen gegenüber. Vor allem die Kommunalabgabe im Jahr
1994 hat massiv zur Erhöhung beigetragen. Im längerfristigen
Vergleich ist neben gesetzlichen Sozialleistungen und der
Kommunalabgabe vor allem der Aufwand für bezahlte Ausfallzeiten
gestiegen. Bei den freiwilligen Sozialleistungen zeigt sich eine
Umschichtung zu betrieblichen und überbetrieblichen
Altersversorgungssystemen. Spitzenreiter bei den Lohnnebenkosten ist
die Erdölindustrie mit 185,2 Prozent, gefolgt von den Gas- und
Wärmeversorgungsunternehmen (121,4 Prozent). Schlußlicht bildet die
Sägeindustrie mit 83,9 Prozent.
Die Arbeitskosten je Industriebeschäftigten betrugen 1996 pro
geleisteter Stunde 330,70 Schilling. "Wir werden nicht müde werden,
eine Senkung der Lohnnebenkosten einzufordern, auch wenn dies dem
Bundeskanzler möglicherweise mißfällt", zeigte sich Kessler
kämpferisch. International liegt Österreich hinsichtlich des
Lohnnebenkostensatzes an der Spitze der westlichen Industrienationen.
Die Arbeitskosten liegen zwar in Deutschland, der Schweiz und Belgien
noch über unserem Satz, der Abstand wird aber nicht größer, sondern
kleiner. "Ganz zu schweigen von den Arbeitskosten in den östlichen
Nachbarstaaten", ergänzte Lamel. Vor allem die Exportindustrie ist
dramatisch betroffen.
Bedenklich stimmt auch der neuerliche Anstieg der ohnedies bereits
hohen gesetzlichen Sozialleistungen. Sozialpolitik kann nicht additiv
gesehen werden. Die Einführung neuer Maßnahmen darf nicht erfolgen,
ohne bestehende Regelungen auf ihre Sinnhaftigkeit und Berechtigung
zu prüfen. Die Höhe der Lohnnebenkosten im Verhältnis zum Lohn und
Gehalt begünstigt überdies den Pfusch und beeinträchtigt somit die
Beschäftigung.
Maßnahmen, die dieses beängstigende Ansteigen bremsen könnten,
wären: Aliquotierung des Urlaubsanspruches, erster Krankenstandstag
als Urlaubstag, Abschaffung eines Feiertages, Entfall der Freizeit
während der Kündigungsfrist bei Selbstkündigung, Einführung einer
Freizeitunfallversicherung. "Durch die bloße Änderung der
Bemessungsbasis, wie zB durch eine Wertschöpfungsabgabe, wäre nichts
gewonnen, vielmehr würde sich die Qualität des Wirtschaftsstandortes
Österreich verschlechtern. Deshalb lehnt die österreichische
Industrie die Wertschöpfungsabgabe (Maschinensteuer) vehement ab",
schloß Kessler.
(Schluß) Ne
Rückfragehinweis: Dkfm. Joachim Lamel
Wirtschaftskammer Österreich
Bundessektion Industrie
Tel. 50105 DW 3457
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