Fleischwirtschaft lehnt Preisdiktat der Schweinebörsen strikt ab

Schlachthöfe protestieren gegen geschäftsschädigende Bauernaktionen - Landwirtschaft provoziert Fleischimporte

Wien (PWK) - "Mit geschäftsschädigenden Demonstrationen vor etlichen österreichischen Schlachthöfen gefährdet eine Gruppe von Landwirten nicht nur die Versorgung der heimischen Konsumenten mit Schweinefleisch. Sie gefährdet mit solchen Aktionen aber auch das positive Image und den Inlandsabsatz von österreichischem Qualitätsfleisch, hier hat vor allem der Handel bisher sehr gute Aufbauarbeit geleistet. Wenn die Bauern ihre unverständlichen Aktionen fortsetzen, bleibt der Fleischwirtschaft nichts anderes übrig, als Qualitätsfleisch aus dem Ausland zu importieren, um die Versorgung der Konsumenten sicherzustellen." Josef Purkhauser, Bundesgremialvorsteher des Vieh- und Fleischgroßhandels, übt scharfe Kritik an der beispiellosen Vorgangsweise der sogenannten Schweinebörsen, die am Montag Firmenblockaden von Schlachthöfen organisiert haben. ****

Ursache des nunmehr voll entbrannten Konflikts zwischen der Fleischwirtschaft und den bäuerlich dominierten Schweinebörsen ist eine durch eine Rechtsänderung notwendig gewordene Neufestlegung des Abrechnungsschemas bei Schweinefleisch. Anfang Dezember standen entsprechende Verhandlungen knapp vor einem Abschluß. Die Manager der Schweinebörsen - sie decken in Österreich den Markt für Schweinefleisch zu rund einem Drittel ab - lehnten trotz des bereits sichtbaren Kompromisses alle Veränderungen unverständlicherweise ab. Purkhauser: "In dieser Woche sind neue Verhandlungen angesetzt. Es ist für die Fleischwirtschaft unannehmbar, daß die Schweinebörsen jetzt offenkundig versuchen, ihr Preisdiktat über einen Druck der Straße durchzusetzen. Das lassen wir uns nicht gefallen."

Nachdem die Börsemanager zuletzt mit aller Kraft versuchten, die Schlachthöfe bei den Preisen unter Druck zu setzen und gleichzeitig falsche Informationen über Gegenforderungen der Fleischwirtschaft lancierten, sahen sich die Schlachthöfe nicht mehr in der Lage, von den Börsen Ware zu diktierten Bedingungen zu übernehmen. Purkhauser:
"Diese Maßnahme ist ein reiner Selbstschutz der Schlachthöfe. Wegen riesiger Investitionen und einem immer schärfer werdenden Wettbewerb müssen viele Schlachtbetriebe mit jedem Groschen kalkulieren, wenn sie überleben wollen".

Die Vorwürfe der Börsen gegenüber den Schlachthöfen, wonach deren neue Preisvorstellungen die Bauern mit rund 70 Schilling pro Schwein belasten, sind nicht nur falsch. Sie sind - aus Sicht der Fleischwirtschaft - auch der Versuch, von den eigenen Geschäftspraktiken abzulenken und eine Monopolstellung zu erlangen. Abgesehen von den Vermittlungsgebühren bei Ferkeln in Höhe von drei Prozent (ca. 35 Schilling) verlangen die Börsen auch 30 Groschen Vermittlungsgebühr pro Kilo Schweinefleisch (bei Vertragsbauern 20 Groschen) sowie überhöhte Versicherungsbeiträge. Purkhauser: "Da verdienen die Börsen nur für die administrative Vermittlung von Schweinen viel Geld. Von solchen Spannen kann der Handel nur träumen. Wir werden in nächster Zeit die Landwirte in einer umfassenden Informationskampagne über die Geschäftspraktiken der Börsen informieren".

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Dr. Hannes Mraz
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