Baugewerbe fordert schärferes Vorgehen gegen Schattenwirtschaft

Lahofer: 1998 soll kein angenehmes Jahr für Pfuscher werden

Wien (PWK) - "Das Baugewerbe begrüßt die Vorschläge von Wirtschaftsminister Hannes Farnleitner und Sozialministerin Eleonore Hostasch zur Installierung einer "Blautruppe' zur Bekämpfung von Pfusch und Schwarzarbeit. Das unter dem Schlagwort "Saubere Baustelle' verhandelte Maßnahmenpaket," so der Bundesinnungsmeister der Baugewerbe, Johannes Lahofer, ****

"dürfe allerdings nicht einseitig in Bürgschaften und Haftungen der Bau-Generalunternehmer als Sündenböcke ausarten, sondern müsse auch konkrete Schritte gegen private Pfuscher vorsehen."

Mikrozensuserhebungen des Statistischen Zentralamtes haben ergeben, daß 10 bis 12 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung einem inoffiziellen Nebenerwerb nachgehen. Das bedeutet ein Heer von rund 600.000 Pfuschern.

"Wenn ein Arbeitsplatz durch unbefugte Gewerbeausübung vernichtet wird, dann ist dies zumindest genauso schlimm wie der Verlust von Arbeitsplätzen durch illegale Beschäftigung. Mehr Pfusch, weniger Arbeitsplätze," bringt es Lahofer auf den Punkt. "Würde es gelingen, die Schattenwirtschaft am Bau nur um die Hälfte einzudämmen, hätten wir das Problem der Bauarbeitslosen beinahe gelöst."

Laut Prof. Friedrich Schneider von der Kepler-Universität in Linz entgehen der österreichischen Wirtschaft jährlich Aufträge in der Höhe von 220 Mrd Schilling durch "Facharbeiter", die sich nebenbei etwas dazuverdienen. Mit 88 Mrd Schilling wurde heuer erstmals das offizielle Bauvolumen vom Pfusch überflügelt.

Das österreichische Baugewerbe beschäftigt als größter privater Auftraggeber mehr als 100.000 Arbeitnehmer und ist somit von den negativen Auswirkungen dieses Übels am stärksten betroffen.

Der Umstand, daß gerade Bauarbeiter deutlich höhere Urlaubsansprüche, mehr Feiertage sowie eine kürzere Wochenarbeitszeit als die Arbeitnehmer in der übrigen Wirtschaft haben, lade förmlich dazu ein, sich nicht nur an Wochenenden, sondern auch während des Urlaubs - ganz entgegen dem Urlaubszweck, der auf Erholung und den Aufbau neuer körperlicher Ressourcen gerichtet ist - ein Körberlgeld in beträchtlicher Höhe zu verschaffen. Die Zeche zahlt die Allgemeinheit. So werden der Finanzminister und die Sozialversicherung jährlich um etwa 40 Mrd Schilling geprellt. Unfälle von Pfuschern werden vielfach als Freizeitunfälle getarnt. Die Zahl der steigenden Invaliditätspensionen gehe nicht selten auf exzessives Pfuschen zurück. Es sei alarmierend, daß Arbeitslosengeldbezieher, die sich nebenbei als Pfuscher verdingen, an einem regulären Job oft gar nicht mehr interessiert sind.

"Alle Initiativen der Bundesinnung der Baugewerbe, diese dramatische Entwicklung durch wirksame Maßnahmen, wie z.B. eine Bauarbeiter-Identitätskarte, zu stoppen, wurden von den verantwortlichen Politikern jahrelang verschleppt. Das Ergebnis kann man nun an der Arbeitslosenstatistik ablesen. Wenn man Pfusch gesellschaftlich als Form der Nachbarschaftshilfe verharmlost und als wichtigen Teil des Bruttoinlandsproduktes bezeichnet, wenn Arbeitsinspektoren reguläre Unternehmer rigoros kontrollieren und sich andererseits weigern, Pfuscherbaustellen zu betreten, darf man sich nicht mehr darüber wundern," betont Lahofer.

Anstatt immer neue Schikanen und Kontrollen für Unternehmen einzuführen, sollten die politisch Verantwortlichen endlich das Problem an der Wurzel packen und die Senkung der Lohnnebenkosten in Angriff nehmen. Sollte es nicht gelingen, die im EU-Vergleich im Spitzenfeld gelegenen Lohnnebenkosten zu reduzieren, würden unweigerlich, spätestens im Zuge der EU-Ostöffnung, teure inländische Arbeitskräfte durch billigere EU-Arbeitskräfte ersetzt.

Die Bundesinnung fordert schon seit langem, Arbeitsleistungen am Bau steuerlich zu entlasten, wenn sie durch befugte Gewerbetreibende ausgeführt werden. Der Pfusch könnte dadurch um ein Drittel eingedämmt und die Baukosten um mehr als 10 Prozent gesenkt werden. Die Zahl der Arbeitslosen würde sich laut WIFO um 7.000 verringern. Zusätzlich könnten 11.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

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