• 29.12.1997, 10:57:11
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  • OTS0054

Baugewerbe fordert schärferes Vorgehen gegen Schattenwirtschaft

Lahofer: 1998 soll kein angenehmes Jahr für Pfuscher werden

Wien (PWK) - "Das Baugewerbe begrüßt die Vorschläge von
Wirtschaftsminister Hannes Farnleitner und Sozialministerin Eleonore
Hostasch zur Installierung einer "Blautruppe' zur Bekämpfung von
Pfusch und Schwarzarbeit. Das unter dem Schlagwort "Saubere
Baustelle' verhandelte Maßnahmenpaket," so der Bundesinnungsmeister
der Baugewerbe, Johannes Lahofer, ****

"dürfe allerdings nicht einseitig in Bürgschaften und Haftungen
der Bau-Generalunternehmer als Sündenböcke ausarten, sondern müsse
auch konkrete Schritte gegen private Pfuscher vorsehen."

Mikrozensuserhebungen des Statistischen Zentralamtes haben
ergeben, daß 10 bis 12 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung einem
inoffiziellen Nebenerwerb nachgehen. Das bedeutet ein Heer von rund
600.000 Pfuschern.

"Wenn ein Arbeitsplatz durch unbefugte Gewerbeausübung vernichtet
wird, dann ist dies zumindest genauso schlimm wie der Verlust von
Arbeitsplätzen durch illegale Beschäftigung. Mehr Pfusch, weniger
Arbeitsplätze," bringt es Lahofer auf den Punkt. "Würde es gelingen,
die Schattenwirtschaft am Bau nur um die Hälfte einzudämmen, hätten
wir das Problem der Bauarbeitslosen beinahe gelöst."

Laut Prof. Friedrich Schneider von der Kepler-Universität in Linz
entgehen der österreichischen Wirtschaft jährlich Aufträge in der
Höhe von 220 Mrd Schilling durch "Facharbeiter", die sich nebenbei
etwas dazuverdienen. Mit 88 Mrd Schilling wurde heuer erstmals das
offizielle Bauvolumen vom Pfusch überflügelt.

Das österreichische Baugewerbe beschäftigt als größter privater
Auftraggeber mehr als 100.000 Arbeitnehmer und ist somit von den
negativen Auswirkungen dieses Übels am stärksten betroffen.

Der Umstand, daß gerade Bauarbeiter deutlich höhere
Urlaubsansprüche, mehr Feiertage sowie eine kürzere Wochenarbeitszeit
als die Arbeitnehmer in der übrigen Wirtschaft haben, lade förmlich
dazu ein, sich nicht nur an Wochenenden, sondern auch während des
Urlaubs - ganz entgegen dem Urlaubszweck, der auf Erholung und den
Aufbau neuer körperlicher Ressourcen gerichtet ist - ein Körberlgeld
in beträchtlicher Höhe zu verschaffen. Die Zeche zahlt die
Allgemeinheit. So werden der Finanzminister und die
Sozialversicherung jährlich um etwa 40 Mrd Schilling geprellt.
Unfälle von Pfuschern werden vielfach als Freizeitunfälle getarnt.
Die Zahl der steigenden Invaliditätspensionen gehe nicht selten auf
exzessives Pfuschen zurück. Es sei alarmierend, daß
Arbeitslosengeldbezieher, die sich nebenbei als Pfuscher verdingen,
an einem regulären Job oft gar nicht mehr interessiert sind.

"Alle Initiativen der Bundesinnung der Baugewerbe, diese
dramatische Entwicklung durch wirksame Maßnahmen, wie z.B. eine
Bauarbeiter-Identitätskarte, zu stoppen, wurden von den
verantwortlichen Politikern jahrelang verschleppt. Das Ergebnis kann
man nun an der Arbeitslosenstatistik ablesen. Wenn man Pfusch
gesellschaftlich als Form der Nachbarschaftshilfe verharmlost und als
wichtigen Teil des Bruttoinlandsproduktes bezeichnet, wenn
Arbeitsinspektoren reguläre Unternehmer rigoros kontrollieren und
sich andererseits weigern, Pfuscherbaustellen zu betreten, darf man
sich nicht mehr darüber wundern," betont Lahofer.

Anstatt immer neue Schikanen und Kontrollen für Unternehmen
einzuführen, sollten die politisch Verantwortlichen endlich das
Problem an der Wurzel packen und die Senkung der Lohnnebenkosten in
Angriff nehmen. Sollte es nicht gelingen, die im EU-Vergleich im
Spitzenfeld gelegenen Lohnnebenkosten zu reduzieren, würden
unweigerlich, spätestens im Zuge der EU-Ostöffnung, teure inländische
Arbeitskräfte durch billigere EU-Arbeitskräfte ersetzt.

Die Bundesinnung fordert schon seit langem, Arbeitsleistungen am
Bau steuerlich zu entlasten, wenn sie durch befugte Gewerbetreibende
ausgeführt werden. Der Pfusch könnte dadurch um ein Drittel
eingedämmt und die Baukosten um mehr als 10 Prozent gesenkt werden.
Die Zahl der Arbeitslosen würde sich laut WIFO um 7.000 verringern.
Zusätzlich könnten 11.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

"Werden die Wünsche des Baugewerbes endlich berücksichtigt,
könnten die schlimmsten Auswirkungen der Schattenwirtschaft auf die
Baubranche und deren Arbeitnehmer verhindert werden," faßt Lahofer
zusammen.
(Schluß) hp
Rückfragehinweis: Bundesinnung der Baugewerbe

Mag. Manfred Katzenschlager
Tel: 01/718 37 37-17

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK/PWK

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