Neue Hoffnung für Alkoholkranke (ORF-Bericht ZIB 2, 18.12.97)

Wien (OTS) - 1 TABLETTE Naltrexon (REVIA(TM) pro Tag verdoppelt
die Chance auf Abstinenz

Naltrexon (REVIA), ein Blocker der körpereigenen Suchtstoffe (Endorphine), kann ab 1.1.98 kassenfrei durch Fachärzte für Neurologie und Psychiatrie verschrieben werden.

Eindrucksvolle Ergebnisse im Rahmen der Behandlung von alkoholkranken Patienten in den Therapiezentren und bei niedergelassenen Fachärzten haben den Hauptverband der Krankenversicherungsträger dazu bewegt, REVIA den Status der Kassenfreiheit bei Verschreibung durch Fachärztefür Neurologie und Psychiatrie zu gewähren. REVIA, der einzig oral einnehmbare Opiatantagonist, ist seit 1996 in Österreich für die Therapie der Alkoholkrankheit zugelassen. Der Wirkmechanismus der Substanz beruht auf der Blockade körpereigener Endorphin-Rezeptoren. Alkohol ist ein hochwirksamer Stimulator der Ausschüttung von Endorphinen im menschlichen Zentralnervensystem. Beider Alkoholkrankheit leidet der Organismus an der Abhängigkeit von diesen körpereigenen Suchtstoffen. Nach dem Entzug kämpfen viele Patienten mit dem Problem der Begierde (Craving) nach Alkohol. Craving wird aus dem Suchtgedächtnis abgerufen, durch Endorphinpulsationen ausgelöst und tritt als Konsequenz verschiedener Schlüsselreize auf. Beispielsweise können der Anblick, der Geruch oder der Geschmack (Arznei-Tropfen auf alkoholischer Basis!) von Alkohol unkontrollierbares Craving hervorrufen. Die Anti-Cravingwirkung von REVIA in Kombinationmit psychotherapeutischer Betreuung reduziert die Rückfallsrate Alkoholkranker um bis zu 50 %. Empfohlen wird eine Behandlungsdauer von 6-12 Monaten.

Details zum Wirkmechanismus und zur Therapie der Alkoholkrankheit mit Naltrexon (REVIA):

Hauptort der Endorphin-Ausschüttung im ZNS ist ein spezifisches Zentrum in der sogenannten mesolimbischen Suchtachse, der sog. NucleusAccumbens. Beim Alkoholiker ist bekannt, daß

1, nach dem Entzug die Endorphin-abhängigen Zellen in diesem Zentrum besonders sensibilisiert sind, und

2, die Tendenz zur besonders "starken" Endorphinausschüttung nach Alkoholaufnahme vererbt werden kann (angeborene Neigung zum Alkoholismus).

Craving - ein neuer Begriff für die Begierde nach Suchtgiften ? Späte Bestätigung der Pavlov'schen Experimente ?

Ähnlich wie Pavlov demonstrieren konnte, daß allein das Läuten einer Glocke Speichelfluß auslösen kann, läßt sich bei Alkoholikern durch die verschiedensten Umweltreize Craving, also Begierde nach Alkohol, auslösen. Statt der Glocke ist es der Anblick des Stammlokals oder der Geruch von Alkohol, also typische, mit dem früheren Konsum von Alkohol verbundene Situationen, welche dem Patienten gleichsam das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Bei Vielen ist das Craving dann nicht mehr einzudämmen, es wird zum unkontrollierbaren Zwang, sie greifen wieder zum Glas. Die Folge der Alkoholaufnahme: noch mehr Endorphinausschüttung und noch mehr Craving. Ein Circulus vitiosus, der, im Pavlov'schen Sinn formuliert, den berühmten Kontrollverlust "einläutet" und zur unkontrollierbaren Aufnahme enormer Mengen an Alkohol führen kann.

Bedeutung von Craving für den Rückfall eines Alkoholkranken

Aus wissenschaftlichen Untersuchungen ist bekannt, daß die Begierde (Craving) nach Alkohol in 75 % der Fälle einem Rückfall unmittelbar vorausgeht. Da Craving vor allem durch Endorphine ausgelöst wird, dämpft der Endorphinrezeptor-Antagonist REVIA das Craving rasch und signifikant. Viele Patienten spüren schon kurz nach der Einnahme einer Tablette, deren Wirkung 24 h anhält, überhaupt kein Verlangen nach Alkohol.

Vorteile der Anti-Cravingwirkung von REVIA

REVIA reduziert die Anzahl der Abstinenzverletzungen und erhöht die Rate an Patienten, die kontinuierlich abstinent bleiben. Kommt es trotzdem zu einer Abstinenzverletzung, wird erheblich weniger Alkohol aufgenommen, weil die Alkohol-bedingte Endorphinstimulation keinerlei Effekte zeigen kann. Alkohol verliert unter REVIA seinen positiven Effekt. Dadurch können Kontrollverluste vermieden werden, ein schwerer Rückfall bleibt aus, und den Patienten gelingt es leichter, zum Abstinenzverhalten zurückzukehren.

Einnahme von REVIA

Die Therapie mit REVIA wird unmittelbar nach ambulantem bzw. stationärem Entzug begonnen. Bedingt durch den raschen Wirkbeginn, kann REVIA aber auch kurzzeitig in einer späteren Krisenphase eingesetzt werden. Die Therapiedauer beträgt in der Regel 6-12 Monate. Mehrere Faktoren sind wesentlich für die Effizienz der Anticravingmedikation mit REVIA. Zunächst ist es wichtig, daß die Patienten in einem begleitenden Therapiekonzept psycho- und sozialtherapeutisch betreut werden. Dies und die Tatsache, daß nur eine Tablette pro Tag eingenommen werden muß, trägt entscheidend zur Einnahme-Disziplin bei. In einer großen amerikanischen Studie konnte gezeigt werden, daß 92 % der so betreuten Patienten ihre REVIA-Tabletten regelmäßig nahmen. Von entscheidendem Einfluß für die Akzeptanz beim Patienten ist auch die gute Verträglichkeit der Medikation. Durch den spezifischen Effekte auf die Endorphin-Achse beeinflußt REVIA die Stimmungslage nicht. Ein kleiner Prozentsatz von Patienten entwickelt Übelkeit als Nebenwirkung. Selten kommt es zu Schwindel oder Müdigkeit. Diese Effekte treten in der Regel am Beginn der Therapie auf und verschwinden üblicherweise nach wenigen Tagen.

Gibt es den REVIA-Patienten ?

Nationale und internationale Studien haben gezeigt, daß REVIA sowohl bei Spiegel- als auch bei Quartalstrinkern mit gutem Erfolg eingesetzt werden kann. Zudem häufen sich die wissenschaftlichen Hinweise, daß Anomalien im Endorphin-Stoffwechsel (verstärkte Reaktion auf Alkohol) vererbt werden können. Somit kann REVIA auch bei familiär vererbter Neigung zur Alkoholsucht erfolgreich angewandt werden. Letztlich sei darauf hingewiesen, daß Patienten, die bei der Alkoholaufnahme zu Kontrollverlusten neigen, von REVIA profitieren.

Rückfragen & Kontakt:

Doz. Dr. Günther Krumpl
Tel.: 01-407 39 19

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