- 04.12.1997, 09:30:13
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Gewerbe und Handwerk: "Schluß mit der Hatz auf Unternehmer"
Achleitner: "Nicht die illegale Beschäftigung, sondern der gewerbliche Pfusch verhindert Arbeitsplätze"
Wien (PWK) - "Ich bin empört über die haltlosen Unterstellungen
der Gewerkschaft, pauschal alle Unternehmer als skrupellose
Schwarzarbeitgeber und Ausbeuter hinzustellen. Damit wird kein
einziger neuer Arbeitsplatz geschaffen", erklärte Fritz Achleitner,
Obmann der Bundessektion Gewerbe und Handwerk, in einer Aussendung
der Wirtschaftskammer Österreich. Nicht die illegale Beschäftigung,
sondern der gewerbliche Pfusch verhindere in Wahrheit die Schaffung
neuer Arbeitsplätze. "Statt den klassischen Pfusch augenzwinkernd als
Kavaliersdelikt zu akzeptieren, verlange ich für Pfuscher höhere
Strafen", forderte Achleitner. ****
Bereits jeder zehnte Österreicher im erwerbsfähigen Alter bessere
sich in der Freizeit sein Nettoeinkommen durch gewerbliche
'Nachbarschaftshilfe' auf, ein Viertel der Bevölkerung hat laut einer
Umfrage von Friedrich Schneider, Professor für Volkswirtschaft an der
Uni Linz, in den letzten zwei, drei Jahren Schwarzarbeiter
beschäftigt. Den Unternehmen entgehen dadurch jährlich Aufträge in
der Höhe von 220 Mrd Schilling. "Hier muß man ansetzen, wenn man die
Arbeitslosigkeit ernsthaft bekämpfen will. Schon jetzt werden die
kleinen und mittleren Betriebe am meisten schikaniert und am meisten
kontrolliert. Irgendwann muß Schluß sein mit der wilden Hatz auf
Unternehmer", so Achleitner.
Gewerbetreibende sind auf Grund der Belastung mit Steuern und
Sozialabgaben mit den Pfuschern nicht vergleichbar. Der Staat und die
Sozialversicherung verlieren Einnahmen in Milliardenhöhe,
gleichzeitig beziehen viele Pfuscher Arbeitslosenunterstützung oder
eine Pension und nehmen damit redlichen Arbeitsuchenden den
Arbeitsplatz weg.
Die massiven Wettbewerbsverzerrungen durch den gewerblichen Pfusch
können nur durch eine strikte Unterbindung von steuerhinterziehenden
beruflichen Tätigkeiten eingeschränkt werden. Außerdem müßte nicht
nur die Steuer- und Abgabenbelastung für die Betriebe gesenkt werden;
auch den Konsumenten sollten in Zukunft deutliche Steueranreize zur
Beschäftigung von Gewerbe- und Handwerksbetrieben im privaten
Einfamilien- und Wohnbau sowie bei Sanierungstätigkeiten durch die
Refundierung eines Teiles der Mehrwertsteuer geboten werden. "Eine
derartige Maßnahme hat beispielsweise in Luxemburg zu einer
deutlichen Reduzierung des Pfusches geführt", so Achleitner.
Die Idee eines ermäßigten Steuersatzes für arbeitsintensive
Dienstleistungen wird bereits europaweit diskutiert. Nach EU-
Steuerkommissar Mario Monti haben sich nicht nur die Delegierten der
3. europäischen Handwerkskonferenz, die vor kurzem in Mailand
stattfand, sondern auch das Europäische Parlament in seiner
Stellungnahme zum Beschäftigungsgipfel in Luxemburg für eine solche
Maßnahme ausgesprochen. "Es ist daher unverständlich, daß manche
österreichische Politiker für diese Idee noch immer kein Verständnis
aufbringen", erklärte Achleitner.
Das Handwerk sowie die kleinen und mittleren Unternehmen leisten
schon jetzt einen großen Beitrag zur Schaffung von Arbeitsplätzen in
Europa. So wurden zwischen 1988 - 1995 die jährlichen Verluste von
mehr als 200.000 Arbeitsplätzen in großen Unternehmen nur durch die
Schaffung von Arbeitsplätzen in kleinen und mittleren Unternehmen
ausgeglichen. Unternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten haben
jedes Jahr 250.000 neue Jobs geschaffen. Insgesamt gibt es in der EU
rund 17 Mio Handwerksbetriebe und kleine Unternehmen, die mehr als 70
Mio Menschen beschäftigen. Auch in Österreich ist das Gewerbe und
Handwerk mit seinen 670.000 Beschäftigten der größte private
Arbeitgeber.
(Schluß) MH
Rückfragehinweis: Bundessektion Gewerbe und Handwerk
Mag. Helmut Heindl
Tel: 50105/DW 3201
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