• 24.11.1997, 10:26:15
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  • OTS0061

Euro-bringt bessere Produktionsbedingungen in Europa

Clement: "Währungsschwankungen hemmen automatisch die Produktivitätskräfte der Betriebe"

Wien (PWK) - "Die Wettbewerbsfähigkeit von Einzelstaaten kann
nicht losgelöst von Wechselkursen gesehen werden. Durch die
Währungsschwankungen tritt automatisch eine Hemmung der
Produktivitätskräfte ein, deshalb ist die Einführung einer
gemeinsamen europäischen Währung von entscheidender Bedeutung",
erklärte Prof. Werner Clement, Vorstand des
Industriewissenschaftlichen Institutes, anläßlich der Präsentation
der Studie: 'Die europäische Währungsunion als Herausforderung für
den Industriestandort Österreich'. ****

Diese von der Bundessektion Industrie und der Industriesektionen
der Länder in Auftrag gegebene Studie weist nach, wie verletzlich
gerade kleine Länder wie Österreich, die einen hohen Offenheitsgrad
(d.h. Summe der Exporte und Importe zum BIP) aufweisen, auf
Wechselkursbewegungen reagieren. In Österreich beträgt der
Offenheitsgrad rund 66 Prozent des BIP. Jede Bewegung irritiert
sofort das gesamte Preis- und Kostengefüge. Nicht nur Exporte,
sondern auch Importe sind davon betroffen. Die USA mit ihrem großen
Binnenmarkt hat nur einen Offenheitsgrad von 24 Prozent, daher ist
ihre Wirtschaft mit wesentlich weniger Unsicherheiten konfrontiert.
Mit einer Einheitswährung wird ähnliches in Europa gelten. Die dann
stabilen Geldwertbedingungen werden nahezu für 90 Prozent der
europäischen Binnenproduktion gelten.

In Österreich wird der Euro die Privatwirtschaft deutlich
entlasten. Die Kleinheit des österreichischen Kapitalmarktes bringt
es mit sich, daß bis jetzt immer Zinsprämien verrechnet werden
mußten. Die durch den Maastricht Vertrag festgelegten
Rahmenbedingungen für die Höhe der Staatsverschuldung (max. 60
Prozent) und Neuverschuldung ( 3 Prozent) wirken sich ebenso positiv
auf die einzelnen Staaten aus. "Die sich ergebende
Privatisierungsspirale wiederum fördert eine Preisreduzierung. Was im
Telekommunikationsbereich bereits begann, wird sich im
Verkehrsbereich fortsetzen und sich positiv auf die Wirtschaft
auswirken", erklärte Clement.

In der Makropolitik ergibt der Euro eine neue Standortqualität.
"Die Wirtschaftspolitik wird sich vermehrt darum kümmern müssen, ein
wirtschaftsfreundliches Umfeld herzustellen und optimale
Infrastrukturen anzubieten. Denn der Wettbewerb auf Unternehmensebene
zwingt dort zu produzieren, wo die besten Rahmenbedingungen
vorliegen. Die Industriepolitik ist deshalb noch stärker im Sinne
einer offenen Standortpolitik zu gestalten", ergänzte Dr. Heinz
Kessler, Obmann der Bundessektion Industrie. Der generell leichtere
Zugang zu Risikokapital durch das Entstehen eines Euro-Kapitalmarktes
wird die Realwirtschaft stärken.

Die derzeitige Überbewertung der DM und damit auch des Schillings
wird durch die Einführung des Euros korrigiert, das strukturelle
Ungleichgewicht zwischen Transaktionsvolumen auf Finanzmärkten und
Realwirtschaft deutlich verringert. Die Überbewertung des
europäischen Hartwährungsblocks könnte durch den Euro korrigiert
werden und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Österreichs
erhöhen.

Es geht um eine kompetitive, geistige, materielle Infrastruktur.
Die Industriepolitik ist also gefordert die notwendigen
Rahmenbedingungen zu gewährleisten. Die Steuer und Abgabenbelastung
liegt im EU-Durchschnitt bei 42,4 Prozent, in Österreich bei 45,7
Prozent. Maastricht und der Stabilitätspakt zwingen zu überfälligen
Reformen, dies wiederum ergibt langfristig eine Politik der Standort-
Attraktivitätssicherung.

Auf die aktive, auf den Standort abgestimmte Lohnpolitik, wird in
Zukunft noch mehr Augenmerk zu richten sein. Sie wird sich nach der
Beschäftigungssituation richten müssen. Mehr Flexibilität in der
Arbeitszeit und bei den Löhnen wird gefordert. Die Ist-Lohn-
Verhandlungen werden eine größere Dezentralisierung erfahren müssen.
Die Sozialpartner werden ihr Standortverständnis und damit ihr
Bekenntnis zu einer standortsichernden Lohnpolitik beweisen müssen.

Die Einführung des Euros wird noch klarer zum Ausdruck bringen,
wie dringend eine Verwaltungsvereinfachung erfolgen muß. Einfache und
attraktive steuerliche Rahmenbedingungen sind im Bereich der
Arbeitsmärkte zu schaffen. "Es gilt eine offensive, in sich und mit
anderen Politiken wohl abgestimmte Standortpolitik zu betreiben und
nationale Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Unternehmen eine
starke Wettbewerbsposition ermöglichen", deponierte Kessler.
(Schluß) MH
Rückfragehinweis: Wirtschaftskammer Österreich

Presseabteilung
Tel: 01-50105-0

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