Euro-bringt bessere Produktionsbedingungen in Europa

Clement: "Währungsschwankungen hemmen automatisch die Produktivitätskräfte der Betriebe"

Wien (PWK) - "Die Wettbewerbsfähigkeit von Einzelstaaten kann
nicht losgelöst von Wechselkursen gesehen werden. Durch die Währungsschwankungen tritt automatisch eine Hemmung der Produktivitätskräfte ein, deshalb ist die Einführung einer gemeinsamen europäischen Währung von entscheidender Bedeutung", erklärte Prof. Werner Clement, Vorstand des Industriewissenschaftlichen Institutes, anläßlich der Präsentation der Studie: 'Die europäische Währungsunion als Herausforderung für den Industriestandort Österreich'. ****

Diese von der Bundessektion Industrie und der Industriesektionen der Länder in Auftrag gegebene Studie weist nach, wie verletzlich gerade kleine Länder wie Österreich, die einen hohen Offenheitsgrad (d.h. Summe der Exporte und Importe zum BIP) aufweisen, auf Wechselkursbewegungen reagieren. In Österreich beträgt der Offenheitsgrad rund 66 Prozent des BIP. Jede Bewegung irritiert sofort das gesamte Preis- und Kostengefüge. Nicht nur Exporte, sondern auch Importe sind davon betroffen. Die USA mit ihrem großen Binnenmarkt hat nur einen Offenheitsgrad von 24 Prozent, daher ist ihre Wirtschaft mit wesentlich weniger Unsicherheiten konfrontiert. Mit einer Einheitswährung wird ähnliches in Europa gelten. Die dann stabilen Geldwertbedingungen werden nahezu für 90 Prozent der europäischen Binnenproduktion gelten.

In Österreich wird der Euro die Privatwirtschaft deutlich entlasten. Die Kleinheit des österreichischen Kapitalmarktes bringt es mit sich, daß bis jetzt immer Zinsprämien verrechnet werden mußten. Die durch den Maastricht Vertrag festgelegten Rahmenbedingungen für die Höhe der Staatsverschuldung (max. 60 Prozent) und Neuverschuldung ( 3 Prozent) wirken sich ebenso positiv auf die einzelnen Staaten aus. "Die sich ergebende Privatisierungsspirale wiederum fördert eine Preisreduzierung. Was im Telekommunikationsbereich bereits begann, wird sich im Verkehrsbereich fortsetzen und sich positiv auf die Wirtschaft auswirken", erklärte Clement.

In der Makropolitik ergibt der Euro eine neue Standortqualität. "Die Wirtschaftspolitik wird sich vermehrt darum kümmern müssen, ein wirtschaftsfreundliches Umfeld herzustellen und optimale Infrastrukturen anzubieten. Denn der Wettbewerb auf Unternehmensebene zwingt dort zu produzieren, wo die besten Rahmenbedingungen vorliegen. Die Industriepolitik ist deshalb noch stärker im Sinne einer offenen Standortpolitik zu gestalten", ergänzte Dr. Heinz Kessler, Obmann der Bundessektion Industrie. Der generell leichtere Zugang zu Risikokapital durch das Entstehen eines Euro-Kapitalmarktes wird die Realwirtschaft stärken.

Die derzeitige Überbewertung der DM und damit auch des Schillings wird durch die Einführung des Euros korrigiert, das strukturelle Ungleichgewicht zwischen Transaktionsvolumen auf Finanzmärkten und Realwirtschaft deutlich verringert. Die Überbewertung des europäischen Hartwährungsblocks könnte durch den Euro korrigiert werden und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Österreichs erhöhen.

Es geht um eine kompetitive, geistige, materielle Infrastruktur. Die Industriepolitik ist also gefordert die notwendigen Rahmenbedingungen zu gewährleisten. Die Steuer und Abgabenbelastung liegt im EU-Durchschnitt bei 42,4 Prozent, in Österreich bei 45,7 Prozent. Maastricht und der Stabilitätspakt zwingen zu überfälligen Reformen, dies wiederum ergibt langfristig eine Politik der Standort-Attraktivitätssicherung.

Auf die aktive, auf den Standort abgestimmte Lohnpolitik, wird in Zukunft noch mehr Augenmerk zu richten sein. Sie wird sich nach der Beschäftigungssituation richten müssen. Mehr Flexibilität in der Arbeitszeit und bei den Löhnen wird gefordert. Die Ist-Lohn-Verhandlungen werden eine größere Dezentralisierung erfahren müssen. Die Sozialpartner werden ihr Standortverständnis und damit ihr Bekenntnis zu einer standortsichernden Lohnpolitik beweisen müssen.

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