Vera im Kreuzfeuer

Medienenquete im Neuen Landhaus

St.Pölten (NLK) - Rund 90 Medienfachleute, Meinungsbildner und Pädagogen - darunter 20 Studenten der PÄDAG in Krems nahmen am Mittwoch an der ersten Me-dienenquete im Ostarrichisaal des NÖ Landhauses in St.Pölten teil, die dem Thema "Unterhaltung im Fernsehen" gewidmet war. Der Tagung war eine Umfrage des Club M (Verein zur Förderung christlicher Medienarbeit in Österreich) vorausgegangen, die von mehreren Zeitungen - in Niederösterreich von der NÖN - publiziert wurde. Sie er-gab, daß jeder fünfte Österreicher die erfolgreichste Talk-Show im deutschsprachigen
Raum regelmäßig sieht, 61 Prozent verfolgen sie "hin und wieder". Die meisten Be-fragten waren sich darüber einig, daß die Sendung "Vera" die "Sensationslust befrie-digt", "reißerische Themen" behandelt und wiederholt auch die "Intimsphäre Betroffe-ner" verletzt.

Die Untersuchung sei keine repräsentative Umfrage, sagte Prof. Hans Ströbitzer, der Vorsitzende des Club M, aber es handle sich
um interessante "Mosaiksteine", die der Bildung eines verantwortungsvollen und kritischen Medienbewußtseins dienlich
sein könnten. Für die Auswertung der 1.180 schriftlichen "Interviews" zeichnete Dr. Lieselotte Stalzer vom Publizistikinstitut der Universität Wien verantwortlich. Dr. Stal-zer betonte: "Vera" spreche primär Frauen an, denn 27 Prozent sagen, die Sendung "liefert Gesprächsstoff in der Familie" (Männer 19 Prozent). "Sie hilft den Betroffenen, ihre Situation zu meistern", meinen 23 Prozent Frauen (Männer 13 Prozent). "Vera"-Chefredakteur Klaus Wintersperger bestätigte bei der
Enquete "ähnliche Er-gebnisse" der ORF-internen Medienforschung. Als Mutter von zwei Kindern sei "Vera" eine Person, die Glaubwürdigkeit zu vermitteln habe und daher gewisse Grenzen des guten Geschmacks gar nicht übertreten könne. Es sei nicht richtig, daß das "Vera"-Team nur nach Quoten schielen würde. Wintersperger und ORF-Sprecher Thomas Prantner gaben aber zu, daß manchmal auch Fehler gemacht worden seien und die Sendung manchmal "an die
Grenze" geht.
Niederösterreichs ORF-Kurator Dr. Ernst Strasser meinte dazu kritisch, es stelle sich die Frage, wo diese Grenze sei. Er
forderte klare Vorgaben vor allem für das Kinder-programm und begrüßte es, daß über Intervention die harten Gewaltszenen aus den Trailern des Vorabendprogrammes gestrichen worden seien. Ingeborg Schödl von der Hörer- und Sehervertretung des ORF verwies darauf, daß "Vera" ein "Dauerbrenner" im Programm- und Beschwerdeausschuß sei. Aber es sei ihr klar, daß der ORF im Konkurrenzkampf nicht anders könne, als den "Spagat zwischen Quote und Qualität" zu üben. Sie forderte daher eine "finanzielle Absicherung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks".
Nach der umfangreichen Diskussion, an der zahlreiche
Medienexperten und Pädago-gen teilnahmen, lud ÖVP-Klubobmann Gerhard Böhm im Namen von Landeshaupt-mann Dr. Erwin Pröll zu einem Empfang. Er begrüßte die Medienenquete im NÖ Landhaus, die zu einer fachkundigen Meinungsbildung beitrage, und lud die Veran-stalter ein, auch im nächsten Jahr wieder Gäste in der Landeshauptstadt zu sein.

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