- 17.11.1997, 10:17:34
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- OTS0055
Lehrlingskrise: richtige Lagebeurteilung durch Gehrer
Spezielle Maßnahmen für Lernschwache notwendig
Wien (PWK) - "Es gibt keine Lehrlingskrise, wohl aber
Schwierigkeiten für die Arbeitnehmerseite, ihren Plan zur
Systemänderung durchzusetzen", stellt Georg Piskaty, Leiter der
Gruppe Bildungspolitik in der Wirtschaftskammer Österreich, zu der
wieder aufgeflammten Diskussion um Lehrlinge fest. Langsam erkennt
man die Konturen eines gut vorbereiteten Planes, der mit Hilfe des
AMS und des bfi in die Praxis umgesetzt werden und Österreich
zusätzlich zur Lehrlingsausbildung ein "triales System" bescheren
soll, so Piskaty. ****
Dieses selbstverständlich hoch subventionierte System bedeutet
nicht nur die Verschulung der Lehrlingsausbildung, sondern stellt
eine Beschäftigungstherapie für die Berufsförderungsinstitute dar.
Die Wirtschaftskammer erinnert daran, daß die Unterrichtsministerin
Wort gehalten und allen interessierten und geeigneten Jugendlichen
Schulplätze in weiterführenden Schulen gesichert hat. Ebenso haben
die österreichischen Betriebe trotz unzureichender Rahmenbedingungen
heuer wesentlich mehr, etwa 6 %, Lehrplätze angeboten.
Wenn 6.000 Lehrstellensuchenden rund 3.000 Lehrstellen
gegenüberstehen und zahlreiche Betriebe feststellen, daß sie keine
geeigneten Lehrlinge für offene Lehrstellen finden, so kann es nicht
um die Schaffung von zusätzlichen Schulplätzen und damit einer
Fachschule zweiter Kategorie mit öffentlichen Subventionen gehen.
Vielmehr müssen Ausbildungssysteme für lernschwache Jugendliche
kreiert werden, die aus welchen Gründen auch immer derzeit noch nicht
zum Abschluß eines Lehrvertrages befähigt sind.
Das Interesse der Proponenten des "trialen Systems" geht aber in
eine andere Richtung. Man will die Berufsschulen zu vollschulischen
Bildungsstätten umwandeln und Lehrwerkstätten, die von der Wirtschaft
nicht mehr gebraucht werden, künstlich am Leben erhalten. Diese
sollen hoch subventioniert weitergeführt werden, während
ausbildungswilligen Betrieben mit dem Hinweis auf fehlende
Finanzmittel weder ein Investitionsfreibetrag noch eine Abgeltung der
Lehrlingsentschädigung während der Berufsschulzeit geboten wird.
"Zahlreiche Gesetze behindern zusätzliche Lehrlingseinstellungen,
so zB das Invalideneinstellungsgesetz oder das
ArbeitnehmerInnenschutzgesetz", erklärt Piskaty, weil "beide Gesetze
ab bestimmten Beschäftigtenzahlen den Unternehmen zusätzliche
Verpflichtungen auferlegen, die für kleinere Betriebe nicht oder in
geminderter Form gelten". Würde man in beiden Fällen die Lehrlinge
bei den Beschäftigtenzahlen nicht mitzählen, könnten manche Betriebe
mehr Lehrlinge aufnehmen, ohne diese Grenzen zu überschreiten. Der
Wirtschaftskammer Österreich sind konkrete Fälle bekannt, bei denen
die Einstellung zusätzlicher Lehrlinge gerade an der Grenze der
Beschäftigtenzahl gescheitert ist.
Einfachere und praxisgerechtere gesetzliche Rahmenbedingungen
wären ein preiswerter Beitrag für mehr Lehrlingsbeschäftigung.
"Deshalb ruft die Wirtschaft den Bundeskanzler im Sinne seines
Versprechens an die Jugend auf, bei der Beseitigung solcher Hürden
für die Lehrlingsaufnahme aktiv zu werden. Dazu zählen auch
verschiedene Bestimmungen im Berufsausbildungsgesetz, wie Prüfungen
für Betriebe, die erstmals ausbilden. Ebenso wird an ihn appelliert,
die Gewerkschaftsseite zu einer konstruktiven Mitarbeit zu bewegen",
betont Piskaty abschließend.
(Schluß) pt
Rückfragehinweis: Abteilung für Bildungspolitik
Dr. Georg Piskaty
Tel: 50105/DW 4073
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