Lehrlingskrise: richtige Lagebeurteilung durch Gehrer

Spezielle Maßnahmen für Lernschwache notwendig

Wien (PWK) - "Es gibt keine Lehrlingskrise, wohl aber Schwierigkeiten für die Arbeitnehmerseite, ihren Plan zur Systemänderung durchzusetzen", stellt Georg Piskaty, Leiter der Gruppe Bildungspolitik in der Wirtschaftskammer Österreich, zu der wieder aufgeflammten Diskussion um Lehrlinge fest. Langsam erkennt man die Konturen eines gut vorbereiteten Planes, der mit Hilfe des AMS und des bfi in die Praxis umgesetzt werden und Österreich zusätzlich zur Lehrlingsausbildung ein "triales System" bescheren soll, so Piskaty. ****

Dieses selbstverständlich hoch subventionierte System bedeutet nicht nur die Verschulung der Lehrlingsausbildung, sondern stellt eine Beschäftigungstherapie für die Berufsförderungsinstitute dar. Die Wirtschaftskammer erinnert daran, daß die Unterrichtsministerin Wort gehalten und allen interessierten und geeigneten Jugendlichen Schulplätze in weiterführenden Schulen gesichert hat. Ebenso haben die österreichischen Betriebe trotz unzureichender Rahmenbedingungen heuer wesentlich mehr, etwa 6 %, Lehrplätze angeboten.

Wenn 6.000 Lehrstellensuchenden rund 3.000 Lehrstellen gegenüberstehen und zahlreiche Betriebe feststellen, daß sie keine geeigneten Lehrlinge für offene Lehrstellen finden, so kann es nicht um die Schaffung von zusätzlichen Schulplätzen und damit einer Fachschule zweiter Kategorie mit öffentlichen Subventionen gehen. Vielmehr müssen Ausbildungssysteme für lernschwache Jugendliche kreiert werden, die aus welchen Gründen auch immer derzeit noch nicht zum Abschluß eines Lehrvertrages befähigt sind.

Das Interesse der Proponenten des "trialen Systems" geht aber in eine andere Richtung. Man will die Berufsschulen zu vollschulischen Bildungsstätten umwandeln und Lehrwerkstätten, die von der Wirtschaft nicht mehr gebraucht werden, künstlich am Leben erhalten. Diese sollen hoch subventioniert weitergeführt werden, während ausbildungswilligen Betrieben mit dem Hinweis auf fehlende Finanzmittel weder ein Investitionsfreibetrag noch eine Abgeltung der Lehrlingsentschädigung während der Berufsschulzeit geboten wird.

"Zahlreiche Gesetze behindern zusätzliche Lehrlingseinstellungen, so zB das Invalideneinstellungsgesetz oder das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz", erklärt Piskaty, weil "beide Gesetze ab bestimmten Beschäftigtenzahlen den Unternehmen zusätzliche Verpflichtungen auferlegen, die für kleinere Betriebe nicht oder in geminderter Form gelten". Würde man in beiden Fällen die Lehrlinge bei den Beschäftigtenzahlen nicht mitzählen, könnten manche Betriebe mehr Lehrlinge aufnehmen, ohne diese Grenzen zu überschreiten. Der Wirtschaftskammer Österreich sind konkrete Fälle bekannt, bei denen die Einstellung zusätzlicher Lehrlinge gerade an der Grenze der Beschäftigtenzahl gescheitert ist.

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Dr. Georg Piskaty
Tel: 50105/DW 4073

Abteilung für Bildungspolitik

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