KILENGI Afrikanische Skulpturen aus der Bareiss-Sammlung

Wien (OTS) - Pressepreview:Dienstag, 11. November 1997, 10.30 Uhr Ort:MAK-Ausstellungshalle Obergeschoß
Ausstellungsdauer:12. November 1997 - 18. Jänner 1998 Öffnungszeiten:Di - So 10.00 - 18.00 Uhr
Do 10.00 - 21.00 Uhr, Mo geschlossen

Das MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst zeigt vom 12. November 1997 bis 18. Jänner 1998 über 200 Objekte traditioneller afrikanischer Kunst aus der Privatsammlung von Walter Bareiss. KILENGI bedeutet in der Sprache der nördlichen Bantu in Zaïre "Freude, die durch Schönheit erwächst". Als möglicher Umgang mit den Exponaten suggeriert der Ausstellungstitel einen emotionalen Zugang durch den Betrachter. Die Kunstwerke können aber auch als ideelle Symbole und materielle Repräsentanten eines historischen Spannungsfeldes zwischen afrikanischen gelebten Wirklichkeiten und europäischen Umgangsformen interpretiert werden. Der Dialog zwischen den beiden Polen ermöglicht eine Betrachtung der Exponate jenseits des exotisch-nostalgischen "Phantoms Afrika".

Die Ausstellung bietet keinen umfassenden Überblick über das Kunstschaffen in Afrika, sondern spiegelt den an westlicher Kunst geschulten Blick eines Liebhabers, der sich in seiner Sammeltätigkeit von der Ausdruckskraft der Stücke lenken ließ. Im Unterschied zu Museumssammlungen ist die hier präsentierte nicht unmittelbares Produkt kolonialer Machtverhältnisse, sondern ist aufbauend auf den aktuellen Wissenstand des westlichen Kunstbetriebes gewachsen. Bareiss fokussierte sein Interesse hauptsächlich auf den kunsthistorisch erst wenig erforschten Osten und auf Zentralafrika. Beraten von einschlägigen Experten gelang es ihm, eine Sammlung aufzubauen, die außergewöhnliche und seltene Kunstwerke umfaßt und in der Gesamtheit der Auswahl einen besonderen Charakter manifestiert. Der Großteil der Kunstwerke wurde noch nie öffentlich gezeigt, eine repräsentative Auswahl wird nun erstmals in der Ausstellung KILENGI vorgestellt. Bemerkenswert sind drei überlebensgroße Marionetten aus dem Nordosten Tansanias, die bei Wettbewerben von Tanzgesellschaften verwendet wurden und zu den Neuentdeckungen in der afrikanistischen Kunstforschung zählen. Mehrere Masken aus dem Osten Zaïres, die zum Teil mit geometrischen Mustern überzogen sind, waren bis vor kurzem unbekannt und ihre konkrete Bedeutung und Funktion ist noch ungeklärt. Die ausdrucksstarken naturalistischen Masken aus Tansania zählen zu den faszinierendsten Stücken, die in Ostafrika gesammelt wurden. Hochlehnige Stühle von einigen Bevölkerungsgruppen Tansanias, figurative Gefäßkeramiken aus Zaïre, aber auch sogenannte Klassiker der afrikanischen Kunst, wie einige hervorragende Luba-Objekte, Lobi-Skulpturen, Masken und magische Figuren der Songye und einige markante Chokwe-Stücke finden sich in dieser Ausstellung. Eine weitere Gruppe von rezenten Entdeckungen sind kleine Tonskulpturen der erst in den siebziger Jahren am Niger in Mali entdeckten alten Djenné-Kultur. Afrikanische Kunst hat für die westliche Moderne eine besondere Bedeutung, sie gilt als wichtige Quelle der Inspiration für Picasso, Braque, die "Fauves", aber auch für die Künstler der "Brücke" und des "Blauen Reiter". Deren Bewunderung und Interesse hat ihr erst den Weg der Anerkennung von der "Kuriosität" zum "Kunstwerk" geebnet. Auch heute gehören Künstler zu den bedeutenden Sammlern afrikanischer Kunst. Die Ausstellung KILENGI war erstmals in der Kestner Gesellschaft in Hannover zu sehen und wird nach ihrer Präsentation im MAK in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München sowie in den USA, im Museum of Art in Iowa und im Neuberger Museum in Purchase (N. Y.) gezeigt.

Im Unterschied zu gängigen Ausstellungsweisen afrikanischer Kunst, die zumeist die Objekte auf Einzelpodeste unter Glasstürze verbannen, versucht das MAK sie im zeitgemäßen Kontext zu präsentieren. Auch die Aufstellung der Exponate richtet sich weniger nach geographischer oder ethnischer Herkunft, sondern orientiert sich mehr an ästhetischen typologischen Kriterien. Im Gegenzug dazu bietet der von Christopher D. Roy, Professor für Ethnologie an der University of Iowa, verfaßte Katalog die ethnologische Hintergrundinformation zu den ausgestellten Objekten, die in ihrer Gesamtheit dort abgebildet sind. In seinem Essay beschäftigt er sich mit der Rezeption der afrikanischen Kunst in westlichen Forscher- und Liebhaberkreisen und beschreibt die unterschiedlichen sozialen und religiösen Sphären, in denen die Objekte in Afrika Verwendung fanden. Roy nimmt eine kritische Gegenposition zu jener westlicher Künstler ein, die oft als Kritiker und Sammler zugleich wirkten. Er unterstellt diesen, von Picasso bis Baselitz, die afrikanische Kunst ausschließlich nach eigenem Empfinden und eigenen ästhetischen Kategorien zu beurteilen. Afrikanische Objekte dienen ihnen, assoziiert mit Begriffen wie Einfachheit, Ursprünglichkeit und Originalität, als Quelle der Inspiration und werden gewissermaßen als Rohmaterial für das eigene Kunstwerk benutzt.

Ausstellungsdaten

KILENGI Afrikanische Skulpturen aus der Bareiss-Sammlung

PressepreviewDienstag, 11. November 1997, 10.30 Uhr EröffnungDienstag, 11. November 1997, 20.00 Uhr AusstellungsortMAK-Ausstellungshalle Obergeschoß
MAK - Österreichisches Museum

für angewandte Kunst
Weiskirchnerstraße 3, A-1010
Wien Ausstellungsdauer12. November 1997 - 18. Jänner 1998 ÖffnungszeitenDi - So 10.00 - 18.00 Uhr
Do 10.00 - 21.00 Uhr,

Mo geschlossen

ProjektleitungDaniela Zyman Ausstellungsarchitektur
Peter Noever, Harald Trapp,

Philipp Krummel

KatalogKILENGI - Afrikanische Skulpturen aus der

Bareiss- Sammlung. Hrsg. Carl Haenlein.
Mit Beiträgen von Walter Bareiss, Carl Haenlein, Peter Noever und

Christopher D. Roy sowie einem ausführlichen
wissenschaftlichen Anhang.
428 Seiten mit 230 Farb- und 240
s/w-Abbildungen.
Leinen gebunden, ÖS 480.-

Ausstellungsstationen

München, Städtische Galerie im
Lenbachhaus, 1998
Iowa, Museum of Art, 1999
Puchase, N.Y., Neuberger Museum, 1999

Eine Ausstellung der Kestner

Gesellschaft Hannover

FührungenSonntags, 15 Uhr
16., 23., 30., November 1997
7., 14., 21., 28. Dezember 1997
4., 11., 18. Jänner 1998
Schulklassen, Gruppen und

Sondertermine gegen
Anmeldung bei Frau Gabriele Fabiankowitsch,
Tel. +43-1-711 36-298.
Für Kinder und Jugendliche wurde ein

museumspädagogisches Programm erarbeitet.

Feiertage8. 12.Mariä Empfängnisgeschlossen

24. 12.Heiliger Abend 10.00 - 15.00 Uhr
25. 12.Christtag geschlossen
26. 12.Stephanstag 10.00 - 18.00 Uhr
31. 12.Silvester 10.00 - 15.00 Uhr
1. 1.Neujahr geschlossen
6. 1.Heilige 3 Könige 10.00 - 18.00 Uhr

MAK-EintrittöS 90.-/öS 45.- ermäßigt für Schüler, Studenten, gesamtSenioren ab 60, Soldaten, Gruppen ab 10

Personen.
Freier Eintritt für Kinder bis 10,

Mitglieder der Ges. f.
Österr.Kunst, Studenten der
Hochschule für angewandte
Kunst, Museumspaß, Arbeitslose,

österr. Schulklassen.
Freier Eintritt24. 12. Heiliger Abend

PresseDorothea Apovnik
Tel. +43-1-711 36-233
Fax +43-1-711 36-227
e-mail: presse@mak.at

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