Wagner: Tuberkulose-Vorbeugung weiterhin unverzichtbar

Röntgenzug brachte im Vorjahr über 18.000 Untersuchungen

St.Pölten (NLK) - "Die Situation in anderen Ländern, vor allem
in Osteuropa, mahnt uns zur Vorsicht. Die Präventivmaßnahmen gegen eine Zunahme von Tuberkulosefäl-len sind auch in Zukunft unverzichtbar", hielt heute Landesrat Ewald Wagner fest. "Viele Länder in Osteuropa verzeichnen nicht nur ein drastisches
Ansteigen der Fallzahlen, sondern haben auch damit zu kämpfen, daß immer öfter Bakterienstämme auftreten, die auf keine Medikamente mehr ansprechen." Umso nachhaltiger müsse man fordern, daß das in Österreich übliche System - die Kranken werden überwacht, Menschen ihrer näheren Umgebung untersucht, und als Vorbeugungsmaßnahme werden Reihenuntersuchungen durchgezogen - aufrechterhalten
bleibe, hielt Wagner fest.

Wie Hofrat Dr. Georg Krasel von der Abteilung Umwelthygiene
des Amtes der NÖ Landesregierung dazu erläuterte, sei die Tuberkulose "keine Krankheit der Vergan-genheit, sie bleibt
vielmehr eines der Hauptprobleme der öffentlichen Gesundheits-dienste in Europa. Über 280.000 neue Fälle wurden zuletzt in Europa gefunden, da-von im Bereich der EU allein mehr als 50.000." Das Problem steigender Fallzahlen und resistenter Bakterienstämme kenne man auch in den westlichen Industriestaaten, in denen die behördliche Tbc-Überwachung aufgegeben worden sei wie etwa vor etli-chen Jahren in New York City. Die Folge sei ein Ansteigen der Tbc-Fälle und ein massives Auftreten von Bakterien gewesen, die
auf mehrere Medikamente resistent seien. Das Problem sei noch dazu durch die Immunschwächekrankheit AIDS ver-schärft worden. Diese katastrophale Situation habe in den westlichen Industriestaaten
dazu geführt, daß mit erheblichen Kosten die Tuberkulosefürsorgestellen wiedereinge-führt werden mußten. Krasel: "Schon die geographische Lage Österreichs sollte Grund genug sein, daß man auf eine möglichst optimale Tbc-Kontrolle auch weiterhin Wert legt. Wir müssen alles unternehmen, daß die Fallzahlen stabil bleiben. Vor allem darf die Zahl der multiresistenten Tbc-Fälle nicht zunehmen, die in den letzten Jahren österreichweit konstant unter einem Prozent aller Tuberkulose-Erkrankungen blieb."

Röntgenreihenuntersuchungen werden nicht nur in Österreich durchgeführt, sie bieten auch in vielen anderen Ländern Europas die Chance, Krankheiten der Organe des Brustraums oder unbekannte Tbc-Fälle zu entdecken. In Niederösterreich fanden 1947 erstmals derartige Reihenuntersuchungen statt, wie in Stockerau, wo damals 9.608 Menschen vom Kleinstkind bis bis zum Greis vorgeladen (!)
und die Bevölke-rung innerhalb von drei Wochen untersucht wurde. Heute ist ein Röntgenzug unter-wegs, also ein Sattelschlepper, mit dem eine Großbildverstärkeranlage transportiert wird. Mit dieser Anlage konnte die Strahlenbelastung der Untersuchten auf ein
Zehntel reduziert werden.

1996 wurden im Röntgenzug landesweit 18.079 Landesbürgerinnen und Landes-bürger auf freiwilliger Basis untersucht. 518 von ihnen wurden wegen auffälliger Be-funde zu einer Kontrolluntersuchung eingeladen. 16 waren an Tuberkulose erkrankt, davon fünf an
offener Tbc, wobei die Betroffenen und deren gefährdete Umgebung nichts von der Erkrankung wußten. 746 Untersuchte erhielten aus anderen Gründen den Rat, ihren Hausarzt zu konsultieren. In der ersten Jahreshälfte 1997 wurden 7.628 Landesbürgerinnen und Landesbürger im Röntgenzug untersucht. Dabei wur-den 24 bereits ausgeheilte, nicht überwachungsbedürftige Tbc-Fälle festgestellt. In drei Fällen war eine weitere Überwachung notwendig. Erfreulicherweise waren darun-ter keine neuen Fälle von offener Tbc. Zu diesen Zahlen muß man noch jene Fälle hinzurechnen, die von den niedergelassenen Ärzten gemeldet werden. Diese Fakten machen deutlich, wie wichtig die Vorsorgeuntersuchungen sind,
bieten sie doch die Möglichkeit, bisher unbekannte Tbc-Fälle aufzudecken.

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