Wie die Donau-Auen zu retten sind. WWF schlägt Lösung für Gabcikovo-Konflikt vor

Wien (OTS) - Um die schweren ökologischen Schäden, die das Wasserkraftwerk Gabcikovo in den Donauauen verursacht hat, zu beheben, müssen die Slowakei und Ungarn statt bisher 20% in Zukunft mindestens 65% des Donauwassers in das alte Flußbett leiten. Das ist das Ergebnis des neuen Berichtes des World Wide Fund For Nature (WWF), der heute vorgestellt wurde und eine mögliche Lösung des Wasserkonflikts aufzeigt.

Der WWF-Bericht stützt sich auf lokale wissenschaftliche Messungen über die fünf Jahre seit Inbetriebnahme des Kraftwerks. Die Daten sind in beiden Ländern bis heute nicht veröffentlicht. So ist etwa das Grundwasser nach der Umleitung von 80% des Donauwassers im Oktober 1992 in der Flußregion um 2 bis 4 Meter gesunken. Als Folgeerscheinung zeigen große Teile der Auwälder Streßsymptome wie vermindertes Wachstum und frühzeitigen Laubabwurf, große Flächen wurden bereits kahlgeschlagen. Beobachtet wurden auch große Verluste und eine sukzessive Veränderung in der auentypischen Flora und Fauna, etwa bei Fischen, Muscheln und Silberweiden.

Keine Experimente mehr!

Lokale Bewässerungsmaßnahmen, die zur Schadensminderung unternommen wurden, erwiesen sich, so der WWF-Bericht, als völlig unzureichend. "Die Experimente mit minimalen Wassermengen, die durch Querdämme in der Au aufgestaut werden, konnten lediglich das Schadensausmaß begrenzen - darin stimmen Ökologen beider Länder überein. Eine Rettung der Auen ist bisher nicht gelungen", so Alexander Zinke vom WWF, der Koordinator des Berichts.

Die gestaltende Kraft der Donau

"Die gestaltende ökologische Kraft der Donau kann nicht einfach technisch ersetzt werden", sagt Phil Weller, Direktor des WWF Programmes Grüne Donau. "Um die verbliebenen 8.000 ha Donauauen zu retten, muß das gegenwärtige Verhältnis der Wasserzuteilung genau umgedreht werden, d.h. zwei Drittel des Wassers müssen wieder zurück in das alte Flußbett geleitet werden. Jeder Politiker, der jetzt eine Lösung mit nur kleinen Veränderungen akzeptiert, wird mitschuldig am vollständigen Verlust des Ökosystems Donauauen."

Richter schreiben Umweltstandards vor.

Am 25. September 1997 hat der Internationale Gerichtshof in Den Haag sein Urteil zum Konflikt zwischen der Slowakei und Ungarn über Bau und Betrieb des Wasserkraftwerks Gabcikovo gefällt. Die Richter entschieden, daß "beide Parteien gegen internationales Recht verstoßen" haben und forderte sie auf, im Rahmen von Neuverhandlungen eine neue, zufriedenstellende Lösung für die Wasserverteilung zu finden und internationale Umweltstandards zu beachten. Irreversible Umweltschäden müssen vermieden werden.

Ungarn und die Slowakei beginnen nun mit diesen Verhandlungen. Der WWF legt seinen Bericht "Wie die Donauauen zu retten sind" vor, um dafür die ökologischen Maßstäbe vorzugeben.

Der WWF-Bericht wird von 11 lokalen und internationalen Umweltorganisationen aus sechs Ländern unterstützt.

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