- 15.10.1997, 14:21:49
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Stummvoll: ÖGB-Entscheidung schadet Zukunftschancen der Jugend
Gewerkschaften setzen politische Stabilität und Sozialpartnerschaft wegen Machtdemonstration auf's Spiel
Wien (PWK) - "Die Entscheidung der Beamten und des gesamten ÖGB
gegen "wesentliche Teile' der ohnedies sehr sanften
Pensionsreformpläne der Regierung ist eine Entscheidung gegen die
Zukunftschancen der jüngeren Generation, eine Entscheidung gegen die
politische Stabilität in diesem Land und letztlich auch eine
Entscheidung gegen die Sozialpartnerschaft." Günter Stummvoll,
Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich, warnt die
Gewerkschaften, mit ihrem "Nein" das Land an den Rand der
Unregierbarkeit zu führen und die Zukunftschancen der Jugend zu
verspielen. ****
Wenn nun - so Stummvoll - sogar die italienischen Kommunisten
einem strikten Sparpaket samt Pensionsreform zustimmen würden, dann
könne man vom ÖGB und den Beamten zurecht erwarten, eine weitaus
sanftere Reform mitzutragen: "In Italien ist die "verrückteste Krise
der Welt' durch ein Einlenken der Kommunisten beigelegt worden, wir
sollten nicht den gegenteiligen Weg gehen. Wenn die Gewerkschaft
Kanzler Klima durch eine pure Machtdemonstration nachhaltig schaden
will, dann soll sie das auch offen sagen."
Jeder wisse, so Stummvoll, daß eine Pensionsreform dringend
notwendig sei, um das Pensionssystem auf Sicht abzusichern. Die
Regierung und auch die Wirtschaft hätten bereits mehrfach
Kompromissen mit der Gewerkschaft zugestimmt. Weitere zentrale
Zugeständisse wären verantwortungslos und würden die geplante Reform
zur reinen Kosmetik verkommen lassen. Stummvoll: "Ich bin sicher, daß
bei einer Volksabstimmung eine deutlich Mehrheit für die ohnedies
sanften Pläne der Regierung stimmen würde, schon deshalb weil es dazu
keine Alternative gibt. Nun ist das Parlament aufgerufen, das
Notwendige zu tun - ansonsten wird das Pensionssystem mittelfristig
unfinanzierbar." Aus staatspolitischer Verantwortung habe sich die
Wirtschaft von Anfang an für ein Mittragen der Reform entschieden,
obwohl die Gewerbetreibenden von den Reformmaßnahmen
(Durchrechnungszeiten, Frühpensions-Abschläge, höhere Lohnnebenkosten
etc.) tendenziell noch stärker betroffen seien als die Arbeitnehmer.
Eine Absage erteilte der Generalsekretär der Wirtschaftskammer
schon im Vorfeld jeder Gewerkschaftsforderung … la Sallmutter nach
Einführung der 35-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich: "Ich kann
nur auf Aussagen von Wirtschaftsforschern verweisen, daß man nicht
verteilen kann, was man nicht hat. Österreich würde einfach aus einer
Reihe von Märkten fliegen. Und nicht zuletzt würden die Betriebe mit
noch schärferen Rationalisierungen reagieren müssen, um die
zusätzliche Kostenbelastung aufzufangen. Neue Arbeitsplätze würden
damit kaum geschaffen, eher das Gegenteil würde eintreten."
(Schluß) RH
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