Stummvoll: ÖGB-Entscheidung schadet Zukunftschancen der Jugend

Gewerkschaften setzen politische Stabilität und Sozialpartnerschaft wegen Machtdemonstration auf's Spiel

Wien (PWK) - "Die Entscheidung der Beamten und des gesamten ÖGB gegen "wesentliche Teile' der ohnedies sehr sanften Pensionsreformpläne der Regierung ist eine Entscheidung gegen die Zukunftschancen der jüngeren Generation, eine Entscheidung gegen die politische Stabilität in diesem Land und letztlich auch eine Entscheidung gegen die Sozialpartnerschaft." Günter Stummvoll, Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich, warnt die Gewerkschaften, mit ihrem "Nein" das Land an den Rand der Unregierbarkeit zu führen und die Zukunftschancen der Jugend zu verspielen. ****

Wenn nun - so Stummvoll - sogar die italienischen Kommunisten einem strikten Sparpaket samt Pensionsreform zustimmen würden, dann könne man vom ÖGB und den Beamten zurecht erwarten, eine weitaus sanftere Reform mitzutragen: "In Italien ist die "verrückteste Krise der Welt' durch ein Einlenken der Kommunisten beigelegt worden, wir sollten nicht den gegenteiligen Weg gehen. Wenn die Gewerkschaft Kanzler Klima durch eine pure Machtdemonstration nachhaltig schaden will, dann soll sie das auch offen sagen."

Jeder wisse, so Stummvoll, daß eine Pensionsreform dringend notwendig sei, um das Pensionssystem auf Sicht abzusichern. Die Regierung und auch die Wirtschaft hätten bereits mehrfach Kompromissen mit der Gewerkschaft zugestimmt. Weitere zentrale Zugeständisse wären verantwortungslos und würden die geplante Reform zur reinen Kosmetik verkommen lassen. Stummvoll: "Ich bin sicher, daß bei einer Volksabstimmung eine deutlich Mehrheit für die ohnedies sanften Pläne der Regierung stimmen würde, schon deshalb weil es dazu keine Alternative gibt. Nun ist das Parlament aufgerufen, das Notwendige zu tun - ansonsten wird das Pensionssystem mittelfristig unfinanzierbar." Aus staatspolitischer Verantwortung habe sich die Wirtschaft von Anfang an für ein Mittragen der Reform entschieden, obwohl die Gewerbetreibenden von den Reformmaßnahmen (Durchrechnungszeiten, Frühpensions-Abschläge, höhere Lohnnebenkosten etc.) tendenziell noch stärker betroffen seien als die Arbeitnehmer.

Eine Absage erteilte der Generalsekretär der Wirtschaftskammer schon im Vorfeld jeder Gewerkschaftsforderung … la Sallmutter nach Einführung der 35-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich: "Ich kann nur auf Aussagen von Wirtschaftsforschern verweisen, daß man nicht verteilen kann, was man nicht hat. Österreich würde einfach aus einer Reihe von Märkten fliegen. Und nicht zuletzt würden die Betriebe mit noch schärferen Rationalisierungen reagieren müssen, um die zusätzliche Kostenbelastung aufzufangen. Neue Arbeitsplätze würden damit kaum geschaffen, eher das Gegenteil würde eintreten." (Schluß) RH

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