Kröll: Bund soll seine Möglichkeiten im Tourismus nützen

Heftige Kritik an Unverständnis und Untätigkeit der Regierung "Touristische Wertschöpfung kommt allen zugute"

Wien (PWK) - Der Bund kann sich aus seiner Verantwortung gegenüber dem Tourismus nicht so einfach absentieren. Statt Kompetenzen vorzuschieben, sollte die Regierung besser tätig werden. Gerade im Bereich der Privatwirtschaftsverwaltung gebe es dazu Möglichkeiten genug, von der Startfinanzierung eines österreichweiten Reservierungssystems bis zur Finanzierung von Sonderaktionen der Österreich Werbung. "Die Branche steht mit dem Rücken zur Wand. Trotzdem hat der Tourismus von den Privatisierungserlösen bis jetzt noch keinen Schilling gesehen", zeigt sich der Obmann der Bundessektion Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich, Komm.Rat Hansjörg Kröll, enttäuscht und verbittert über das Unverständnis der zuständigen Regierungsmitglieder. ****

Als typische "Querschnittsmaterie" stützt der Tourismus die gesamte österreichische Wirtschaft ab. So fließen von den rund 180 Milliarden Schilling Gesamteinnahmen (davon 150 Milliarden Schilling in Devisen) nach Schätzungen des WIFO beispielsweise rund 33,5 Milliarden in Erzeugung und Handwerk, 21 Milliarden in den Einzelhandel, 13 Milliarden in den Transport und 8,4 Milliarden in die Landwirtschaft. Allein an Mehrwertsteuer und Importzöllen erwirtschaftete der Tourismus 1996 mehr als 29 Milliarden Schilling. "Wer den Tourismus

fördert, fördert die gesamte Wirtschaft", betont Kröll.

Nach Technologie-, Exportförderungs- und anderen Milliarden wird jetzt sogar von der "Kanalmilliarde" gesprochen. "Von einer Tourismusmilliarde ist hingegen nach wie vor weit und breit nichts zu sehen. Dies dürfte sich als kapitale Fehleinschätzung herausstellen", befürchtet Kröll.

Wie berichtet, hatte der Tourismus erst kürzlich erneut darauf gedrängt, dem Tourismus aus den Privatisierungserlösen eine Milliarde Schilling zur Verfügung zu stellen. Unter anderem sollte, nach dem Vorbild der Konkurrenzmärkte Deutschland und Schweiz, wo es ebenfalls eine Startfinanzierung aus Bundesmitteln gibt, dringend ein österreichweites Informations- und Reservierungssystem aufgebaut und unterstützt werden. Dafür wären im Rahmen der "Tourismusmilliarde" rund 200 Millionen Schilling aufzuwenden. Um 150 Millionen Schilling sollte das Budget der Österreich Werbung aufgestockt werden. Etwa der gleiche Betrag sollte dafür eingesetzt werden, den Incoming-Tourismus durch spezielle Aktionen zu fördern und Gästen und Reiseveranstaltern aus dem Ausland die Flugreisedestination Österreich schmackhafter zu machen. Weitere 150 Millionen sollten in Kooperationsförderung und Restrukturierungsmaßnahmen investiert werden.

"Selbstverständlich stellen wir nicht nur Forderungen auf, sondern sind auch selbst aktiv. Der Tourismus braucht aber dringend eine breite Unterstützung der Regierung und der gesamten Öffentlichkeit, um die gegenwärtige Talsohle zu überwinden. Die Untätigkeit der Regierung ist ein Schuß ins eigene Knie", mahnt Kröll den am meisten involvierten Minister, Hannes Farnleitner, zu mehr Einsicht und energischem Handeln.

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Syndikus Dr. Paul Schimka
Tel. 501 05 DW 3567Bundessektion Tourismus und Freizeitwirtschaft

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