• 09.10.1997, 12:03:40
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  • OTS0143

Kröll: Bund soll seine Möglichkeiten im Tourismus nützen

Heftige Kritik an Unverständnis und Untätigkeit der Regierung "Touristische Wertschöpfung kommt allen zugute"

Wien (PWK) - Der Bund kann sich aus seiner Verantwortung gegenüber
dem Tourismus nicht so einfach absentieren. Statt Kompetenzen
vorzuschieben, sollte die Regierung besser tätig werden. Gerade im
Bereich der Privatwirtschaftsverwaltung gebe es dazu Möglichkeiten
genug, von der Startfinanzierung eines österreichweiten
Reservierungssystems bis zur Finanzierung von Sonderaktionen der
Österreich Werbung. "Die Branche steht mit dem Rücken zur Wand.
Trotzdem hat der Tourismus von den Privatisierungserlösen bis jetzt
noch keinen Schilling gesehen", zeigt sich der Obmann der
Bundessektion Tourismus und Freizeitwirtschaft in der
Wirtschaftskammer Österreich, Komm.Rat Hansjörg Kröll, enttäuscht und
verbittert über das Unverständnis der zuständigen
Regierungsmitglieder. ****

Als typische "Querschnittsmaterie" stützt der Tourismus die
gesamte österreichische Wirtschaft ab. So fließen von den rund 180
Milliarden Schilling Gesamteinnahmen (davon 150 Milliarden Schilling
in Devisen) nach Schätzungen des WIFO beispielsweise rund 33,5
Milliarden in Erzeugung und Handwerk, 21 Milliarden in den
Einzelhandel, 13 Milliarden in den Transport und 8,4 Milliarden in
die Landwirtschaft. Allein an Mehrwertsteuer und Importzöllen
erwirtschaftete der Tourismus 1996 mehr als 29 Milliarden Schilling.
"Wer den Tourismus

fördert, fördert die gesamte Wirtschaft", betont Kröll.

Nach Technologie-, Exportförderungs- und anderen Milliarden wird
jetzt sogar von der "Kanalmilliarde" gesprochen. "Von einer
Tourismusmilliarde ist hingegen nach wie vor weit und breit nichts zu
sehen. Dies dürfte sich als kapitale Fehleinschätzung herausstellen",
befürchtet Kröll.

Wie berichtet, hatte der Tourismus erst kürzlich erneut darauf
gedrängt, dem Tourismus aus den Privatisierungserlösen eine Milliarde
Schilling zur Verfügung zu stellen. Unter anderem sollte, nach dem
Vorbild der Konkurrenzmärkte Deutschland und Schweiz, wo es ebenfalls
eine Startfinanzierung aus Bundesmitteln gibt, dringend ein
österreichweites Informations- und Reservierungssystem aufgebaut und
unterstützt werden. Dafür wären im Rahmen der "Tourismusmilliarde"
rund 200 Millionen Schilling aufzuwenden. Um 150 Millionen Schilling
sollte das Budget der Österreich Werbung aufgestockt werden. Etwa der
gleiche Betrag sollte dafür eingesetzt werden, den Incoming-Tourismus
durch spezielle Aktionen zu fördern und Gästen und Reiseveranstaltern
aus dem Ausland die Flugreisedestination Österreich schmackhafter zu
machen. Weitere 150 Millionen sollten in Kooperationsförderung und
Restrukturierungsmaßnahmen investiert werden.

"Selbstverständlich stellen wir nicht nur Forderungen auf, sondern
sind auch selbst aktiv. Der Tourismus braucht aber dringend eine
breite Unterstützung der Regierung und der gesamten Öffentlichkeit,
um die gegenwärtige Talsohle zu überwinden. Die Untätigkeit der
Regierung ist ein Schuß ins eigene Knie", mahnt Kröll den am meisten
involvierten Minister, Hannes Farnleitner, zu mehr Einsicht und
energischem Handeln.

(Schluß) hp
Rückfragehinweis: Bundessektion Tourismus und Freizeitwirtschaft

Syndikus Dr. Paul Schimka
Tel. 501 05 DW 3567

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