Blauensteiner: Berufungsverhandlung am 30.9.

o Brisantes Papier ihres Anwalts aufgetaucht: Entschädigungen aus

Presseverfahren direkt an den Anwalt

Utl.: Vorausmeldung zu News Nr. 38/18.9.97 =

Wien (OTS) - Wie News in seiner jüngsten Ausgabe berichtet, ist ein brisantes Papier im Zusammenhang mit der wegen Mordes in erster Instanz nicht rechtskräftig verurteilten Elfriede Blauensteiner aufgetaucht. An einem von ihr unterzeichneten und an ihren Anwalt gerichteten Schreiben hält die Witwe Blauensteiner fest, daß sämtliche Gelder, die aus künftigen Medienprozessen lukriert werden, direkt an ihren Anwalt Karl Bernhauser gehen. Schlüsselpassage aus dem Inkasso-Freibrief, der News vorliegt: "Ich erkläre mein Einverständnis, daß sämtliche mir zugesprochenen Geldbeträge in sämtlichen Medienrechtsverfahren mit schuldbefreiender Wirkung an Dr. Karl Bernhauser ausbezahlt werden." Damit ist erstmals schriftlich festgehalten, daß eine Mordverdächtige sich die Kosten ihrer Verteidigung von Medien bezahlen läßt. Der renommierte Medienanwalt Gottfried Korn dazu: "Die Justiz ist gefordert, diesen Mißbrauch abzustellen." Auch Klaus Hoffmann, Präsident der Anwaltskammer, hat Bedenken: "Dem Vertrag fehlt die Einschränkung, daß der Anwalt die Gelder nur bis zur Höhe seines ausständigen Honorars beziehen darf."

Erstmals ist bewiesen, wofür es bisher nur Indizien gab. Entschädigungen, die den Presse-Opfern eigentlich als Abschlag für "erlittenes Unrecht" ausbezahlt werden, gehen in die Kriegskassen der Anwälte. So etwa hat der rechtskräftig verurteilte Neonazi Peter Binder aus diversen Presseprozessen - unter anderem gegen News -bisher rund 800.000 Schilling lukriert. Vom Mordverdächtigen Wolfgang Ott bis hin zu Ernestine K., jener Mutter, die ihre Tochter Maria zum Schlafen in eine Kiste schickte, wurden die Medien mit Klagen bombardiert. Mit dem Witwen-Brief als "Beweismittel" gerät nun jedenfalls eine Säule des heimischen Medienrechts ins Wanken.

Die Berufungsverhandlung in der Causa Blauensteiner findet am 30. September beim Obersten Gericht in Wien statt.

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