- 03.09.1997, 12:04:28
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AK: Lehrstellenmangel weiterhin alarmierend
Wirtschaft muß ausreichend Lehrstellen schaffen - Drohungen mit Lehrlingsboykott unseriös
Wien (AK) - "Wir brauchen Lehrstellen, nicht ein zweites
Lehrlingspaket. Noch nie war es so leicht, Lehrlinge
aufzunehmen." So reagierte heute, Mittwoch, AK Direktor Josef
Cerny auf die Forderung von Wirtschaftskammergeneralsekretär
Stummvoll nach weiteren Erleichterungen für Lehrbetriebe. Denn
nach wie vor sei der Lehrstellenmangel groß. Auch wenn es per
Ende August laut Wirtschaftskammer gut 2.000 Lehrverträge mehr
gibt als im Vorjahr, suchen laut Arbeitsmarktservice nach wie vor
10.000 Jugendliche eine Lehrstelle. Cerny: "In dieser Situation
muß die Wirtschaft endlich ihr Versprechen einhalten und
ausreichend Lehrstellen schaffen." Unseriös sei es dagegen,
weitere Erleichterungen für Lehrbetriebe zu fordern oder gar wie
die Bäcker und der Handel mit Lehrlingsboykott zu drohen, wenn
sie etwa ihre Forderungen nach Änderungen bei der Wochenruhezeit
für Lehrlinge nicht durchsetzen. ****
"Noch nie war es so leicht, Lehrlinge aufzunehmen", erinnert AK
Direktor Josef Cerny an die Abmachungen im Lehrlingspaket:
Lehrbetriebe müssen etwa keinen Unternehmerbeitrag mehr zur
Krankenversicherung von Lehrlingen zahlen. Oder: Das Alter, bis
zu dem besondere Schutzbestimmungen für Jugendliche gelten,
wurde von 19 auf 18 Jahre gesenkt. Im Gegenzug habe sich die
Wirtschaft verpflichtet, mehr Lehrlinge aufzunehmen. "Das soll
sie jetzt einmal tun." Schluß müsse dagegen sein mit den
ständigen Klagen über angebliche bürokratische Hemmnisse bei der
Lehrlingsausbildung und mit der Drohung, keine Lehrlinge
aufzunehmen, wenn etwa für Bäcker oder im Handel die
Bestimmungen über die Wochenruhezeit nicht geändert werden.
Cerny: "Die Forderungen der Wirtschaft sind extrem."
Cerny weiter: "Insbesondere die Drohung mit einem
Lehrlingsbokott ist angesichts des Lehrstellenmangels ein
unseröses Spiel mit den Zukunftshoffnungen der Jugendlichen."
Und: Mögliche Lehrbetriebe würden nur von der Aufnahme von
Lehrlingen abgeschreckt, wenn ständig über angebliche
bürokratische Hemmnisse geklagt werde. "Stattdessen soll alles
getan werden, daß kein Jugendlicher ohne Ausbildung auf der
Straße stehen muß. In erster Linie ist dafür die Wirtschaft
verantwortlich", sagt Cerny.
Cerny begrüßt, daß jetzt Bundeskanzler Klima die
Jugendbeschäftigung zum nationalen Anliegen erklärt hat und das
Sonderprogramm der Regierung gegen die Jugendarbeitslosigkeit
rasch umgesetzt werden soll. In diesem Zusammenhang erinnert er
daran, daß am Berufsförderungsinstitut (bfi) von AK und ÖGB in
Wien bereits das Jobstart-Projekt angelaufen ist und in
Oberösterreich das Projekt Triathlon. Dabei bekommen in Wien 250
und in Oberösterreich 115 Jugendliche eine vollwertige
Lehrausbildung an der Berufsschule, in Partnerbetrieben und
zusätzlich am bfi. Als Notmaßnahme soll in Wien zusätzlich eine
Lehrlingsstiftung eingerichtet werden.
Über die Lehrlingsstiftung wird noch mit dem
Arbeitsmarktservice, der Stadt Wien und der Wirtschaftskammer
verhandelt. Die Initiative dafür ging von der AK aus. In der
Lehrlingsstiftung sollen bis zu 1.000 Jugendliche aufgenommen
werden. Die Ausbildung findet zu einem erheblichen Teil an der
Berufsschule statt, der praktische Teil der Ausbildung ist in
den Lehrwerkstätten von Jugend am Werk vorgesehen. Cerny: "Es
muß gelingen, diesen Herbst ausreichend Arbeits- und
Ausbildungsplätze für Jugendliche zu schaffen. Voraussetzung ist
allerdings, daß auch die Wirtschaft ihren Teil dazu beiträgt."
Rückfragehinweis: AK Wien Presse Peter Mitterhuber
Tel. 501 65 2530
(Schluß)
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