AK: Lehrstellenmangel weiterhin alarmierend

Wirtschaft muß ausreichend Lehrstellen schaffen - Drohungen mit Lehrlingsboykott unseriös

Wien (AK) - "Wir brauchen Lehrstellen, nicht ein zweites Lehrlingspaket. Noch nie war es so leicht, Lehrlinge
aufzunehmen." So reagierte heute, Mittwoch, AK Direktor Josef
Cerny auf die Forderung von Wirtschaftskammergeneralsekretär Stummvoll nach weiteren Erleichterungen für Lehrbetriebe. Denn
nach wie vor sei der Lehrstellenmangel groß. Auch wenn es per
Ende August laut Wirtschaftskammer gut 2.000 Lehrverträge mehr
gibt als im Vorjahr, suchen laut Arbeitsmarktservice nach wie vor 10.000 Jugendliche eine Lehrstelle. Cerny: "In dieser Situation
muß die Wirtschaft endlich ihr Versprechen einhalten und ausreichend Lehrstellen schaffen." Unseriös sei es dagegen,
weitere Erleichterungen für Lehrbetriebe zu fordern oder gar wie die Bäcker und der Handel mit Lehrlingsboykott zu drohen, wenn
sie etwa ihre Forderungen nach Änderungen bei der Wochenruhezeit für Lehrlinge nicht durchsetzen. ****

"Noch nie war es so leicht, Lehrlinge aufzunehmen", erinnert AK Direktor Josef Cerny an die Abmachungen im Lehrlingspaket:
Lehrbetriebe müssen etwa keinen Unternehmerbeitrag mehr zur Krankenversicherung von Lehrlingen zahlen. Oder: Das Alter, bis
zu dem besondere Schutzbestimmungen für Jugendliche gelten,
wurde von 19 auf 18 Jahre gesenkt. Im Gegenzug habe sich die Wirtschaft verpflichtet, mehr Lehrlinge aufzunehmen. "Das soll
sie jetzt einmal tun." Schluß müsse dagegen sein mit den ständigen Klagen über angebliche bürokratische Hemmnisse bei der Lehrlingsausbildung und mit der Drohung, keine Lehrlinge aufzunehmen, wenn etwa für Bäcker oder im Handel die
Bestimmungen über die Wochenruhezeit nicht geändert werden.
Cerny: "Die Forderungen der Wirtschaft sind extrem."

Cerny weiter: "Insbesondere die Drohung mit einem
Lehrlingsbokott ist angesichts des Lehrstellenmangels ein
unseröses Spiel mit den Zukunftshoffnungen der Jugendlichen."
Und: Mögliche Lehrbetriebe würden nur von der Aufnahme von Lehrlingen abgeschreckt, wenn ständig über angebliche bürokratische Hemmnisse geklagt werde. "Stattdessen soll alles getan werden, daß kein Jugendlicher ohne Ausbildung auf der
Straße stehen muß. In erster Linie ist dafür die Wirtschaft verantwortlich", sagt Cerny.

Cerny begrüßt, daß jetzt Bundeskanzler Klima die Jugendbeschäftigung zum nationalen Anliegen erklärt hat und das Sonderprogramm der Regierung gegen die Jugendarbeitslosigkeit
rasch umgesetzt werden soll. In diesem Zusammenhang erinnert er daran, daß am Berufsförderungsinstitut (bfi) von AK und ÖGB in Wien bereits das Jobstart-Projekt angelaufen ist und in Oberösterreich das Projekt Triathlon. Dabei bekommen in Wien 250 und in Oberösterreich 115 Jugendliche eine vollwertige Lehrausbildung an der Berufsschule, in Partnerbetrieben und zusätzlich am bfi. Als Notmaßnahme soll in Wien zusätzlich eine Lehrlingsstiftung eingerichtet werden.

Über die Lehrlingsstiftung wird noch mit dem
Arbeitsmarktservice, der Stadt Wien und der Wirtschaftskammer verhandelt. Die Initiative dafür ging von der AK aus. In der Lehrlingsstiftung sollen bis zu 1.000 Jugendliche aufgenommen werden. Die Ausbildung findet zu einem erheblichen Teil an der Berufsschule statt, der praktische Teil der Ausbildung ist in
den Lehrwerkstätten von Jugend am Werk vorgesehen. Cerny: "Es
muß gelingen, diesen Herbst ausreichend Arbeits- und Ausbildungsplätze für Jugendliche zu schaffen. Voraussetzung ist allerdings, daß auch die Wirtschaft ihren Teil dazu beiträgt."

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AK Wien Presse Peter Mitterhuber

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