Voll-Versammlung der Plattform gegen § 209: Sexualverbrechen gegen Kinder verurteilt

Anti-homosexuelle Sonderstrafgesetzgebung mitschuld an der

Wien (OTS) - Verniedlichung der sexuellen Mißhandlung von Kindern =

Scharf verurteilt hat am Wochenende die
Voll-Versammlung der Plattform gegen § 209 Sexualverbrechen gegen Kinder wie sie kürzlich in Bad Goisern aufgedeckt wurden. Die fast 40 Vereinigungen der überparteilichen und überkonfessionellen Plattform gegen das Homosexuellengesetz § 209 unterstreichen die Notwendigkeit, das gesellschaftliche Übel der sexuellen Mißhandlung von Kindern mit allem Nachdruck zu bekämpfen und fordern eine strenge Bestrafung der Schuldigen. Bestürzung wurde darüber geäußert, daß sich ein Teil der Beschuldigten sogar in die Homosexuellenbewegung eingeschlichen hat.

Die Bestürzung ist insbesondere auch deshalb so groß, weil die Grundlage der Arbeit sowohl der Plattform als auch der betroffenen Mitgliedsorganisation, des Rechtskomitees Lambda (RKL), das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung ist. "Dieses Recht umfaßt sowohl das Recht zu sexueller Freiheit als auch das Recht auf Schutz vor sexueller Mißhandlung. Das RKL war immer ein leidenschaftlicher Verfechter dieser beiden Seiten, weshalb wir ihm die Geschäftsführung unserer Plattform übertragen haben", erklärt Dr. Marion Gebhart, Sprecherin der Ständigen Konferenz der Kinder- und JugendanwältInnen Österreichs, "Das RKL hat nie Personen wegen sexueller Kontakte mit Kindern betreut und sich von diesem Bereich immer klar abgegrenzt".

Dementsprechend hat der Vorstand des Rechtskomitees Lambda bei einer Sondersitzung am 14. August, für den Fall der Verurteilung, den Ausschluß der drei nunmehr inhaftierten Mitglieder beschlossen. "Grundsätzlich kann keine Vereinigung für Verfehlungen ihrer Mitglieder haftbar gemacht werden", resümiert Mag. Hannes Sulzenbacher, Vorsitzender des Österreichischen Lesben- und Schwulenforums (ÖLSF) "das gilt insbesondere für die Lesben- und Schwulenbewegung, die sich fast ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanzieren muß und ganz besonders für Organisationen wie das RKL, das diskriminierten Personen so wichtige praktische und unbürokratische Hilfe im Einzelfall gewährt".

"Es gab nie auch nur den geringsten Grund zu vermuten, daß die nun unter Verdacht Geratenen Sexualdelikte gegen Kinder begehen würden. Der nunmehr Hauptbeschuldigte hat sich vor ca. einem Jahr an uns gewandt und um Hilfe in einem Strafverfahren ausschließlich auf Grund des Homosexuellengesetzes § 209 ersucht. Kontakte bestanden ausschließlich in diesem Zusammenhang", stellt Dr. Helmut Graupner, Präsident des RKL und Sprecher der Plattform klar, "wir fühlen uns zutiefst hintergangen, belogen und betrogen".

Die Plattform-Organisationen begrüßten das rigorose Maßnahmenpaket, mit dem das RKL nach menschlichem Ermessen ausschließen will, daß Mitglieder Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung begehen. So muß künftig jeder, der Mitglied werden will, schriftlich bestätigen, daß solche Straftaten, insbesondere Delikte gegen Kinder, mit den Zielen des RKL unvereinbar sind und er/sie nicht wegen solcher Delikte vorbestraft ist. Potenielle FunktionsträgerInnen müssen künftig eine aktuelle Strafregisterbescheinigung vorlegen.

Erfreut zeigte sich die Vollversammlung der Plattform über die mediale Berichterstattung, die sexuelle Übergriffe auf Kinder und die berechtigten Anliegen der Homosexuellen nicht vermischt, sondern im großen und ganzen klar auseinandergehalten hat. "Diese Trennung ist enorm wichtig", erklärt Univ.-Lekt.Mag.Dr. Rotraud Perner, Vorsitzende der Österreichischen Gesellschaft für Sexualforschung (ÖGS), "Das Gesetz bedroht eine einvernehmliche Beziehung mit einem 17jährigen ebenso mit Strafe wie den Mißbrauch und einvernehmlicher, selbstbestimmter Sexualität und verniedlicht die sexuelle Mißhandlung von Kindern, indem es deren Mißbrauch als ebenso entschuldbar und rechtzufertigen erscheinen läßt wie dies typischerweise unter das Homosexuellengesetz § 209 fallende Beziehungen zweifellos sind."

In der überkonfessionellen und überparteilichen Plattform gegen § 209 haben sich fast 40 Organisationen zusammengeschlossen, um gegen das in § 209 StGB verankerte diskriminierende Sondermindestalter von 18 Jahren für homosexuelle Beziehungen zwischen Männern (im Gegensatz zu 14 für Heterosexuelle und Lesben) anzukämpfen. Der Plattform gehören neben nahezu allen Vereinigungen der Homosexuellenbewegung und allen Aids-Hilfen auch allgemeine Organisationan an, wie die Ständige Konferenz der Kinder- und JugendanwältInnen Österreichs, der Österreichische Bundesjugendring, die Österreichische Hochschülerschaft, die Bewährungshilfe, die österreichische Gesellschaft für Sexualforsschung u.v.a.m.

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Plattform gegen § 209
c/o Rechtskomitee Lambda
Tel.: 876 30 61

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