Lugner for President? Die Entwarnung.

Wien (OTS) - Österreich wird seinem ersten "First Mausi" und dem zugehörigen Baumeister "Mörtel" Lugner entgehen. Daß Thomas Klestil neuerlich kandidiert, wird von kaum jemandem ernsthaft bewzeifelt. Und eine Frau im höchsten Amt der Republik wäre für zahlreiche BürgerInnen eine willkommene Überraschung. Vor allem aber: wo bleibt die wirkliche demokratische Alternative zum amtierenden Bundespräsidenten?

ÖKONSULT, das unabhängige Institut für Umweltforschung und Management Consulting, hat am 14. und 15. August bundesweit 947 ÖsterreicherInnen zum Amt des Bundespräsidenten befragt. In Auftrag gegeben hat diese Blitzumfrage TÄGLICH ALLES. Interviewt wurde in persönlichen Gesprächen nach dem Random-Verfahren. ÖKONSULT-Chef Joschi Schillhab: "Wir bevorzugen bei politischen Themenstellungen ganz besonders die Face-to-Face-Methode, also das persönliche Gespräch. So bleibt im Gegensatz zu den sonst häufig eingesetzten Telefoninterviews die Anonymität der Testkandidaten voll gewahrt. Das reduziert zumindest die Anzahl der angeblich unentschlossenen Personen. Und die Glaubwürdigkeit der abgegebenen Aussagen ist deutlich höher. Die Menschen nehmen das Wahlgeheimnis sehr ernst."

Auf die Frage, ob sie den Baumeister Richard Lugner für einen ernsthaften Anwärter für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten halten, geben die Befragten eine klare, wenn auch für den Kandidaten enttäuschende Anwort: Nein, nicht wirklich. Nur fünf Prozent setzen voll auf Lugner, 64 Prozent können seiner Kandidatur keinerlei politische Ernsthaftigkeit abgewinnen. Die sechsstufige ÖKONSULT-Skala von "trifft voll und ganz zu" bis "trifft überhaupt nicht zu" läßt an der realpolitischen Aussichtslosigkeit des Wahlwerbers Lugner also keinen Zweifel. Daß dieser selbst es aber völlig ernst meint, steht immerhin für jede(n) vierte(n) Umfrageteilnehmer(in) absolut fest. Ebenso viele halten seine Bewerbung jedoch für einen listigen Streich des umtriebigen Seitenblicke-Stammgastes. 86 Prozent verneinen die wohlwollende Behauptung, der "Präsidentschaftskandidat Lugner sei sehr gut dafür geeignet, Österreich gegenüber dem Ausland positiv und glaubwürdig zu vertreten und zu repräsentieren". 66 Prozent stellen dies sogar mit allem Nachdruck in Abrede, den die sechsstufige Antwortskala ermöglicht. Lediglich 3 Prozent wollen eine diesbezügliche hervorragende Eignung des Baumeisters erkennen. 54 Prozent stimmen ohne Einschränkung dem Statement zu, Lugners Kandidatur sei eher "ein Werbegag als ein ernstgemeintes politisches Engagement". Insgesamt beurteilen 79 Prozent Lugners Vorpreschen als Werbefeldzug in Sachen Lugner City. "Österreich hat Sinn für Humor. Aber beim Bundespräsidenten hört sich der Spaß auf. Sitten wie bei Wahlen zur Hochschülerschaft bleiben dem Land erspart" ortet Institutsleiter Schillhab politische Räson beim Bürger.

Die im kommenden Jahr anstehende Wahl des Staatsoberhauptes interessiert die Menschen zur Zeit weniger, als man vermuten könnte. "Mich persönlich interessiert die Medienberichterstattung zum Thema Bundespräsidentenwahl sehr", lautete die Aussage, die die ÖKONSULT-Frager bewertet wissen wollten. Nur 24 Prozent stimmten vorbehaltslos zu, insgesamt erreicht das Interesse einen Wert von 63 Prozent. 15 Prozent zeigen sich völlig desinteressiert.

47 Prozent sind ohne Einschränkung davon überzeugt, daß Thomas Klestil neuerlich kandidieren wird. 84 Prozent glauben mehr oder weniger fest an sein zweites Antreten. 7 Prozent äußern massive Zweifel. Rein gar kein Verständnis, daß der amtierende Präsident seine Entscheidung noch offenhält, bekunden immerhin 21 Prozent. 26 Prozent sind völlig damit einverstanden, daß er sich nach wie vor bedeckt hält. Insgesamt äußern 45 Prozent der Befragten Kritik daran, daß Klestil seine Karten (noch) nicht aufdeckt. "Ich halte es für absolut glaubwürdig, daß eine Wiederkandidatur von Thomas Klestil noch nicht feststeht", behauptet der Fragebogentext. Dem widersrpechen 38 Prozent der Umfrageteilnehmer mit nachdrücklicher Entschiedenheit. Insgesamt sprechen sich 70 Prozent gegen diesen offiziellen Standpunkt der Präsidentschaftskanzlei aus. Lediglich 13 Prozent halten die offizielle Position für über jeden Zweifel erhaben. Schillhab: "Der Herr Bundespräsident wird wohl wissen, was er tut. Dennoch hat er ein Kommunikationsproblem. Die Bevölkerung erwartet nicht ganz zu Unrecht klarere Worte vom Ersten Mann im Staat. Diplomatisches Geschick und taktische Finessen stehen einem Staatsoberhaupt gut an, aber Offenheit und Entschlossenheit werden ebenfalls als bemerkenswerte politische Tugenden geschätzt. Das läßt sich zumindest von unseren Umfragedaten ablesen."

Zu verstecken braucht sich Klestil jedenfalls keineswegs. Eine eindrucksvoll überwiegende Mehrheit erklärt sich im Großen und Ganzen mit seiner bisherigen Amtsführung zufrieden und einverstanden. Exakt 71,3 Prozent. Fast jede(r) Vierte findet nicht das Geringste auszusetzen. Vehemente Kritiker findet Thomas Klestil nur in 11 Prozent der Befragten. Und ein Rosenkrieg wie ihn der wahrscheinliche bundesdeutsche Kanzlerkandidat Schröder führen muß, würde hierzulande wenig Verständnis finden. 71 Prozent meinen, private Angelegenheiten wie "Eheprobleme des Bundespräsidenten dürfen bei einer eventuellen Wiederkandidatur Thomas Klestils keine Rolle" spielen. Lediglich 14 Prozent wollen Klestils Privatleben in den Wahlkampf einbezogen sehen.

Eine Frau an der Spitze Österreichs wollen 71 Prozent aller Befragten sehen. 37 Prozent verfolgen dieses Ziel sogar mit entschlossenem Nachdruck. 15 Prozent deklarieren sich als beharrliche Polit-Machos oder als Klestil-Fans und sehen bei der nächsten Wahl keinen Platz für eine Frau. Wenn am kommenden Sonntag die Wahl des österreichischen Bundespräsidenten stattfände, würden 35 Prozent sicher wieder Thomas Klestil ihre Stimme geben. 25 Prozent würden für Heide Schmidt votieren wollen und Richard Lugner kann mit sicher scheinenden 3 Prozent rechnen. Auf einen anderen, noch nicht nominierten Kandidaten oder Kandidatin hoffen und setzen aber überraschende 34 Prozent. Besonders auffallend bei dieser Frage der Unterschied zwischen Männern und Frauen. 41 Prozent der Männer würden aus heutiger Sicht Mitte August für Klestil stimmen, jedoch nur 18 Prozent für die LIF-Chefin. Aber 31 Prozent der Frauen wollen Heide Schmidt gegenüber bloß 29 Prozent Klestil-Anhängerinnen. Bei der Vorliebe für den oder die große(n) Unbekannte(n) zeigen sich keine geschlechtsspezifischen Unterschiede.

Den Sozialdemokraten dürften noch erhebliche parteiinterne Diskussionen bevorstehen. 26 Prozent der Gesamtbevölkerung vertreten mit Nachdruck die Auffassung, die stärkste Partei des Landes dürfe nicht auf einen eigenen Präsidentschaftskandidaten verzichten. Mehr oder weniger sind insgesamt 54 Prozent ebendieser Ansicht. Nur 23 Prozent halten einen SPÖ-Kandidaten in Konkurrenz zu Klestil für entschieden verzichtbar. "Für SPÖ-Wähler scheint eine sozialdemokratische Wahlempfehlung noch nicht so recht nachvollziehbar und wünschenswert. Noch weniger mit Sicherheit für die rote Funktionärsgilde. Nach Klestils Offenbarung dürfen wir uns auf eine heißen Herbst und einen spannenden Wahlkampf freuen. Nur der Wahlverlierer und Marketing-Gewinner steht heute schon fest. Der Seitenblicke-Präsident "Mörtel" Lugner und sein leider-nein "First-Mausi". "Dafür ist die Politik den Österreichern wohl doch zu wichtig", bekräftigt ÖKONSULT-Chef Schillhab.

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