WKÖ: Hoffnungsschimmer am Lehrstellenmarkt?

Zahl der eingetragenen Lehrverträge per Ende Juli deutlich höher als im Vorjahr

Wien (PWK) - Die Zahl der eingelangten Lehrverträge lag mit Stichtag 31.7.1997 um rund 7,5 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres. Die Hoffnungen auf eine echte "Entwarnung" ist nach Ansicht von Georg Piskaty, Leiter der Gruppe Bildung in der Wirtschaftskammer Österreich, allerdings noch nicht gegeben. "Es könnte sich hier um ein Vorziehen von Lehrvertragsabschlüssen handeln, jedenfalls sind die manchmal bis zur Hysterie gesteigerten Hiobsbotschaften auf dem Lehrlingssektor nicht gerechtfertigt", so Piskaty. ****

"Ob nicht sehr bewußt mit Negativzahlen in der Öffentlichkeit argumentiert wird, um Alternativmodelle zur Lehrlingsausbildung vorzubereiten, die in Wirklichkeit zu einer teuer kommenden Verschulung der Berufsausbildung führen würden", glaubt Piskaty feststellen zu können. "Wir kennen Überlegungen, eine alternative Lehrlingsausbildung mit drei Berufsschultagen und zwei Tagen Betriebspraktikum einzuführen, um damit behauptete oder auch befürchtete Lehrstellendefizite aufzufangen. Ein 'verschultes' Modell dürfte für rund 1.000 Jugendliche mehr als eine halbe Milliarde Schilling kosten".

"Mit den rund 1,5 Mrd Schilling, mit denen derzeit geplante 'Notprogramme' für das Ausbildungsjahr 1997/98 von Bund, Ländern und vor allem dem AMS finanziert werden sollen, könnte man besser Lehrbetriebe nachhaltig entlasten, indem man sie beispielsweise von der Bezahlung der Lehrlingsentschädigungen während der Berufsschulzeit befreit und damit vermehrt Anreize zur Lehrlingsaufnahme schafft", stellt Piskaty fest.

"Mit Bestimmungen, welche die quasi Unauflösbarkeit der Lehrverträge auch bei unwilligen und unfähigen Lehrlingen beseitigen, würde man eines der wesentlichsten Hindernisse für die vermehrte Aufnahme insbesondere auch 'schwacher' Jugendlicher beseitigen. Man kann nicht völlig unflexible Rechtsvorschriften aufrechterhalten und gleichzeitig den Betrieben nahelegen, Jugendliche aufzunehmen, die sich von vornherein als wenig geeignet für eine Lehrlingsausbildung erweisen".

Nach Ansicht Piskatys fehlen einfache Lehrberufe, die Teile der derzeit sehr komplexen Lehrberufe umfassen und sich insbesondere an praktisch orientierte, aber theoretisch lernschwache Jugendliche richten, oder auch Anlernberufe, die als Berufsvorbereitung in Richtung späterer dualer Ausbildung genommen werden können.

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Dr. Georg Piskaty

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