- 08.08.1997, 11:37:51
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WKÖ: Hoffnungsschimmer am Lehrstellenmarkt?
Zahl der eingetragenen Lehrverträge per Ende Juli deutlich höher als im Vorjahr
Wien (PWK) - Die Zahl der eingelangten Lehrverträge lag mit
Stichtag 31.7.1997 um rund 7,5 Prozent über dem Vergleichswert des
Vorjahres. Die Hoffnungen auf eine echte "Entwarnung" ist nach
Ansicht von Georg Piskaty, Leiter der Gruppe Bildung in der
Wirtschaftskammer Österreich, allerdings noch nicht gegeben. "Es
könnte sich hier um ein Vorziehen von Lehrvertragsabschlüssen
handeln, jedenfalls sind die manchmal bis zur Hysterie gesteigerten
Hiobsbotschaften auf dem Lehrlingssektor nicht gerechtfertigt", so
Piskaty. ****
"Ob nicht sehr bewußt mit Negativzahlen in der Öffentlichkeit
argumentiert wird, um Alternativmodelle zur Lehrlingsausbildung
vorzubereiten, die in Wirklichkeit zu einer teuer kommenden
Verschulung der Berufsausbildung führen würden", glaubt Piskaty
feststellen zu können. "Wir kennen Überlegungen, eine alternative
Lehrlingsausbildung mit drei Berufsschultagen und zwei Tagen
Betriebspraktikum einzuführen, um damit behauptete oder auch
befürchtete Lehrstellendefizite aufzufangen. Ein 'verschultes' Modell
dürfte für rund 1.000 Jugendliche mehr als eine halbe Milliarde
Schilling kosten".
"Mit den rund 1,5 Mrd Schilling, mit denen derzeit geplante
'Notprogramme' für das Ausbildungsjahr 1997/98 von Bund, Ländern und
vor allem dem AMS finanziert werden sollen, könnte man besser
Lehrbetriebe nachhaltig entlasten, indem man sie beispielsweise von
der Bezahlung der Lehrlingsentschädigungen während der
Berufsschulzeit befreit und damit vermehrt Anreize zur
Lehrlingsaufnahme schafft", stellt Piskaty fest.
"Mit Bestimmungen, welche die quasi Unauflösbarkeit der
Lehrverträge auch bei unwilligen und unfähigen Lehrlingen beseitigen,
würde man eines der wesentlichsten Hindernisse für die vermehrte
Aufnahme insbesondere auch 'schwacher' Jugendlicher beseitigen. Man
kann nicht völlig unflexible Rechtsvorschriften aufrechterhalten und
gleichzeitig den Betrieben nahelegen, Jugendliche aufzunehmen, die
sich von vornherein als wenig geeignet für eine Lehrlingsausbildung
erweisen".
Nach Ansicht Piskatys fehlen einfache Lehrberufe, die Teile der
derzeit sehr komplexen Lehrberufe umfassen und sich insbesondere an
praktisch orientierte, aber theoretisch lernschwache Jugendliche
richten, oder auch Anlernberufe, die als Berufsvorbereitung in
Richtung späterer dualer Ausbildung genommen werden können.
"Schließlich ist auch festzuhalten, daß Jugendliche, die das
eigentliche Bildungsziel von neun Pflichtschuljahren infolge
Repetierens nicht erreicht haben, durch die Absolvierung eines
freiwilligen 10. Pflichtschuljahres im Polytechnischen Lehrgang ihre
Chancen auf einen Lehrplatz durch das Schließen von Bildungslücken,
die einem Lehrvertrag entgegenstehen, erhöhen", so Piskaty
abschließend.
(Schluß) pt
Rückfragehinweis: Dr. Georg Piskaty
BW-Abteilung
Tel. 50105/4072
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