Wirtschaftskammer: Lehrlingsentschädigungen zu hoch!

Balance zwischen Aufwand und Ertrag muß gewährleistet sein Weiterer Abbau bürokratischer Hemmnisse erforderlich

Wien (PWK) - "Das Kostenbewußtsein der Unternehmen steigt und
davon ist auch die Lehrlingsausbildung nicht ausgenommen, erklärte Alfred Duschanek, Leiter der Abteilung Bildungspolitik und Wissenschaft in der Wirtschaftskammer Österreich anläßlich der Präsentation der ibw-Studie "Entwicklung der Lehrlingsentschädigungen von 1990 bis 1996" von Arthur Schneeberger vor Journalisten. ****

"Wir wissen, daß die Unternehmer immer öfter klagen, sich die Lehrlingsausbildung nicht mehr leisten zu können. Die Höhe der Lehrlingsentschädigung spielt dabei eine wichtige Rolle. Die absolute Höhe der Lehrlingsentschädigung führt noch dazu in die Irre, wiel die tatsächliche Anwesenheitszeit im Betrieb, bedingt durch den Berufsschulbesuch, viel kürzer ist als bei jedem Facharbeiter." Duschanek: "Die Wirtschaft kennt entgegen jüngsten Behauptungen aus der Bundesarbeitskammer sehr wohl ihre Verantwortung bei der dualen Berufsausbildung. Wir motivieren unsere Betriebe entsprechend, glauben aber, daß das Lehrlingspaket sehr wohl nur ein erster Schritt zur Kostensenkung war. Die Wirtschaft fordert daher auch die Übernahme der Kosten für die Lehrlingsentschädigung während der Berufsschulzeit durch das Arbeitsmarktservice, wie es Präsident Leopold Maderthaner vor kurzem deponiert hat".

"Die Untersuchung über die Entwicklung der Lehrlingsentschädigungen umfaßt den Zeitraum 1990 bis 1996 und analysiert die Veränderungen auf Basis der Lohn- und Gehaltstafeln der jeweiligen Kollektivverträge", so Arthur Schneeberger zu seiner ibw-Studie. Es wurden die Lehrlingsentschädigungen in den Bereichen Gewerbe und Handwerk, Industrie und Handel, somit etwa von zwei Dritteln der Lehrlinge erfaßt. "Die größte Steigerungsrate verzeichnete die Industrie mit einem Plus von 44 Prozent, gefolgt vom Gewerbe und Handwerk mit 37 Prozent und dem Handel mit 32 Prozent. Bemerkenswert ist, daß die Veränderungsrate bei den Lehrlingsentschädigungen jeweils über der Zuwachsrate der Tariflöhne von 30 Prozent lag. Einen deutlich geringeren Anstieg verzeichneten die Verbraucherpreise mit 19 Prozent. Damit gingen die Lehrlingsentschädigungen deutlich über eine bloße Inflationsabgeltung hinaus", kommentiert Schneeberger das Ergebnis der Studie.

"Nicht nur der Druck zur Kosten-Ertragsbalance bei den Betrieben, sondern auch strukturelle Veränderungen in der dualen Ausbildung erschweren die Situation", so Schneeberger weiter. "Die Anforderungen an die fachlich-systematische Unterweisung sind in vielen Lehrberufen durch die technische Entwicklung gestiegen und reduzieren daher die produktive Einsatzmöglichkeit der Lehrlinge. Nicht zuletzt ist die Berufsschulzeit in vielen Berufen erhöht und damit die Anwesenheit im Betrieb reduziert worden".

"Die Arbeitskosten machen 95 Prozent der Bruttoausbildungskosten aus, wie eine aktuelle IHS-Studie ergeben hat. Der Gestaltung der Lehrlingsentschädigung kommt daher eine wesentliche Funktion bei der Erhaltung der Ausbildungsmöglichkeiten der Wirtschaft zu", betonte Georg Piskaty, Leiter der Gruppe Bildung, im Anschluß an die Ergebnisse der Studie. "Aber nicht nur die Kosten erschweren die Lehrlingausbildung, es sind vor allem die Rahmenbedingungen, die unternehmerfreundlicher gestaltet werden müssen", so Piskaty.

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