EU-Arbeitslosenquote im April 1997: durchschnittlich 10,8 % Österreich hat mit 4,4 % nach Luxemburg die niedrigsten Werte

Wien (OTS) - Laut Mitteilung des Österreichischen
Statistischen Zentralamtes wird seit 1994 zusätzlich zur Arbeitslosenquote im Sinn der bei den Arbeitsämtern vorgemerkten Personen auch eine Arbeitslosenquote berechnet, die international vergleichbar ist und die insbesondere den Richtlinien der EU für eine solche Berechnung entspricht. Die "international vergleichbare" Arbeitslosenquote lag im Mai 1997 bei 4,4%, im Juni bei 4,5% und unterscheidet sich damit erheblich von der Quote der vorgemerkten Arbeitslosen (Mai 6,5%, Juni 5,9%)

Während bei der Quote der vorgemerkten Arbeitslosen, deren Anzahl auf die Summe aus unselbständig Erwerbstätigen und Arbeitslosen bezogen wird, erfolgt die Berechnung der EU-Quote (so wie für die anderen EU-Mitgliedstaaten) nach weitgehend anderen Kriterien: Als "arbeitslos" im Sinn der international üblichen Definitionen gelten alle nicht erwerbstätigen Personen, die auf irgendeine Weise aktiv Arbeit suchen (das kann, aber muß nicht mit Hilfe eines Arbeitsamtes sein), und die außerdem innerhalb von längstens zwei Wochen für den Antritt einer neuen Stelle verfügbar sind.

Durch das Kriterium der aktiven Suche werden gemäß internationalem Konzept z.B. viele Saisonarbeitslose mit einer Einstellungszusage beim früheren Arbeitgeber nicht als arbeitslos erfaßt, weil sie zwar bei einem Arbeitsamt vorgemerkt sind, unter diesen Umständen aber keine Notwendigkeit besteht, einen neuen Arbeitsplatz zu suchen.

Der zweite Hauptunterschied gegenüber der "traditionellen" Berechnung in Österreich besteht darin, daß die Bezugszahl (der "Nenner" des Bruches) nicht nur die Unselbständigen sind (genauer: die unselbständigen ”Arbeitsverhältnisse” lt. Sozialversicherungsträgern), sondern alle Erwerbstätigen, also zusätzlich zu den Unselbständigen auch noch die Selbständigen,

die unbezahlten, im Betrieb mithelfenden Familienangehörigen, und auch die geringfügig Beschäftigten.

Für das Jahr 1996 betrug die Arbeitslosenquote nach dieser EU-Berechnungsweise für Österreich 4,4% (Durchschnitt; nach traditioneller österreichischer Berechnung: 7,0%).

Die in den Wintermonaten üblicherweise auftretende hohe Arbeitslosigkeit zeigt sich nur bei der traditionellen Berechnungsweise, während bei der EU-konformen Berechnung kaum saisonale Unterschiede auftreten.

Die Berechnung der Arbeitslosenquote nach EU-Richtlinien erfolgt zunächst viermal jährlich aufgrund von Mikrozensus-Erhebungen (repräsentative Stichprobenerhebung in den österreichischen Haushalten) in den Monaten März, Juni, September und Dezember. Für die erhebungsfreien Monate vor dem jeweiligen Veröffentlichungszeitpunkt errechnet (”schätzt”) das Statistische Amt der EU (EUROSTAT) darauf beruhende Quoten für alle EU-Mitgliedstaaten. Aufgrund dieser Berechnungen ergibt sich für April 1997 (neuere Daten liegen seitens EUROSTAT noch nicht vor) für den gesamten EU-Bereich eine durchschnittliche Arbeitslosen-Quote von 10,8%; Österreich lag mit 4,4% im April sehr gut, nur Luxemburg hatte eine noch niedrigere Quote. Hingegen betragen in Spanien und Finnland die Arbeitslosenquoten ein Vielfaches davon; für Großbritannien betrug die vergleichbare Quote im April 7,0%, für Deutschland 9,6% und für Frankreich 12,5%.

Aktuellste, international vergleichbare Daten errechnet monatlich das Arbeitsmarktservice Österreich, ebenfalls auf Basis der jeweils jüngsten vorliegenden Mikrozensus-Ergebnisse und unter Berücksichtigung der Trends, die bei den vorgemerkten Arbeitslosen festgestellt werden. Demnach gibt es für Juni 1997 eine erste Berechnung, die die erwähnten 4,5% ergibt.

Rückfragen zu diesem Thema richten Sie bitte direkt an Ewald Bartunek, Abteilung "Sozialstatistik" im ÖSTAT, unter der Tel.- Nr.:
71128-7305 bzw. Fax-Nr.: 718-5060.

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