• 15.07.1997, 09:31:54
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  • OTS0027

Kröll vermißt Tourismusoffensive der Regierung

Keine positiven Signale für diesen wichtigen Wirtschaftszweig Einstellung der Sicherungsaktion löst Verwunderung aus

Wien (PWK) - "Der Tourismus, zweitwichtigster Exportzweig und
kräftigster Beschäftigungsmotor des Landes, wird unter seinem Wert
gehandelt. Während neue Exporthilfen und Technologieoffensiven
intensiv vorbereitet werden, bleibt der mit dem Rücken zur Wand
kämpfende Fremdenverkehr auf sich allein gestellt", kritisiert der
Obmann der Bundessektion Tourismus und Freizeitwirtschaft, Komm.Rat
Hansjörg Kröll, in einer grundsätzlichen Aussage die Haltung der
Politiker. Gerade im Tourismus, wo neue Offensiven mehr Arbeitsplätze
und Einnahmesteigerungen als in anderen Branchen versprechen, bleibe
die Regierung merkwürdig untätig. ****

Als "stiller Export" bringt der Tourismus nach wie vor hohe - und
angesichts der Zahlungsbilanznöte auch hochwillkommene -
Milliardenbeträge ins Land. Im Kalenderjahr 1996 erreichten die
Deviseneinnahmen aus dem Ausländerreiseverkehr 148,3 Milliarden
Schilling, um 0,8 Prozent mehr als 1995, nennt Kröll konkrete Zahlen.
Die vom WIFO errechneten Tourismusumsätze, also die kombinierten
Einnahmen aus Inländer- und Ausländerreiseverkehr, stiegen im Vorjahr
auf 179,6 Milliarden. Trotz der schwierigen Konjunkturlage ist dies
um 0,5 Prozent mehr als 1995 (178,8 Milliarden).

Aber nicht nur als "devisenbringende cash-cow" ist der Tourismus
unersetzlich. Er bringt, direkt oder indirekt, fast einer halben
Million Menschen Einkommen und Beschäftigung und hat sich in den
letzten Jahren als so ziemlich einziger Wirtschaftszweig profiliert,
in dem es noch einen spürbaren Zuwachs an Arbeitsplätzen gibt.

"Trotz unserer guten Argumente bleibt die Resonanz auf politischer
Ebene merkwürdig dünn. Es werden Aktionen gesetzt, denen komplett
jeder Weitblick fehlt", wundert sich Kröll. Als Beispiel für eine
besonders skurrile Maßnahme nennt der Sektionsobmann die von
Wirtschaftsminister Johann Farnleitner mit Ende des Vorjahres
verfügte Einstellung der "Sicherungsaktion" des
Wirtschaftsministerium. Mit dieser Aktion konnte, wie berichtet, in
der Vergangenheit vielen unverschuldet in Not geratenen
Tourismusunternehmen geholfen werden, mehr als 700 Sanierungsfälle
wurden bisher erfolgreich betreut. Für 1997 wären aus dem Budget 14
Millionen Schilling erforderlich gewesen.

"Auch bei echtem Sparzwang ein wirklich kleiner Betrag im
Verhältnis zur langfristigen Bedeutung dieser Hilfsmaßnahmen, und
erst recht im Vergleich zu anderen Aktionen", betont Kröll. So werden
zur Ankurbelung der Exporte erfreulicherweise 1,3 Milliarden und für
die Technologieoffensive 2,8 Milliarden Schilling flüssig gemacht.
"Dieses Beispiel zeigt, wie wir tatsächlich behandelt werden. Trotz
intensiver Bemühungen hat man uns nicht zugehört und alle Argumente
einfach vom Tisch gewischt. Wir können diese kontraproduktive
Einstellung nur mit großer Verwunderung zu Kenntnis nehmen".

Es erhebe sich die Frage, wie lange sich der Tourismus diese
Behandlung noch gefallen lassen kann. Als zweitwichtigster
Exportzweig des Landes müsse der Tourismus unbedingt in die
Exportoffensive miteinbezogen werden. Auch sollte diesem
Wirtschaftszweig ein Äquivalent für die Technologieoffensive geboten
werden, fordert Kröll mit Nachdruck.
(Schluß) hp
Rückfragehinweis: Bundessektion Tourismus und Freizeitwirtschaft

Syndikus Dr. Paul Schimka
Tel. 501 05 DW 3567

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