Neue WWF-Studie: Klimawandel bedroht Naturreservate

Wien (OTS) - Nationalparke und andere Schutzgebiete wurden eingerichtet, um die noch verbliebenen phantastischen Naturwunder dieser Erde vor der verheerenden Zerstörung durch den Menschen zu bewahren. Doch keine Nationalparkgrenze und kein Naturschutzgesetz kann die Ökosysteme vor dem Klimawandel schützen. Der neue Bericht des World Wide Fund For Nature (WWF) zeigt, daß dieser schleichende und unsichtbare Tod bereits in den bestgeschütztesten Gebieten der Erde wirkt, während sich die Regierungen nicht auf Maßnahmen zur Reduktion der Treibhausgase einigen können.

Der WWF Report "Ecological Impact of Climate Change on National Parks and Protected Areas of the World" listet die Auswirkungen des Klimawandels in Dutzenden weltbekannten Schutzgebieten aller Kontinente auf. Eine Reihe von Szenarien bedroht die geschützten Ökosysteme: Lufterwärmung, Erhöhung der Wassertemperatur, Eisschmelze, Veränderung der Jahreszeiten, Niederschlagsveränderungen, Katastrophenwetterlagen wie Tornados und Hurrikans. Das Überleben von sensiblen gefährdeten Arten von Tieren und Pflanzen ist unter diesen neuen Bedingungen bedroht. Weltweit wird eine Veränderung der großen Vegetationstypen dieser Erde in 24 % der geschützten Gebiete bis zum Jahr 2050 und in 40 % bis zum Jahr 2100 stattfinden. In Europa wird diese Veränderung sogar noch viel mehr Schutzgebiete betreffen: 42 % bis 2050 und 67 % bis 2100.

Besonders sensibel: Österreichs Alpen

Auch in Österreich zeigen sich erste Zeichen der Erwärmung. Alpine Lebensräume sind besonders sensible Ökosysteme. Für die in den alpinen Zonen heimischen Tier- und Pflanzenarten bedeutet der Klimawandel ein unmittelbares Risiko. Die Erwärmung zwingt sie, in immer höhere Regionen auszuweichen, was eine drastische Reduktion an Lebensraum zur Folge hat. Die Autoren der WWF-Studie zählen die Östereichischen Nationalparke "Hohe Tauern", "Kalkalpen" und "Nockberge" zu den vom Klimawandel meist gefährdeten Schutzgebieten.

Univ. Prof. Dr. Georg Grabher - vom Institut für Vegetationsökologie und Naturschutz und Leiter des wissenschaftlichen Beirates des WWF - hat 26 Alpengipfel in Österreich und der Schweiz untersucht. Er stellt in seinem Beitrag fest, daß die Temperaturen an den Bergipfeln in den letzten 100 Jahren um 2 C und in den letzten 30 Jahren um 1,3 C gestiegen sind Der dramatische Rückgang des Gletschereises ist eine logische Folge der Erwärmung. Der Fund des Steinzeitmenschen Ötzis läßt annehmen, daß das alpine Eis den tiefsten Stand seit 5000 Jahren erreicht hat.

Der Aufstieg zum Himmel

In den Alpen ist auch der bisher klarste, für das menschliche Auge auch sichtbare Nachweis gelungen, wie der Klimawandel in die Ökosysteme eingreift: Subalpine Planzen wandern in alpine Regionen und verdrängen jene seltenen Arten, die dort ihren Lebensraum haben. Die "Wanderung" verläuft schneller, als ursprünglich angenommen -viele Arten können bei diesem Tempo nicht mitmachen! Der Aufstieg zum Himmel ist vor allem bei den niedrigeren Gipfeln der Ostalpen gleichbedeutend mit dem Aussterben dieser Arten.

In den Österreichischen und Schweizer Alpen sind 15 % aller vom Aussterben bedrohten Arten in der alpinen Zone zu finden. In den heimischen Nationalparken könnten so z.B. das Österreichische Alpenglöckchen, das Honiglabkraut oder die Nordostalpenprimel für immer verschwinden.

"Wir können die Hinweise auf die Auswirkungen des Klimawandels in unseren wissenschaftlichen Arbeiten bereits laufend feststellen", erklärt Dr. Grabher. "Wenn die Treibhausgase nicht gesenkt werden und der Klimawandel wie prognostiziert fortschreitet, so sind die großen Naturschutzbemühungen der letzten Jahrzehnte, wie. z.B. der Nationalpark Kalkalpen oder Nationalpark Hohe Tauern verloren!" Der WWF fordert daher die Industrienationen auf, eine 20%ige CO-2 Reduktion bis 2005 als definitives Ziel für den Klimagipfel von Kyoto im Dezember dieses Jahres festzulegen.

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