• 18.06.1997, 12:25:26
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  • OTS0138

Bartenstein schlägt Wien als Standort für europäische Sekten- Informationsstelle vor - 1

Konferenz der europäischen Familienminister in Wien

Wien (OTS) - Das 25. Treffen der Familienminister-Konferenz des
Europarates ging heute, Mittwoch, in Wien zu Ende. Auf Einladung
von Familienminister Dr. Martin Bartenstein erörterten
Familienpolitiker und Experten aus 37 Mitgliedsstaaten des
Europarates das Schwerpunktthema "Heranwachsen: Eine
Herausforderung für die Familie." Als konkretes Ergebnis der
Konferenz wurde auf Initiative des österreichischen
Familienministers die Vorbereitung einer europäischen Sekten-
Dokumentationsstelle vereinbart. Bartenstein schlug als Standort
für dieses Zentrum Wien vor und zeigte sich optimistisch, daß die
Einrichtung "in absehbarer Zeit" möglich ist.

Die Einrichtung soll den länderübergreifenden Aktivitäten von
Sekten und destruktiven Kulten den transnationalen Erfahrungs- und
Informationsaustausch entgegenstellen. "Die europäische Sekten-
Dokumentationsstelle wird einen weiteren Beitrag dazu leisten,
Aktivitäten einen Riegel vorzuschieben, die unter dem Deckmantel
der Religionsfreiheit Menschen psychisch abhängig machen und
materiell ausbeuten wollen," erklärte Bartenstein. Die
österreichische Informations-Broschüre über Sekten war auf der
Familienministerkonferenz auf großes Interesse gestoßen.

Gegenüber einem Dokumentationszentrum, das neben Sekten auch
die Aktivitäten von extremistischen politischen Gruppen beobachte,
zeigte sich Bartenstein skeptisch. Er anerkenne die Bemühungen,
hier mehr Information anzubieten. Man täte aber der Sache nichts
Gutes, wenn man die Beobachtung von transzendental ausgerichteten
Gruppen mit jener von politischen Gruppen unter einem Dach
vereine.

Familie und Beruf vereinbar machen

Generell, so das Resümee der Familienministerkonferenz, müsse
die Politik ressortübergreifend dafür sorgen, daß Familie und
Berufstätigkeit vereinbar sind. Neben Mobilarbeitszeit wären dafür
ausreichende Kinderbetreuungseinrichtungen wichtige Maßnahmen. Nur
dadurch könne Familie leb- und erlebbar sein, und nur so könnten
Eltern für die Betreuung ihrer Kinder ausreichend Zeit haben.

Bartenstein betonte, daß die Armutsgefahr für Familien immer
akuter werde. Die Gefahr der Verarmung sei besonders dann hoch,
wenn es etwa, wie im Fall alleinerziehender Mütter, nur ein
Einkommen in der Familie gibt. Von den 950.000 österreichischen
Haushalten mit Kindern sind rund 130.000 Alleinerzieher-Haushalte
mit Kindern unter 15 Jahren. Obwohl die Erwerbsquote der
alleinerziehenden Mütter über 75 % beträgt, hat bereits jeder
vierte Alleinerzieher-Haushalt ein Einkommen unter der
Armutsschwelle.

Bartenstein: "Zur Vermeidung familiärer Armutsfallen wird es
entscheidend sein, neben einer substantiellen finanziellen
Grundabsicherung für Familien die Berufschancen von Müttern beim
Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu verbessern. Der Förderung
der familienfreundlichen Mobilzeitmodellen kommt daher
entscheidende Bedeutung zu."

Auch der Europarat widmet sich der Frage von flexiblen
Arbeitszeitmodellen, berichtete Robin Guthrie, der Direktor für
Sozialangelegenheiten im Europarats-Sekretariat. Eine Liste von
Empfehlungen und Praxisbeispielen sei vor kurzem fertiggestellt
und an Betriebe übermittelt worden. Österreich strebe ein
Auszeichnungssystem für Betriebe an, die besonders
familienfreundlich seien, fügte Bartenstein hinzu. Ein
Pilotversuch mit 10 Unternehmen beginnt heuer.

Der Minister verwies in diesem Zusammenhang darauf, daß
Österreich im Rahmen eines Sonderprogramms für die nächsten zwei
Jahre rund 1,2 Mrd. Schilling für zusätzliche Kinderbetreuungs-
Angebote zur Verfügung stellt.

(Fortsetzung)

Rückfragehinweis: Bundesministerium für Umwelt, Jugend & Familie

Dr. Ingrid Nemec
Tel.: (0222) 515 22-5051

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | BMU/OTS

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