Bartenstein schlägt Wien als Standort für europäische Sekten- Informationsstelle vor - 1

Konferenz der europäischen Familienminister in Wien

Wien (OTS) - Das 25. Treffen der Familienminister-Konferenz des Europarates ging heute, Mittwoch, in Wien zu Ende. Auf Einladung
von Familienminister Dr. Martin Bartenstein erörterten Familienpolitiker und Experten aus 37 Mitgliedsstaaten des Europarates das Schwerpunktthema "Heranwachsen: Eine
Herausforderung für die Familie." Als konkretes Ergebnis der Konferenz wurde auf Initiative des österreichischen Familienministers die Vorbereitung einer europäischen Sekten-Dokumentationsstelle vereinbart. Bartenstein schlug als Standort für dieses Zentrum Wien vor und zeigte sich optimistisch, daß die Einrichtung "in absehbarer Zeit" möglich ist.

Die Einrichtung soll den länderübergreifenden Aktivitäten von Sekten und destruktiven Kulten den transnationalen Erfahrungs- und Informationsaustausch entgegenstellen. "Die europäische Sekten-Dokumentationsstelle wird einen weiteren Beitrag dazu leisten, Aktivitäten einen Riegel vorzuschieben, die unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit Menschen psychisch abhängig machen und materiell ausbeuten wollen," erklärte Bartenstein. Die österreichische Informations-Broschüre über Sekten war auf der Familienministerkonferenz auf großes Interesse gestoßen.

Gegenüber einem Dokumentationszentrum, das neben Sekten auch
die Aktivitäten von extremistischen politischen Gruppen beobachte, zeigte sich Bartenstein skeptisch. Er anerkenne die Bemühungen, hier mehr Information anzubieten. Man täte aber der Sache nichts Gutes, wenn man die Beobachtung von transzendental ausgerichteten Gruppen mit jener von politischen Gruppen unter einem Dach
vereine.

Familie und Beruf vereinbar machen

Generell, so das Resümee der Familienministerkonferenz, müsse die Politik ressortübergreifend dafür sorgen, daß Familie und Berufstätigkeit vereinbar sind. Neben Mobilarbeitszeit wären dafür ausreichende Kinderbetreuungseinrichtungen wichtige Maßnahmen. Nur dadurch könne Familie leb- und erlebbar sein, und nur so könnten Eltern für die Betreuung ihrer Kinder ausreichend Zeit haben.

Bartenstein betonte, daß die Armutsgefahr für Familien immer akuter werde. Die Gefahr der Verarmung sei besonders dann hoch,
wenn es etwa, wie im Fall alleinerziehender Mütter, nur ein Einkommen in der Familie gibt. Von den 950.000 österreichischen Haushalten mit Kindern sind rund 130.000 Alleinerzieher-Haushalte mit Kindern unter 15 Jahren. Obwohl die Erwerbsquote der alleinerziehenden Mütter über 75 % beträgt, hat bereits jeder vierte Alleinerzieher-Haushalt ein Einkommen unter der Armutsschwelle.

Bartenstein: "Zur Vermeidung familiärer Armutsfallen wird es entscheidend sein, neben einer substantiellen finanziellen Grundabsicherung für Familien die Berufschancen von Müttern beim Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu verbessern. Der Förderung
der familienfreundlichen Mobilzeitmodellen kommt daher
entscheidende Bedeutung zu."

Auch der Europarat widmet sich der Frage von flexiblen Arbeitszeitmodellen, berichtete Robin Guthrie, der Direktor für Sozialangelegenheiten im Europarats-Sekretariat. Eine Liste von Empfehlungen und Praxisbeispielen sei vor kurzem fertiggestellt
und an Betriebe übermittelt worden. Österreich strebe ein Auszeichnungssystem für Betriebe an, die besonders familienfreundlich seien, fügte Bartenstein hinzu. Ein
Pilotversuch mit 10 Unternehmen beginnt heuer.

Der Minister verwies in diesem Zusammenhang darauf, daß Österreich im Rahmen eines Sonderprogramms für die nächsten zwei Jahre rund 1,2 Mrd. Schilling für zusätzliche Kinderbetreuungs-Angebote zur Verfügung stellt.

(Fortsetzung)

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Ingrid Nemec
Tel.: (0222) 515 22-5051

Bundesministerium für Umwelt, Jugend & Familie

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | BMU/OTS