- 10.06.1997, 10:39:15
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Wirte und ihre Gäste protestieren beim Kanzler
Fax-Aktion als Rettungsversuch in letzter Minute - Wien als einzige Stadt der Welt mit Nachtruhe um 21 Uhr?
Wien (PWK) - Mit einer aufsehenerregenden Aktion versuchen die
Gastronomen, die geplante Sperrstunde von 21 Uhr in Gastgärten auf
privatem Grund doch noch zu verhindern: Seit Montag Abend sammeln die
Unternehmer bei ihren Gästen Unterschriften für Protestbriefe an
Bundeskanzler Viktor Klima. Die unterfertigten Schreiben werden ins
Bundeskanzleramt gefaxt. ****
Aber schon nach den ersten dreihundert Briefen streikte Montag
gegen 23 Uhr das Faxgerät am Ballhausplatz - offenbar war das Papier
ausgegangen. Bis Donnerstag werden die Papierschächte noch mehrmals
nachgefüllt werden müssen. Die Wirte erwarten, daß Dienstag und
Mittwoch Zehntausende Unterschriften gefaxt werden können. Leider
wird sie der Bundeskanzler nicht alle zu Gesicht bekommen, einfach
weil die Geräte zu langsam arbeiten.
Ob dieser Rettungsversuch in letzter Minute Wirkung zeigt, ist
noch offen. Die SPÖ, insbesondere die Wiener Landessorganisation,
beharrte ursprünglich auf einer Sperrstunde in den betroffenen
Gastgärten schon um 20 Uhr, legte dann widerwillig eine Stunde drauf
und hat sich jetzt auf 21 Uhr festgelegt.
Für die Gäste, die sich an lauen Sommerabenden im Freien erholen
wollen, ist das natürlich zu wenig. Die meisten von ihnen gehen erst
gegen 20 Uhr aus. Sie müßten daher, kaum daß sie einen der lauschigen
Gartenplätze ergattert haben, schon wieder aufstehen, damit der
Gastgarten Punkt 21 Uhr leer ist, wie es die neue Gewerbeordnung
verlangt.
Auch daß es, zumindest theoretisch, möglich sein wird, für
einzelne Betriebe die Sperrstunde zu verlängern, erscheint
unbefriedigend. Schon bei der kleinsten Beschwerde kann, wie die
bisherige Spruchpraxis der Behörden zeigt, das "Privileg" einer
späteren Sperrstunde wieder entzogen werden. Daher fordern die
Gastronomen in ihrer Fax-Aktion eine Sperrstunde von wenigstens 22
Uhr für Gastgärten auf privatem Grund. "Schanigärten" auf
öffentlichem Grund dürfen, wie mehrmals berichtet, weiterhin bis 23
Uhr offen halten.
"Wie sollen wir", fragen die Wirte den Bundeskanzler, "glaubwürdig
um ausländische Touristen werben, wenn Gastgärten in ganz Österreich
um 21 Uhr schließen müssen? Wie können wir die Österreicher für den
Sommerurlaub im eigenen Land motivieren, wenn sie überall anderswo
bis Mitternacht und teilweise noch viel länger im Freien sitzen und
sich erholen dürfen, nicht aber bei uns? Wie soll die
Bundeshauptstadt ihren Ruf als weltoffene Stadt verteidigen, wenn in
Wien als einziger Stadt der Welt die Nachtruhe in Gastgärten schon um
21 Uhr erzwungen wird?"
Am Donnerstag ab 10 Uhr wird sich das Plenum im Nationalrat mit
diesem Thema befassen. Sollte keine befriedigende Lösung gefunden
werden, sind die Wirte entschlossen, weiterzukämpfen.
(Schluß) hp
Rückfragehinweis: Bundessektion Tourismus und Freizeitwirtschaft
Syndikus Dr. Paul Schimka
Tel. 501 05 DW 3567
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