Wirte und ihre Gäste protestieren beim Kanzler

Fax-Aktion als Rettungsversuch in letzter Minute - Wien als einzige Stadt der Welt mit Nachtruhe um 21 Uhr?

Wien (PWK) - Mit einer aufsehenerregenden Aktion versuchen die Gastronomen, die geplante Sperrstunde von 21 Uhr in Gastgärten auf privatem Grund doch noch zu verhindern: Seit Montag Abend sammeln die Unternehmer bei ihren Gästen Unterschriften für Protestbriefe an Bundeskanzler Viktor Klima. Die unterfertigten Schreiben werden ins Bundeskanzleramt gefaxt. ****

Aber schon nach den ersten dreihundert Briefen streikte Montag gegen 23 Uhr das Faxgerät am Ballhausplatz - offenbar war das Papier ausgegangen. Bis Donnerstag werden die Papierschächte noch mehrmals nachgefüllt werden müssen. Die Wirte erwarten, daß Dienstag und Mittwoch Zehntausende Unterschriften gefaxt werden können. Leider wird sie der Bundeskanzler nicht alle zu Gesicht bekommen, einfach weil die Geräte zu langsam arbeiten.

Ob dieser Rettungsversuch in letzter Minute Wirkung zeigt, ist noch offen. Die SPÖ, insbesondere die Wiener Landessorganisation, beharrte ursprünglich auf einer Sperrstunde in den betroffenen Gastgärten schon um 20 Uhr, legte dann widerwillig eine Stunde drauf und hat sich jetzt auf 21 Uhr festgelegt.

Für die Gäste, die sich an lauen Sommerabenden im Freien erholen wollen, ist das natürlich zu wenig. Die meisten von ihnen gehen erst gegen 20 Uhr aus. Sie müßten daher, kaum daß sie einen der lauschigen Gartenplätze ergattert haben, schon wieder aufstehen, damit der Gastgarten Punkt 21 Uhr leer ist, wie es die neue Gewerbeordnung verlangt.

Auch daß es, zumindest theoretisch, möglich sein wird, für einzelne Betriebe die Sperrstunde zu verlängern, erscheint unbefriedigend. Schon bei der kleinsten Beschwerde kann, wie die bisherige Spruchpraxis der Behörden zeigt, das "Privileg" einer späteren Sperrstunde wieder entzogen werden. Daher fordern die Gastronomen in ihrer Fax-Aktion eine Sperrstunde von wenigstens 22 Uhr für Gastgärten auf privatem Grund. "Schanigärten" auf öffentlichem Grund dürfen, wie mehrmals berichtet, weiterhin bis 23 Uhr offen halten.

"Wie sollen wir", fragen die Wirte den Bundeskanzler, "glaubwürdig um ausländische Touristen werben, wenn Gastgärten in ganz Österreich um 21 Uhr schließen müssen? Wie können wir die Österreicher für den Sommerurlaub im eigenen Land motivieren, wenn sie überall anderswo bis Mitternacht und teilweise noch viel länger im Freien sitzen und sich erholen dürfen, nicht aber bei uns? Wie soll die Bundeshauptstadt ihren Ruf als weltoffene Stadt verteidigen, wenn in Wien als einziger Stadt der Welt die Nachtruhe in Gastgärten schon um 21 Uhr erzwungen wird?"

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