- 05.06.1997, 13:01:38
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Einspeistarife für erneuerbare Energieträger sind Nagelprobe für Klimapolitik
Klimapolitik steht im Mittelpunkt des heutigen Weltumwelttages, gleichzeitig soll Alternativenergien der Hahn abgedreht werden
Wien (OTS) - Einen dringenden Appell richtet der Bundesverband
Erneuerbare Energie (BVEE) anläßlich des Weltumwelttages an Minister
Bartenstein. Der Umweltminister soll den vorliegenden Entwurf für ein
Generalübereinkommen zwischen Bund und E-Wirtschft zur Förderung von
Strom aus Sonne, Wind und Biomasse ablehnen. Das von der E-Wirtschaft
vorgeschlagene und als Erfolg propagierte Modell bezeichnet der BVEE
als Rückschlag und Alibihandlung. Für Bartenstein, der derzeit eine
Kampagne mit dem Titel "Heißes Thema Klima" lanciert, sei die
Förderung von Alternativenergien eine Nagelprobe seiner Klimapolitik,
so der BVEE. Sollten seine Tarifverhandlungen mit der E-Wirtschaft
scheitern, solle er das Generalübereinkommen nicht unterzeichnen.
Umweltminister Bartenstein wird bei den anstehenden
Umweltkonferenzen in Washington (UNCED Nachfolgekonferenz im Juni
1997) und in Kyoto (Klimakonferenz im Dezember) Maßnahmen zum
Klimaschutz präsentieren müssen. Wenn Österreich - das jetzt schon
neben Finnland die mit abstand niedrigsten Einspeisetarife innerhalb
der EU hat - weiter als europäisches Schlußlicht bei den Tarifen für
erneuerbare Energieträger dasteht, wird man eine schlechte
Ausgangsposition für die Verhandlungen haben. Insofern drücken die
Betreiber von Ökostrom-Anlagen ihre Hoffnung aus, daß Minister
Bartenstein den vorliegenden Entwurf für die Förderregelung ablehnt.
Im Gegensatz zur Darstellung seitens der E-Wirtschaft würde mit
dem aktuellen Modell das Fördervolumen nicht verdreifacht, sondern im
Zusammenhang mit der angekündigten drastischen Tarifreduzierung
deutlich gekürzt. So könnten nur noch fünf bis sieben Windanlagen pro
Jahr errichtet werden, im Vorjahr waren es 26!
Das Modell laufe aber nicht nur dem Klimaschutz zuwider, sondern
schade auch der österreichischen Wirtschaft. Erst gestern hatte
"Fotolöwe" und Windmüller Franz Josef Hartlauer erklärt, er wäre
angesichts einer solchen Regelung gezwungen, seine geplanten weiteren
Anlagen in Bayern zu errichten.
Um ihren Protest gegen den vorliegenden Entwurf auszudrücken,
haben heute die Betreiber von Windkraftanlagen anläßlich des
Weltumwelttages eine einwöchige Windtrauer-Aktion gestartet, bei der
alle Windräder in Österreich einen schwarzen Trauerflor tragen. Mit
dieser spektakulären Aktion, die von der Interessensgemeinschaft
Windkraft organisiert wurde, zeigen die Windmüller, daß sie ohne
faire Einspeisetarife wenig Perspektiven haben, weitere Anlagen in
Österreich zu errichten.
Rückfragehinweis: Bundesverband Erneuerbare Energie
Birgit Kohlmaier-Schacht
Tel.: 02252/411 98
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