Nur neue Unternehmen schaffen neue Arbeitsplätze

Warum behandeln wir dann Jungunternehmer so schäbig? Junge Wirtschaft startet Betriebsgründungs-Offensive

Wien (PWK) - In Österreich haben die Arbeitslosenzahlen 1997 einen traurigen Nachkriegsrekord erreicht: 300.000 Menschen hatten im Jänner keinen Job. Alleine in der Industrie wurden in 20 Jahren 200.000 Jobs gestrichen, 80.000 davon in den letzten fünf Jahren. "Und es wird noch schlimmer werden, wenn nicht rasch etwas geschieht. Unsere Politiker müssen endlich begreifen, daß neue Jobs nur von neuen Unternehmen geschaffen werden", erklärte Günther Kollitsch, Bundesvorsitzender der Jungen Wirtschaft, bei einem Pressegespräch. ****

Schon jetzt ist Österreich mit seiner Selbständigenquote Schlußlicht in Europa. Allein zur Erreichung des OECD-Durchschnittes müßten 140.000 zusätzliche Unternehmen gegründet werden. "Jede Unternehmensgründung in Österreich bringt sofort drei neue Arbeitsplätze, bei High-Tech-Firmen sind es noch weit mehr. Doch von der Gründeroffensive, die uns die Bundesregierung schon seit einem Jahr ankündigt, ist weit und breit nichts zu sehen", kritisierte Kollitsch.

Nun soll ein komplettes Betriebsgründungs-Programm der Jungen Wirtschaft wieder frischen Wind in die längst überfällige Gründungsoffensive bringen. Die drei Kernpunkte dieses JW-Maßnahmen-Paketes sind:

  • ein besseres Image der Selbständigen
  • mehr Risikokapital
  • weniger Bürokratie

Noch immer werden Jungunternehmer als lästige Bittsteller mit bürokratischen Hürdenläufen lahmgelegt. "Damit muß endlich Schluß sein. Jungunternehmer sind die einzigen, die in Zukunft neue Arbeitsplätze schaffen. Warum behandeln wir sie dann so schäbig? Jungunternehmer müssen auch in Österreich als wichtige Leistungsträger anerkannt werden", so Kollitsch. Um diesen Gesinnungswandel zu erreichen, plant die Junge Wirtschaft eine bundesweite Kampagne, in der ein positives Image von Jungunternehmern transportiert und über die Selbständigkeit als attraktive Berufschance informiert wird. "Eine ähnliche Kampagne hat es bereits in Holland gegeben, wo sie beachtliche Auswirkungen gezeigt hat", resümiert Kollitsch.

Damit Selbständigkeit wieder attraktiver wird, fordert die Junge Wirtschaft aber auch die Verankerung unternehmerischen Denkens im österreichischen Bildungssystem. Kollitsch: "Die meisten Schüler kennen nur das Berufsbild des beamteten Lehrers. Daher ist es auch kein Wunder, wenn 70% der angehenden Akademiker ihre berufliche Zukunft im öffentlichen Dienst sehen." Aber auch bei den Universitäten ist ein Umdenken bitter notwendig. "Die amerikanischen Hochschulen fördern ganz gezielt den Unternehmergeist ihrer Studenten. Dort lehren an über 300 Colleges Professoren das Fach 'Entrepreneurship'. In Österreich gibt es kein einziges Fach, das sich mit Existenzgründern befasst. Da muß sich noch gewaltig etwas ändern", kritisiert Kollitsch.

Ein Pilotprojekt mit Zukunft ist das von der Jungen Wirtschaft unterstützte Modell der "Junior-Firmen", in denen Schüler praxisnahe mit dem Unternehmer-Dasein konfrontiert werden. Auch mit der Aktion "Ein Herz für Gründer" und dem "Jungunternehmerpreis" bemüht sich die Junge Wirtschaft um ein besseres Image für Jungunternehmer.

Als dritte Maßnahme zur Attraktivitätssteigerung der Selbständigkeit fordert die Junge Wirtschaft, daß verstärkt über Bildungswege zur Selbständigkeit informiert werden muß. Kollitsch:
"Jedes Kind weiß, was es tun muß, um heute Lehrer oder Arzt zu werden. Welche Ausbildungs- und Praxisschritte aber notwendig sind, um z.B. später eine Software-Firma oder einen Handelsbetrieb zu gründen, lernt der Jugendliche in der Schule nicht kennen".

Akuten Handlungsbedarf sieht die Junge Wirtschaft auch beim Eigenkapital der Betriebsgründer. "Wer sich hierzulande selbständig machen will, steht einer Front von Gesetzen und Verordnungen gegenüber, die der Einrichtung Önorm-konformer Belegschaftstoiletten größere Bedeutung beimessen, als der ohnehin schon dünnen Eigenkapitaldecke der Jungunternehmer", beschreibt Alfons Helmel, Geschäftsführer der Jungen Wirtschaft die aktuelle Situation. Für viele Gründer ist es noch immer unmöglich, das nötige Kapital aufzutreiben. Staatliche Stellen können bei der Vergabe von Fördermitteln mit den ausgefallenen Ideen und dem Tempo, das die Gründer vorlegen, oft nicht mithalten. Und die Banken fangen mit den Visionen der Jungunternehmer immer weniger an. "Stattdessen verlangen sie handfeste Sicherheiten - und genau das ist es, was den Jungunternehmern meist fehlt", so Helmel.

Die Lösung der Eigenkapitalmisere besteht für die Junge Wirtschaft in der Bereitstellung ausreichender Risikokapitalinstrumente. Hier wurden auch schon erste wichtige Schritte mit der Einrichtung des Börsensegmentes FIT für Klein- und Mittelbetriebe, durch das Iý-Modell der Innovationsagentur und durch ein Bürgschaftsmodell der Bürges-Förderungsbank gesetzt, die von der Jungen Wirtschaft mitinitiiert bzw. unterstützt werden. Vor allem auf die Bedürfnisse angehender Jungunternehmer wurde das von der JW initiierte Gründungssparen der Bürges-Förderungsbank zugeschnitten, das eine Prämie von bis zu öS 105.000.- und eine günstige Anschlußfinanzierung ermöglicht.

"Das grundsätzliche Problem in Österreich ist, daß wir keine Risikokapital-Kultur wie in anderen Ländern haben. Wir haben keine eingeführten Instrumentarien zur Verfügung und müssen sie deshalb vollkommen neu konzipieren", so Helmel. In den USA hingegen hat sich das Konzept des "Venture-Capital" bereits seit Jahrzehnten bewährt. Allein 1995 pumpten risikofreudige Privatanleger 6 Mrd Dollar in innovative Jungunternehmen und schufen damit 200.000 neue hochqualifizierte Jobs in der Computerindustrie, der Biotechnologie und dem Maschinenbau.

Die Junge Wirtschaft schlägt daher die Einrichtung von Jungunternehmerfonds vor, an denen sich jeder Österreicher beteiligen kann. "Wir müssen die breite Masse potentieller Anleger dazu motivieren, Anteilsscheine junger Unternehmen zu kaufen. Dazu sind einerseits steuerliche Begünstigungen zweckmäßig, andererseits könnte auch eine Kapitalhaftung des Bundes für das eingebrachte Kapital derartige Fonds attraktiv machen," erklärt Helmel. Generell geht es der Jungen Wirtschaft darum, bei der Finanzierung junger Unternehmen ein anderes Instrumentarium als die Kreditfinanzierung bereitstellen zu können. Denn die "Venture-Kapitalisten" arbeiten gänzlich anders als eine Bank. Während die Kreditinstitute vor allem auf eine pünktliche Zins- und Tilgungszahlung bestehen, setzen die Investoren eher auf den langfristigen Erfolg der Firma.

Rückfragen & Kontakt:

Alfons Helmel
Tel: 50105-3040

Junge Wirtschaft

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