Gewerbeverein: Wie seriös ist es, jedem Lehrling eine Stelle zu versprechen?

Wien (OTS) - Lehrstellensuchende ohne Perspektive sind in der Tat eine katastrophale Entwicklung - so der Präsident des Österreichischen Gewerbevereins, Prof. Friedl Bakalowits.

In dieser Situation ist die gestrige Ankündigung Bundeskanzler Klimas - im vom sozialistischen "Spiegel-Moderator" Hans Peter Martin unhöflich geführtem Gespräch (Gast Lafontaine durfte nur den Stichwortgeber für den österreichischen Kanzler abgeben) - alle Lehrstellensuchenden würden im Herbst eine Lehrstelle erhalten, nicht gerade weitsichtig.

1) Lehrstellen schaffen Unternehmer und nicht der öffentliche Bereich. Wenn seinerzeit in Kreisky's Zeiten das Arbeitsmarktreservoir in der Verstaatlichten geortet wurde, bei Vranitzky im Bundesdienst, dann will es Klima nun für die Lehrlinge wieder im öffentlich-rechtlichen Bereich ansiedeln. Die beiden ersten Ansätze haben sich als Flop erwiesen.

2) Der Trend, daß sich die Lehrlingsentschädigungen von 1990 bis 1996 in der Industrie um 44 Prozent erhöhten, die Zuwachsrate bei den Kollektivvertragslöhnen aber nur 30 Prozent betrug, muß auch dem Kanzler zu denken geben.

3) Nach den Maastricht-Anstrengungen war man der Meinung, daß der Staat sich nicht mehr regulierend in alles hineinmischen muß. Noch dazu, wo ein ausgegliedertes "Arbeitsmarktservice" geschaffen wurde. Nun sollen Lehrer mit 55 Jahren in Pension gehen, um den Jungen Platz zu machen und der Staat stellt einfach Mitarbeiter - nämlich Lehrlinge - ein, für die es keine Stellen im Plan gibt und die schließlich Geld kosten.

Die ehrenwerte Denkrichtung des Herrn Bundeskanzlers bei der Beschäftigung der Lehrlinge ist erfreulich. Das Instrumentarium sollte für einen Mann, der aus der Wirtschaft kommt nicht wieder ein Rückfall in die Zeit sein, in der der Staat glaubte alles regeln zu können und damit furchtbar Schiffbruch erlitt.

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