Lenzing: Aktionaersbrief der Lenzing AG

Für den Inhalt der Mitteilung ist allein der Emittent verantwortlich. Teil 1
Fragen bitte an Dr. Rosemarie Schuller unter Tel 07672/701/2713 richten.

Ad-Hoc Mitteilung von: Lenzing

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Teil 1
Sehr geehrte Aktionärin!
Sehr geehrter Aktionär!

Wir erlauben uns, Sie mit diesem Aktionärsbrief über das vorläufige Geschäftsergebnis der Lenzing -Gruppe 1996 sowie
über die aktuelle Lage auf unseren wichtigsten Märkten zu informieren. Weiters wollen wir Ihnen einen ersten Ausblick
auf die Entwicklung der Gruppe

1997 geben.

1996 war eines der schwierigsten Jahre in der
Unternehmensgeschichte der Lenzing-Gruppe. Der Lenzing
Konzern erwirtschaftete 1996 ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
von minus 30,3 Mio. ÖS (nach plus 312,6 Mio. im Jahr zuvor),
der Jahresfehlbetrag war 157,4 Mio. (nach einem Überschuß
von 253,7). Der konsolidierte Konzernumsatz ging auf 7,786
Mrd. ÖS (nach 8,700 Mrd. zuvor) zurück.

Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit der Lenzing
AG betrug 113,5 Mio. ÖS (nach 153,6 Mio.). Dies ist durch
1996 erzielte Einmalerlöse, u. a. aus dem Verkauf des Geschäftsbereiches High Performance Products sowie der 49 Prozent-Anteile an der Austria Faserwerke Ges.m.b.H. sowie
durch die Aktivierung von Anlaufkosten bei Lenzing Lyocell
möglich geworden. Der konsolidierte Umsatz der AG ging auf
5,5 Mrd. ÖS (nach 5,9 Mrd. ÖS im Jahr zuvor) zurück.
Deutlich niedrigeren Fasererlösen standen höhere Umsätze bei Lenzing Technik gegenüber. Weiters ist zu berücksichtigen,
daß 1995 noch Umsatzerlöse des Geschäftsbereiches Kunststoffmaschinen (Verkauf 1.7.1995) sowie die Umsätze des Geschäftsbereiches High Performance Products (Verkauf
31.3.1996) enthalten waren. Dies zusammen führte zu einem Umsatzrückgang der AG um rund 200 Mio. ÖS.

Aufgrund der anhaltend schwierigen Marktlage wird der
Vorstand der Hauptversammlung vorschlagen, für das
Geschäftsjahr 1996 keine Dividende auszuschütten.

TEXTILFASERMARKT

Die internationalen Textilfasermärkte litten 1996 unter
erheblichen Preisrückgängen und einem deutlichen Nachfragerückgang bei Viskosefasern. In Europa ging das Erlösniveau für Viskose-Normalfasern nominell auf das Niveau
des Jahres 1980 zurück. Der Welt-Viskosefaserverbrauch fiel
ersten Schätzungen zufolge 1996 gegenüber 1995 um über acht Prozent. Folgende Ursachen waren dafür verantwortlich:

  • Schwache End-Nachfrage bei Textilien in den westlichen Industrieländern,
  • erhebliche Überkapazitäten bei Synthese- und Viskosefasern,
  • ein mengenmäßig zufriedenstellendes Baumwollangebot bei durchschnittlichen Preisen.

Angesichts dieses dramatischen Preisverfalles bei
Viskosefasern mußten sogar extrem kostengünstig
produzierende asiatische Viskosefaserhersteller 1996
Verluste hinnehmen.

In den einzelnen Weltregionen und bei den
Produktionsgesellschaften der Lenzing-Gruppe waren im Faser
und Zellstoffbereich folgende Entwicklungen zu verzeichnen:

EUROPA:

Nach einem drastischen Preisrückgang im ersten Halbjahr 1996
waren gegen Jahresende erste Stabilisierungstendenzen
feststellbar. Dies war auf die Festigung des Dollars
gegenüber den europäischen Währungen zurückzuführen. Erste Preiserhöhungen konnten ab Jahresbeginn 1997 umgesetzt
werden.

Die Lenzing AG/Oberösterreich konnte durch intensives
Marketing die Kapazitäten bei Fasern und Zellstoff 1996
wieder voll ausfahren. Neben dem im Frühjahr 1996 sofort eingeleiteten Gemeinkosten-Einsparungsprogramm wurde Ende
Juni ein tiefgreifendes Effizienzsteigerungsprogramm
gestartet. Ziel ist, am Standort Lenzing
Kostenverbesserungen von über 500 Mio. ÖS zu realisieren.
Die Details dieses Programmes wurden im Jahresverlauf
ausgearbeitet. Neben internen Strukturverbesserungsvorhaben
wird dies auch einen Mitarbeiterabbau von rund 500 Stellen
zur Folge haben, wobei ein erheblicher Teil der
Personalreduktion im Angestelltenbereich erfolgen wird.
Erste Auswirkungen dieses Projektes werden 1997 sichtbar
werden, wenngleich sich infolge von Einmalaufwendungen für
die Restrukturierungen die finanziellen Auswirkungen erst ab
dem Geschäftsjahr 1998 deutlich zeigen werden.

ASIEN:

Auch der asiatische Textilfasermarkt ist von der weltweiten
Flaute 1996 voll erfaßt worden. Gewaltige Überkapazitäten im Synthesefaserbereich haben sich in Asien auf alle
Textilfasern besonders negativ ausgewirkt. Hinzu kamen im
ersten Halbjahr noch sehr hohe Zellstoffpreise, die allen nicht-integrierten Viskoseproduzenten in Asien erhebliche Ertragsprobleme bescherten.

Unsere Beteiligungsgesellschaft South Pacific Viscose (SPV)
in Indonesien mußte im ersten Halbjahr - erstmals in der Unternehmensgeschichte - einen kräftigen Verlust hinnehmen.
Ab Jahresmitte stabilisierte sich die Nachfrage, allerdings
auf unbefriedigendem Preisniveau. Sinkende Rohstoffpreise ermöglichten dann im zweiten Halbjahr wieder ein klar
positives Ergebnis; dennoch mußte im Gesamtjahr ein leichter Verlust verbucht werden. Der Bau der dritten
Produktionslinie konnte termin- und kostengerecht
abgeschlossen werden, die Inbetriebnahme erfolgte bei guten Qualitäts- und Mengenergebnissen zu Jahreswechsel 1997. Mit
einer Jahreskapazität von 110.000 Tonnen ist SPV nach
Lenzing die zweitgrößte Viskosefaserfabrik der Welt.

1996 betrug der konsolidierte Umsatz der SPV umgerechnet
1,37 Mrd. ÖS (nach zuletzt 1,50 Mrd. ÖS).

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