- 05.05.1997, 11:36:27
- /
- OTS0081
Schützt Österreichs Graslandschaften! WWF drängt die Landesbehörden zur Eile=
Wien (OTS) - Eine neue Studie des World Wide Fund For Nature (WWF)
bringt Dramatik in das langsame Vorgehen der Landesbehör- den in der
Nominierung unserer Europaschutzgebiete bei der EU (Natura 2000). Aus
der österreichischen Roten Liste der vom Aussterben bedrohten
Pflanzen haben die WWF-Wissenschafter 394 Arten identifiziert, die
nur durch die rasche Errichtung des Schutzgebietsnetzwerks Natura
2000 gerettet werden können. Die Hälfte, also fast 200 bedrohte
Pflanzenarten, wachsen und blü- hen in unseren Graslandschaften, wie
z.B. der Lungen-Enzian, das Edelweiß oder das Federgras. Der WWF
fordert daher die Lan- desregierungen auf, sich zum Schutz dieser
wertvollen Pflanzen zu bekennen und ihren Verpflichtungen endlich
nachzukommen. Gerald Dick vom WWF: "Wenn jetzt nicht gehandelt wird,
wäre das eine verlorene Chance für den Naturschutz!".
Die neue Studie des WWF-Forschungsinstitutes vergleicht erstmals
für Österreich die Rote Liste der gefährdeten Pflanzen mit den
Lebensräumen von europäischer Bedeutung, die in der
Flora-Fauna-Habitatrichtlinie (FFH) der Europäischen Union ver-
zeichnet sind. 394 gefährdete Pflanzen, so die Zählung der Stu- die,
könnten mit der neuen Richtlinie gerettet werden. Nach der
FFH-Richtlinie, zu der sich Österreich mit seinem Beitritt zur Union
verpflichtet hat, soll in jedem Land ein Netzwerk von Schutzgebieten
errichtet werden. Dieses Netzwerk trägt den Na- men Natura 2000.
Die österreichischen Landesregierungen, die zur Umsetzung dieses
für den Pflanzenschutz wichtigen Netzwerkes zuständig sind, scheinen
die Sache aber nicht besonders ernst zu nehmen: Anstatt eine
vollständige Liste aller schützenswerter Gebiete zu erarbeiten,
wurden lediglich bereits bestehende Schutzgebie- te nach Brüssel
gemeldet. Nun muß bis Mitte dieses Jahres nachnominiert werden: die
große Chance, noch rechtzeitig eine echte Gebietsauswahl zu treffen!
Die WWF-Studie bietet hierfür eine wichtige Grundlage.
Edelweiß, Enzian und Federgras -
Einwohner im "Land der Gräser"
Edelweiß, Lungenenzian und Federgras haben einiges gemein- sam:
sie sind selten, stark gefährdet und gedeihen in österrei- chischen
Graslandschaften. Das Edelweiß blüht in den sonnigen und steinigen
Rasen der Alpen. Der Lungen-Enzian hat es gern feucht: der sehr
selten gewordene Verwandte des berühmten Glocken-Enzians kommt in
Sumpfwiesen vor, wie z.B. in den Zitzmannsdorfer Wiesen des
Nationalparks Neusiedlersee - See- winkel. Das Federgras schmückt mit
seinen weißen, fiedrigen Grannen die Fels- und Rasensteppen des
pannonischen Raums. Das sind nur einige Beispiele jener fast 200
bedrohter Pflanzen, für die Österreich nicht nur das Land der Berge
und der Täler, sondern auch das "Land der Gräser" ist. Nur die
Bestimmung ih- rer Lebensräume als Natura 2000 Gebiete garantiert,
daß es in Zukunft keine weiteren ökologischen Verschlechterungen
geben wird.
Pflanzen können nicht weinen
WWF-Pflanzenschutzexperte Dr. Gerald Dick: "Die zuständi- gen
Behörden, die heuer noch die vollständige Liste der zu schützenden
Gebiete in Brüssel vorlegen sollen, lassen sich Zeit! Wenn wir darauf
warten, daß erst eine EU-Beschwerde den Naturschutzgedanken nach
Österreich bringt, wird es zu spät sein. Pflanzen können nicht
weinen, darum wollen wir vom WWF die Verantwortlichen aufrütteln."
Heute wird die Studie an die Landesregierungen verschickt.
Anforderung der Studie "Österreichische Liste Gefährdeter
Pflanzenarten in Lebensräumen von Europäischer Bedeutung" sowie
weitere Informationen:
Rückfragehinweis: WWF Österreich,Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Katharina Seifert, Tel.: 01/489 16 41 DW 31
ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | WWF/OTS






