Schützt Österreichs Graslandschaften! WWF drängt die Landesbehörden zur Eile

Wien (OTS) - Eine neue Studie des World Wide Fund For Nature (WWF) bringt Dramatik in das langsame Vorgehen der Landesbehör- den in der Nominierung unserer Europaschutzgebiete bei der EU (Natura 2000). Aus der österreichischen Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Pflanzen haben die WWF-Wissenschafter 394 Arten identifiziert, die nur durch die rasche Errichtung des Schutzgebietsnetzwerks Natura 2000 gerettet werden können. Die Hälfte, also fast 200 bedrohte Pflanzenarten, wachsen und blü- hen in unseren Graslandschaften, wie z.B. der Lungen-Enzian, das Edelweiß oder das Federgras. Der WWF fordert daher die Lan- desregierungen auf, sich zum Schutz dieser wertvollen Pflanzen zu bekennen und ihren Verpflichtungen endlich nachzukommen. Gerald Dick vom WWF: "Wenn jetzt nicht gehandelt wird, wäre das eine verlorene Chance für den Naturschutz!".

Die neue Studie des WWF-Forschungsinstitutes vergleicht erstmals für Österreich die Rote Liste der gefährdeten Pflanzen mit den Lebensräumen von europäischer Bedeutung, die in der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie (FFH) der Europäischen Union ver-zeichnet sind. 394 gefährdete Pflanzen, so die Zählung der Stu- die, könnten mit der neuen Richtlinie gerettet werden. Nach der FFH-Richtlinie, zu der sich Österreich mit seinem Beitritt zur Union verpflichtet hat, soll in jedem Land ein Netzwerk von Schutzgebieten errichtet werden. Dieses Netzwerk trägt den Na- men Natura 2000.

Die österreichischen Landesregierungen, die zur Umsetzung dieses für den Pflanzenschutz wichtigen Netzwerkes zuständig sind, scheinen die Sache aber nicht besonders ernst zu nehmen: Anstatt eine vollständige Liste aller schützenswerter Gebiete zu erarbeiten, wurden lediglich bereits bestehende Schutzgebie- te nach Brüssel gemeldet. Nun muß bis Mitte dieses Jahres nachnominiert werden: die große Chance, noch rechtzeitig eine echte Gebietsauswahl zu treffen! Die WWF-Studie bietet hierfür eine wichtige Grundlage.

Edelweiß, Enzian und Federgras -

Einwohner im "Land der Gräser"

Edelweiß, Lungenenzian und Federgras haben einiges gemein- sam:
sie sind selten, stark gefährdet und gedeihen in österrei- chischen Graslandschaften. Das Edelweiß blüht in den sonnigen und steinigen Rasen der Alpen. Der Lungen-Enzian hat es gern feucht: der sehr selten gewordene Verwandte des berühmten Glocken-Enzians kommt in Sumpfwiesen vor, wie z.B. in den Zitzmannsdorfer Wiesen des Nationalparks Neusiedlersee - See- winkel. Das Federgras schmückt mit seinen weißen, fiedrigen Grannen die Fels- und Rasensteppen des pannonischen Raums. Das sind nur einige Beispiele jener fast 200 bedrohter Pflanzen, für die Österreich nicht nur das Land der Berge und der Täler, sondern auch das "Land der Gräser" ist. Nur die Bestimmung ih- rer Lebensräume als Natura 2000 Gebiete garantiert, daß es in Zukunft keine weiteren ökologischen Verschlechterungen geben wird.

Pflanzen können nicht weinen

WWF-Pflanzenschutzexperte Dr. Gerald Dick: "Die zuständi- gen Behörden, die heuer noch die vollständige Liste der zu schützenden Gebiete in Brüssel vorlegen sollen, lassen sich Zeit! Wenn wir darauf warten, daß erst eine EU-Beschwerde den Naturschutzgedanken nach Österreich bringt, wird es zu spät sein. Pflanzen können nicht weinen, darum wollen wir vom WWF die Verantwortlichen aufrütteln." Heute wird die Studie an die Landesregierungen verschickt.

Anforderung der Studie "Österreichische Liste Gefährdeter Pflanzenarten in Lebensräumen von Europäischer Bedeutung" sowie weitere Informationen:

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Mag. Katharina Seifert, Tel.: 01/489 16 41 DW 31

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