Generali Foundation: Ausstellung Gordon Matta-Clark vor Eröffnung

Reorganizing Structure By Drawing Through It - Zeichnung bei Gordon Matta-Clark von 7. Mai bis 10. August 1997

Wien (OTS) - Die Generali Foundation bereitet die erste
umfangreiche Ausstellung über das innovative zeichnerische Werk
des amerikanischen Künstlers Gordon Matta-Clark (1943-1978 New York) vor. Es werden etwa 600 Werke präsentiert, praktisch das komplette Oeuvre. "Zeichnung2 als Kategorie wird dabei entsprechend den Intentionen des Künstlers gefaßt und schließt neben autonomen Zeichnungen, die sogenannten Schnitt-Zeichnungen, Entwürfe für Projekte sowie Arbeiten, die sich mit Graffiti beschäftigen, ein.****

Die Generali Foundation hat erstmalig ein komplettes Werkverzeichnis sämtlicher Arbeiten dieses Bereiches erstellt, die auch großteils in einer zur Ausstellung erscheinenden Publikation abgebildet sind. Texte von Pamela M. Lee (Ass. Prof. Stanford University, Dissertation über Matta-Clark) und Peter Fend (Künstler, Recherche für Matta-Clark). Dt./engl., 1997, 250 S., ca. 740 Farb-und s/w- Abbildungen.

Filme und Videos von Gordon Matta-Clark:
Schikaneder Kino, Freitag, 23.5. und Samstag, 24.5.1997.

Ausstellungsgespräche:
Jane Crawford, Sabine Breitwieser, Helmut Richter, Peter Fend

Gordon Matta-Clark, Sohn des surrealistischen Malers Roberto Matta, hat an der Cornell Universität (Ithaca, New York) bei Peter Eisenman, Architektur studiert. Der Künstler ist durch seine "Cuttings", Transformationen an Gebäuden mittels Schnitten bzw. Extraktionen von Gebäudeteilen, ein Begriff geworden. Der Arbeitsprozeß selbst, die Begehung der "geöffneten" Gebäude durch das Publikum und die damit verbundenen Gefahrenmomente waren integrierter Bestandteil seines Werkes. Die Vielfalt und Außergewöhnlichkeit sowie die große Anzahl von Zeichnungen wurde erst nach dem Tod Matta-Clarks bekannt. In den Retrospektiven 1986 (Museum of Contemporary Art/Chicago, weitere Stationen in USA und Europa) und 1992 (IVAM/Valencia, weitere Stationen in Europa) konnten diese leider nur im Überblick vorgestellt werden.

Ausgehend von seinen ökologischen Anliegen und dem Einfluß der Land Art Bewegung hat sich Gordon Matta-Clark in seinen ersten Zeichnungen beinahe obsessiv mit Bäumen und deren Energie auseinandergesetzt. Diese Phase ist eng verknüpft mit den alchimistischen Projekten aus organischem Material in der ersten Zeit in New York (1969-71). Aus den Bäumen entwickelte Matta-Clark Piktographien, löste diese auf in abstrakte Strukturen, die an urbane Situationen erinnern, in Kalligraphien, Pfeile sowie Zeichnungen, die sich mit Energie und Bewegung beschäftigen. Die von den Surrealisten eingeführte Methode des automatischen Zeichnens oder Schreibens findet sich in den Zeichnungen Matta-Clarks in einer der Choreographie verwandten Form wieder. Matta-Clark galt als exzeptioneller Tänzer und hat u. a. mit Robert Wilson gearbeitet.

Mit den sogenannten "cut drawings", beginnend 1972, hat Matta-Clark den Schnitt als zeichnerisch-skulpturale Technik eingeführt. "Eine Art zu zeichnen, so wie man Skulpturen macht." (Zitat Matta-Clark) Die ersten "cut drawings sind relativ grob und wurden direkt, d. h. ohne Vorzeichnung mit dem Bleistift, angefertigt. Später wurden die Schnitt-Zeichnungen immer komplexer, sich überschneidende Kreisformen mit ausgesparten Flächen zwischen den Linien. Einige dieser Arbeiten beziehen sich auf konkrete Projekte mit Gebäuden.

Die Zeichnung wurde von Matta-Clark auch als sozialer Kommunikationsfaktor in der Stadt erkannt. Matta-Clark hat sich relativ früh mit Graffiti auseinander-gesetzt und sie in seine eigene Arbeit mit einbezogen. Als ausgebildeter Architekt hat Matta-Clark seine großen Projekte über die Zeichnung geplant. Meist hat er eine Vielzahl von Entwürfen angefertigt, bevor er sich entscheiden konnte. "Ein einfacher Schnitt oder eine Serie von Schnitten fungieren als kraftvolle Zeichnung und re-definieren räumliche Situationen und strukturelle Einheiten", statuiert der Künstler anläßlich eines seiner großen Projekte "office Baroque" (1977) in Antwerpen. Einige der interessantesten Zeichnungen sind die sogenannten "Wolkenbügel", Entwürfe für "Ballongebäude", die im letzten Jahr vor dem frühen Tod Matta-Clarks entstanden sind. Matta-Clark wollte eine Architektur schaffen, in deren Zentrum der menschliche Körper stehen sollte.

Die Printmedien werden vom österreichischen Künstler Mathias Poledna gestaltet.

Die Generali Foundation setzt sich wiederholt mit dem Werk von Gordon Matta-Clark auseinander. 1996 wurden in Zusammenarbeit
mit dem Trust die Filme restauriert und für die Sammlung der Generali Foundation erworben. Darüber hinaus befinden sich weitere Schlüsselwerke in der Sammlung, die zum Teil auf der diesjährigen documenta X zu sehen sein werden.

Ausstellungszeiten:
Di, Mi, Fr 11-18, Do 11-20, Sa, So, feiertags 11-16 Uhr
Termine für Führungen auf Anfrage
Eintritt: regulär öS 60, ermäßigt öS 40

Studienraum: Archiv, Bibliothek, Datenbank
Di 14-18, Mi 10-14, Do 14-20 Uhr
Anmeldung erbeten (Andrea Überbacher: Tel. 504 98 80-15)

Die Generali Foundation ist ein Kunstverein der EA-Generali Versicherung mit Sitz in Wien und hat sich die Förderung zeitgenössischer Kunst zum Ziel gesetzt. Mitglieder sind die EA-Generali AG, Erste Allgemeine Versicherungs-AG, Generali Allgemeine Lebensversicherungs AG und Generali Rückversicherung AG.

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