Vom Leid des Ziruswolfes

Österreichischer National-Circus umgeht Zirkusrichtlinien

Wien (OTS) - Vergangenes Jahr stellte die Wiener Umweltanwaltschaft in Zusammenarbeit mit einem Experten-Komitee die "Richtlinien für die Haltung von Wildtieren in Zirkusunternehmen" vor. Darin kommt klar zum Ausdruck, daß die Haltung zahlreicher Wildtiere wie Elefant, Nashorn, Bär oder Großkatzen im Zirkus als tierquälerisch anzusehen ist. Nun fand er österreichische National-Circus Louis Knie eine Lücke in den Richtlinien und führt ungeniert einen Wolf mit, eine Tierart, die bisher nicht aufgelistet ist. Daher setzt sich das Tierhilfswerk Austria (THWA) für die ehest mögliche Aufnahme des Wolfes in die Zirkusrichtlinien ein.

1996 veröffentlichte die Wiener Umweltanwaltschaft einen Expertenbericht für die Haltung von Wildtieren im Zirkus. Diese Richtlinien haben zwar keinen verbindlichen Charakter, stellen aber ein in Europa einzigartiges Instrumentarium für die Behörden dar, gegen Tierquälerei im Zirkus einzuschreiten. Schon in der Einleitung der "Zirkusrichtlinien" gehen folgende Punkte klar hervor:

-) daß viele Zirkusunternehmen Tierarten halten, die für Zirkusdarbietungen "absolut ungeeignet" sind

-) daß viel Tierarten gehalten werden, für die der häufige Transport eine so hochgradige Beunruhigung darstellt, daß es als "tierquälerisch" zu werten ist

-) daß Wildtiere gehalten werden, die vom Aussterben bedroht sind.

Der Wolf erfüllt alle drei Punkte klar. Wölfe sind sehr bewegungsfreudige Tiere mit starkem Sozialverhalten und einer natürlichen Scheu vor Menschen. Der Transport im Gitterwagen, der minimale Auslauf im Zwinger und der ständige Blickkontakt mit den Zirkusbesuchern setzen die Tiere enormen Streß aus. Längerfristig entwickeln die Wölfe dadurch stereotype, krankhafte Verhaltensweisen.

Dazu Mag. Alexander Willer, Wolfsreferent des THWA: "Es ist schlicht absurd, daß der Wolf in Österreich in freier Wildbahn ganzjährig geschützt, im Zirkus jedoch der Willkür der Betreuer ausgesetzt ist. Der österreichische National-Circus Louis Knie betreibt mit seiner Art der Wolfshaltung schlimmste Tiequälerei. Da helfen auch kinderwirksame Publicitygags mit Clowns und Elefanten nicht darüber hinweg. Das THWA wird sich dafür einsetzen, daß der Wolf zum ehest möglichen Zeitpunkt in die Zirkusrichtlinien aufgenommen wird, damit zumindest Mindeststandards für seine Haltung bestehen. Längerfristig muß es zu einem expliziten Haltungsverbot für Wölfe im Zirkus kommen."

Dr. Karin Büchl-Krammerstätter, Juristin der Wiener Umweltanwaltschaft: "Daß der Wolf noch nicht den Zirkusrichtlinien aufgelistet ist, liegt daran, daß seine Spezies bisher nicht als typisches Zirkustier - wie etwa Elefant oder Bär - in Erscheinung trat. Hätten wir gewußt, daß Wölfe zur Zirkusmodeerscheinung werden, wäre dem vorgebeugt worden."

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Alexander Willer, Christian Janatsch (THWA)
Dr. Karin Büchl-Krammerstätter
Wr. Umweltanwaltschaft
Tel.: 0222/727-04

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF/OTS