- 02.04.1997, 09:01:07
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- OTS0019
Richtige Ernährung lernen - schon in frühester Jugend
Soziales Umfeld beeinflußt Ernährungsverhalten von Kindern
Wien (OTS) - "Kind, iß dein Gemüse!" - "Mama, ich mag aber lieber
noch eine Portion Pommes Frites." Gespräche dieser Art hat wohl jede
Mutter irgendwann einmal schon mit ihrem Kind geführt. Und sicher hat
jede Mutter auch schon einmal resigniert nachgegeben und wider
besseres Wissen Pommes Frites auf den Tisch gebracht. Kinder mögen
kein Gemüse, das ist eine unumstößliche Tatsache. Oder doch nicht?
Eine kürzlich in Deutschland durchgeführte Studie über
Lieblingsspeisen von Kindergartenkindern und über die Einflüsse auf
ihre Ernähungsvorlieben hat ergeben, daß das soziale Umfeld
wesentlich für die Entwicklung dieser Vorlieben verantwortlich ist.
Kinder lieben stärkehaltige Beilagen am meisten. Kartoffeln in
jeder Form, Nudeln, Nockerln und Reis essen sie am liebsten. An
zweiter Stelle auf der Beliebtheitsskala rangieren die Hautpspeisen,
hier wurde die Pizza am häufigsten genannt, gefolgt von Currywurst
und Hühnerkeulen. Weniger als die Hälfte der Kinder ißt gerne Gemüse.
Wenn überhaupt, dann Cremespinat, Karotten oder Erbsen.
Kinder bevorzugen also Speisen, die sie gut kennen und die einfach
gegessen werden können, am liebsten mit der Hand oder dem Löffel.
Doch diese Lieblingsspeisen sind nicht "von Natur" aus vorgegeben.
Das Ernährungsverhalten wird geprägt, am stärksten von der Mutter und
der Bezugsperson, z.B. der Kindergartentante. Vorbilder sind also
wichtig, Eltern sollten sich bemühen, nicht das berühmte Wasser zu
predigen und selbst Wein zu trinken, sondern selbst eine gesunde
Ernährung vorleben. Mit dem Kindergarten sollten diese Präferenzen
abgestimmt werden, damit sich die Gemeinschaftsverpflegung nicht
kontraproduktiv auf das erwünschte Ernährungsverhalten auswirkt.
Auffallend waren in dieser Studie auch die Unterschiede, die sich
in verschieden sozialen Schichten ergeben haben. Kinder, die aus
einem finanziell besser gestelltem Haus kamen, gaben öfter an, gerne
Gemüse zu essen als beispielsweise Kinder aus Arbeiterfamilien. In
Haushalten mit geringerem Einkommen werden öfter Kartoffeln oder
Nudeln auf den Tisch gebracht. Das liegt daran, daß es wesentlich
billiger ist, Kinder mit stärkehältigen Nahrungsmitteln satt zu
bekommen als mit Gemüse.
Wichtig für die gesunde Ernährung eines Kindes ist also das
richtige Verhalten seiner Umwelt. Kinder ahmen gerne nach - positives
Verhalten ebenso wie negatives. Deshalb ist eine gesunde Ernährung
der Bezugspersonen der erste Schritt. Außerdem essen Kinder am
liebsten Dinge, die sie gut kennen. Also häufig Gemüse, Obst und
Salat auf den Tisch bringen, damit dem Kind diese Dinge nicht
exotisch erscheinen.
Wichtig ist es auch, Toleranz anderen Kulturen gegenüber zu
vermitteln. Kindergärten, in denen ein hoher Anteil nicht
österreichischer Kinder betreut wird, können zu interkulturellem
Lernen genutzt werden. Essen aus anderen Ländern wird vertraut,
Kinder lernen, daß für sie bisher fremdartige Speisen ebenfalls gut
schmecken. Vor allem die mediterrane Küche ist sehr gesund und kann
im Kindergarten spielerisch nahegebracht werden.
Tips zum Thema gibt die Broschüre "Richtig Essen und Trinken vom
Anfang an", die von interessierten Verbrauchern, gegen Einsendung von
öS 15,-- in Briefmarken, beim Forum Ernährung Heute, Postfach 50,
1037 Wien, - angefordert werden kann.
Rückfragehinweis: Forum Ernährung Heute
Robert Dissmann
Tel.: 712 33 44
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