- 27.03.1997, 12:51:25
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Keine Gewalt am Karpfenteich - WWF weist Forderung nach Fischotterabschüssen entschieden zurück!=
Wien (OTS) - Nach dem Kormoran soll demnächst auf Wunsch der
oberösterreichischen Fischer auch der Fischotter auf die
Abschußliste. Der Fischotter ist ein stark gefährdetes Tier und in
Oberösterreich bis auf die Population im Mühlviertel bereits
ausgerottet. Geregelt ist der Schutz bisher nur durch Schonung im
Jagdgesetz. Damit nicht nur Fischer und Jäger über den Erhalt der Art
entscheiden, fordert der World Wide Fund For Nature (WWF) aus diesem
Anlaß eine sofortige Aufnahme des Otters in das Naturschutzgesetz.
Der WWF setzt sich für eine gewaltfreie Problemlösung im Konflikt
Fischer-Fischfresser ein.
Mühlviertler Fischer aus dem Bezirk Freistadt haben bei der
Bezirkshauptmannschaft einen Abschußantrag für Fischotter eingebracht
- und das, obwohl in der Stellungnahme des Landesfischereirates unter
Hofrat Karl Wögerbauer der Fischotter angeblich kein neues Feindbild
der Fischer ist. Wenn es im Mühlviertel zu Abschüssen kommen sollte,
verlieren die Fischer endgültig ihre Glaubwürdigkeit,
Artenschutzfragen an unseren Gewässern ernst zu nehmen.
Mag. Micheala Bodner, Fischotterexpertin des WWF, stellt fest:
"Der Fischotter ist laut Flora Fauna Habitatrichtlinie der EU, die
auch für Österreich rechtsverbindliche Grundlage ist, streng
geschützt. In Oberösterreich kommt er derzeit nur im Mühlviertel vor,
im übrigen Bundesland gilt er noch immer als ausgerottet. Der Otter
ist bisher nur im Jagdgesetz geregelt und dort ganzjährig geschont.
Der WWF fordert daher eine sofortige Aufnahme dieser gefährdeten Art
ins Naturschutzgesetz. Fischer und Jäger sollen nicht allein über
Fischotterabschüsse entscheiden!"
Der WWF befürchtet, daß die oberösterreichischen Fischer
demnächst auch Jagd auf Gänsesäger, Eisvogel, Haubentaucher und
jegliche sonstige Fischfresser machen wollen. Jetzt steht innerhalb
der oberösterreichischen Fischer die Entscheidung an: Setzt sich eine
uneinsichtig agierende Gruppe, die Zwangsabschüsse geschützter Arten
mit Problemlösung verwechselt, oder aber die vernünftigen Ansichten
zum Fischotterproblem innerhalb des Landesfischereiverbandes durch?
Der WWF hat im Rahmen eines mehrjährigen Projektes
schadensvorbeugende Maßnahmen entwickelt und getestet: Bei
Fischverlusten an Teichen mit hohem Besatz haben sich in
Niederösterreich Elektrozäune bewährt. Sie bieten einen sicheren
Schutz vor Fischverlusten. Als weitere Maßnahmen sind denkbar: Eine
Verlegung des Wasserzuflusses unter die Wasserlinie, wodurch das
Zufrieren des Teiches im Winter erleichtert und dem Otter das
Eindringen in den Teich erschwert wird, sowie die Einrichtung von
Ablenkteichen.
Rückfragehinweis: WWF Österreich, Öffentlichkeitsarbeit:
Mag. Katharina Seifert,
Tel.: 489 16 41 DW 31
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