Liberalisierung der E-Wirtschaft

Price Waterhouse-Umfrage zeigt, daß die österreichischen Stromgroßverbraucher eine Einschränkung des Wettbewerbs durch die Einführung des Single-Buyer-Modells befürchten.

Wien (OTS) - Ende 1996 wurde die EU-Direktive zur Einführung von Wettbewerb im europäischen US$ 175 Mrd. Strommarkt beschlossen. Im Juli 1996 führte Price Waterhouse eine erste Umfrage unter 400 Top-Führungskräften bei den größten Stromversorgungsunternehmen in elf Ländern der EU, darunter auch in Österreich, durch. Eine zweite, im Jänner 1997 von Price Waterhouse durchgeführte Umfrage erfaßt über 300 der größten Stromverbraucher in Österreich, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande und Spanien.

41% der siebzehn befragten Stromverbraucher in Österreich sind der Meinung, daß die neue EU-Direktive im Hinblick auf die Schaffung von Wettbewerb im Strommarkt nicht weit genug geht - eine Meinung, die von keinem der österreichischen Stromversorgungsunternehmen geteilt wird.

Folgerichtig erwarten auch nur 29% der befragten österreichischen Stromverbraucher starken Wettbewerb durch das Inkrafttreten der EU-Direktive. Die österreichischen Stromverversorgungsunternehmen befürchten dagegen zu 83% starken Wettbewerb - eine Befürchtung, die deren europäische Mitbewerber nur halb so oft geäußert haben.

In Österreich werden die heimischen Stromversorgungsunternehmen von beiden Seiten als die primären, künftigen Konkurrenten betrachtet. Ausländische Stromversorgungsunternehmen und unabhängige Stromerzeuger folgen mit einigem Abstand.

83% der österreichischen Stromversorgungsunternehmen erwarten, daß das Single-Buyer-Modell, welches vom französischen Strommonopolisten Électricité de France zur Verhinderung des freien Zugangs zu seinen Stromnetzen (Third Party Access) erfunden wurde, auch in Österreich eingeführt wird. Auch 53% der österreichischen Stromgroßverbraucher befürchten, daß der österreichische Gesetzgeber dem Vorschlag der Stromversorgungsunternehmen folgen wird. Denn 65% der österreichischen Verbraucher sind auch der Meinung, daß das Single-Buyer-Modell den Wettbewerb beschränken wird.

Anbieter und Nachfrager von Strom sind sich überall einig, daß die EU-Direktive zu einem Sinken der Strompreise für Großabnehmer führen wird und daß die jeweiligen Strompreise ausschlaggebend für die Wahl des Lieferanten sein werden. Zusammen mit ihren Kollegen aus Holland und Italien werden sich die österreichischen Stromgroßverbraucher ihren Stromlieferanten in zweiter Linie aber auch unter dem Gesichtspunkt der Versorgungssicherheit auswählen.

Wie gut sind die Stromversorgungsunternehmen auf die Liberalisierung vorbereitet?

Die Stromversorgungsunternehmen glauben von sich selbst, daß 50% gut und nur 17% schlecht vorbereitet sind. Die Stromgroßverbraucher dagegen glauben, daß nur 18% der Stromversorgungsunternehmen gut, hingegen 41% schlecht auf den Wettbewerb vorbereitet sind. Erst 1999, mit dem Inkrafttreten der EU-Direktive wird sich zeigen, wessen Einschätzung die richtige war.

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Price Waterhouse AG
Thomas Goldmann
Tel.: 501 88-450

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