• 11.03.1997, 11:05:38
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  • OTS0063

Starthilfe für Export-Einsteiger

Elektronische Geschäftskontaktbörse für bessere Kommunikation Unterstützung bei 'Clustering' und Ausschreibungs-Teilnahmen

Wien (PWK) - Der von der Wirtschaftskammer Österreich nominierte
Projektmanager, Dr. Karl-Heinz Dernoscheg, konkretisiert seine
Vorschläge zur österreichischen Exportoffensive. "Mit einer Art
'elektronischer Geschäftskontaktbörse', die über ein internes
Datennetzwerk mit einem Fenster zum Internet installiert werden
könnte, wäre eine ständige Transparenz über Export-Angebote und -
Nachfragen gewährleistet", schlug Dernoscheg heute, Dienstag, bei
einer Pressekonferenz im Haus der Wirtschaft vor. ****

Generell mangle es der österreichischen Exportwirtschaft an
Informationsfluß und Kooperation zwischen den einzelnen Unternehmen.
Eine enge Zusammenführung von Außenhandels-Know-how und Produkt-Know-
how in einer internationalen, elektronischen Kontaktbörse würde die
Zusammenarbeit der Unternehmen erleichtern und das Exportgeschäft
nachhaltig beleben. Die Kosten für ein derartiges Unterfangen schätzt
Dernoscheg auf rund 30 Millionen Schilling pro Land. "50 Prozent
könnten durch EU-Gelder finanziert werden, den Rest müßten sich die
öffentliche Hand und die Betriebe aufteilen, wobei die Unternehmen
beim Einstieg besonders gefördert werden sollten", erklärte
Dernoscheg.

Vorangetrieben müsse auch die Idee der 'Clusterbildung' werden und
zwar für Großbetriebe gleichermaßen wie für Klein- und Mittelbetriebe
(KMUs). "Hier würde sich die Errichtung von Auslands-Büros, also
direkt bei den Kunden vor Ort, anbieten", meint der Exportmanager.
"Fünf bis sechs KMUs, die sich in ihren Produkten bzw.
Dienstleistungen ergänzen, könnten beispielsweise ein Büro in
Hongkong errichten und ihrem Kunden so als 'ein' Ansprechpartner für
die verschiedensten Belange zur Verfügung stehen. Vielversprechend
anzuwenden sei dieses Konzept auf sehr differenzierte Bereiche wie
Umwelt oder Kulinarisches. Auch hier müßte den exportfreudigen
Unternehmen vom Bund ein Startgeld mitgegeben werden, das sich
jährlich verringern könnte, bis sich die Unternehmen z.B. ab dem
vierten Jahr selbst finanzieren könnten, schlägt Dernoscheg vor. Die
'Hemmschwelle', sich allein in die große Welt aufzumachen, wäre so
geringer.

Groß sei die Überwindung bei Unternehmen auch oftmals, sich an EU-
Ausschreibungen zu beteiligen und Unmengen von Bürokratie erledigen
zu müssen, berichtet Dernoscheg, der selbst ein Exportunternehmen
leitet. In Mailand und London gäbe es dafür eigene 'procurement
agencies', Agenturen, die Informationen über Firmen sammeln und im
Stande sind Auftragsprojekte realitätsnah zu beurteilen, um dann die
in Frage kommenden Firmen bzw. Projekte herauszufiltern. "So eine
Agentur in Österreich zu haben wäre eine große Erleichterung für die
heimischen Unternehmer und sehr interessant vor allem im Hinblick auf
Osteuropa", ist Dernoscheg überzeugt. Darüber hinaus gäbe es auch
budgetär keine Probleme, da sich diese Agenturen fast ausschließlich
aus Beraterhonoraren der Europäischen Kommission finanzieren.

Neben Steigerung der Kommunikationsleistung - zu der natürlich
auch die intensive Nutzung der neuen Technologien, besonders der
Kommunikationstechnologien unabdingbar notwendig sei - und einer
Förderung der Kooperation müsse auch die Kompetenz der Unternehmer
weiter ausgebaut werden. "Die Ausbildung für das Exportgeschäft kann
ebenfalls wesentlich zu einem exportorientierteren Klima in der
heimischen Unternehmerlandschaft beitragen", ist sich Dernoscheg
sicher. Er fordere einen eigenen Ausbildungslehrgang 'Exportberater',
ähnlich jenem Lehrgang der Wirtschaftskammer, der zum
'Betriebsberater' qualifiziert. Österreich sei ein Land mit
ausgesprochen vielen Abschlüssen von Joint-Ventures und schreie
förmlich nach einem eigenen Joint-Ventures-Schulungsprogramm.

Ein gewisses Maß an 'Exportbewußtsein' sollte bereits in der
Mittelschule geschaffen werden, regt Dernoscheg an. "Und wenn schon
kein eigenes Unterrichtsfach dafür eingeführt wird, dann sollte
zumindest verstärkt auf das Erlernen von Fremdsprachen geachtet
werden, ohne die so manche Exportgeschäfte einfach nicht möglich
sind".
(Schluß) NE
Rückfragehinweis: Dr. Egon Winkler

Wirtschaftskammer Österreich
AW-Abteilung
Tel. 50105 DW 4311

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