• 17.02.1997, 09:56:15
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  • OTS0036

Nun auch Österreichs Bauern: Klares Nein zur Gentechnik in der heimischen Landwirtschaft.

Wien (OTS) - Im Auftrag von Greenpeace hat ÖKONSULT, das
unabhängige Institut für Umweltforschung und Management Consulting,
erforscht, wie die österreichischen Bauern zum Einsatz von Gentechnik
am Bauernhof stehen. An deren deutlicher Ablehnung gegenüber den
umstrittenen gentechnischen Veränderungen von Saatgut und
Futtermittel kann aufgrund der vorgelegten repräsentativen,
bundesweiten Umfrage kein Zweifel bestehen.

ÖKONSULT-Chef Joschi Schillhab betont: "Unser Institut hat als
Eigenforschungen im vergangenen Jahr drei österreichweite
Gentechnik-Umfragen bei heimischen KonsumentInnen durchgeführt.
Insgesamt haben wir 5.500 Personen einschlägig befragt. Mit der
nunmehr vorgestellten Auftragsstudie für Greenpeace - mit 671
interviewten Bäuerinnen und Bauern in ganz Österreich - verfügen wir
über umfangreichste Informationen über Meinungen und Einstellungen
der Bevölkerung zum strittigen Thema Gentechnik. Alle Arbeiten
belegen übereinstimmend und zweifelsfrei: Österreich lehnt mit
überaus deutlicher Mehrheit Gentechnik auf dem Speisezettel ab. "Wie
schon die bisherigen Konsumentenbefragungen, zeigt auch die
Bauernstudie ein immer noch bestehendes Informationsdefizit über
Vorteile und Gefahren von gentechnischen Manipulationen. Zehn Prozent
der befragten Landwirte fühlen sich bestens informiert, dagegen sagen
20 Prozent, sie würden über gar keine diesbezüglichen Informationen
verfügen. Anhand der sechsstufigen ÖKONSULT-Skala von "trifft voll
und ganz zu" bis "trifft überhaupt nicht zu" protokollieren 58
Prozent der Umfrageteilnehmer, daß sie keine oder zu wenig
Informationen zu Auswirkungen, Gefahren und Nutzen der Gentechnik
besitzen.

70 Prozent der bäuerlichen Bevölkerung sind der Ansicht, in
Österreich wären "in der Frage der gentechnischen Veränderung von
Lebensmitteln die Interessen der KonsumentInnen in Österreich" nicht
ausreichend geschützt und vertreten. Während 5 Prozent keinerlei
einschlägigen Mangel orten, beklagen 28 Prozent ein völliges Versagen
des Konsumentenschutzes in der Gentechnikfrage. Frauen beurteilen die
Situation signifikant kritischer als Männer. Daß die heimischen
Politiker "alles in ihrer Macht Stehende tun, um zu verhindern, daß
gentechnisch veränderte Lebensmittel auf die Tische der
KonsumentInnen" kommen, wird von 62 Prozent der Befragten verneint.
22 Prozent bestreiten dies sogar mit all dem Nachdruck, den die
sechsstufige Antwortskala ermöglicht. Demgegenüber sehen nur 7
Prozent einen vollen Einsatz unserer Politiker gegen Gentechnik.
Dabei scheint klar, was die bäuerliche Bevölkerung fordert. In
Übereinstimmung mit einer ähnlich großen Mehrheit der
gesamtösterreichischen Bevölkerung verlangen beachtenswerte 97
Prozent (!) die "uneingeschränkte Kennzeichnung aller gentechnisch
veränderten Lebensmittel".

Österreich solle "grundsätzlich Gentechnik-freie Zone bleiben und
auf Freisetzung oder den Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen,
Tiere oder Lebensmittel verzichten, fordern 85 Prozent der befragten
Landwirte. 65 Prozent fordern dies sogar mit besonderer
Entschlossenheit. Nur 7 Prozent sind strikt gegen ein
Gentechnik-freies Österreich. Folgerichtig verlangen nahezu
unglaubliche 94 Prozent der Bäuerinnen und Bauern die
unmißverständliche und deutliche Kennzeichnung von gentechnisch
verändertem "Futtermittel und Saatgut auf dem österreichischen
Markt". 2 Prozent lehnen eine derartige Kennzeichnung vehement ab,
wogegen 86 Prozent diese Produktdeklaration mit aller Entschiedenheit
einfordern. Österreichs Landwirte haben eine klare Forderung an
Anbieter und Produzenten von Saatgut und Futtermittel: "Deklariert
eure Ware. Dies ist kein Wunsch, sondern eine unumgängliche Forderung
der österreichischen Bauern", verdeutlicht ÖKONSULT-Chef Schillhab.

Daß die befragten Bauern keine Bedenken haben, wenn Anbieter von
Futtermittel herkömmlicher Soja Anteile von genveränderter Soja
zumengen, ohne dies ausdrücklich zu kennzeichen, stellen 80 Prozent
der interviewten Landwirte in Abrede. 61 Prozent weisen eine solche
Aussage sogar auf das Entschiedenste zurück. 4 Prozent finden an
einer derartigen Sojamischung rein gar nichts Anstößiges. Der Preis
von Futtermitteln ist naturgemäß ein bedeutendes Kaufargument. Daß er
"viel wichtiger als die Garantie der Gentechnik-Freiheit und
Naturbelassenheit" wäre, verneinen 68 Prozent der Bauern. 40 Prozent
tun dies mit aller möglichen Entschiedenheit der vorgegebenen
sechsstufigen Antwortskala. 10 Prozent bejahen die vorgelegte
Behauptung der völligen Preisdominanz.

"Für die Ertragssteigerung und Einkommenssicherung der
österreichischen Landwirtschaft halte ich die gentechnische
Verbesserung der bäuerlichen Produktion für sinnvoll und notwendig"
lautete ein bewußt besonders gentechnik-freundliches Statement des
Fragebogens, den ÖKONSULT den repräsentativ ausgewählten Bauern zur
Beurteilung vorgelegt hatte. 73 Prozent stellen die behauptete
Sinnhaftigkeit glatt in Abrede. 8 Prozent erklären sich als
Gentechnik-Freaks am Hof. Dagegen weisen 47 Prozent die vorgelegte
Aussage mit aller Entschiedenheit zurück. Institutsleiter Schillhab:
"Gentechnik am Bauernhof ist laut ÖKONSULT-Umfrage nicht erwünscht.
Das ist zur Kenntnis zu nehmen. Anbieter von Futtermittel,
Produzenten von Saatgut, aber auch die heimische Politik sollte in
dieser Frage nicht über die Bauern d'rüberfahren. Bauern in
Österreich haben ein Recht darauf, gehört und ernst genommen zu
werden." Gehört und ernst genommen fühlen sich die Bauern von ihrem
Ressortminister Molterer. Mit einer Mehrheit, die gerade in der
Gentechnikfrage deutlicher ausfallen könnte. Daß sich Molterer in
dieser Frage "glaubwürdig und überzeugend für Österreichs Bauern
einsetzt", bejahen 49 Prozent. 40 Prozent sind gegenteiliger
Auffassung. 11 Prozent wollten nicht Stellung beziehen. 65 Prozent
der befragten Landwirte stimmen zu, wenn der Fragebogen behauptet,
die Landwirtschaftskammer würde "vehement und glaubwürdig die
Interessen und Anliegen der Mehrheit der österreichischen Bauern" in
der Gentechnikfrage vertreten. 18 Prozent äußern diese Zustimmung
ohne den geringsten Vorbehalt. 30 Prozent fühlen sich von ihrer
Kammer in der Gensache mehr oder weniger allein gelassen.
"Landwirtschaftskammern und Agrarminister Molterer genießen Ansehen
und Vertrauen bei ihrer Klientel. Wenn die Bauern in Österreich
bezüglich Gentechnik in der Landwirtschft so ausgeprägte
Vorstellungen und Forderungen haben, wäre es politisch widersinnig,
das Vertrauensverhältnis zu belasten. Bauern haben eine besondere
Beziehung zu Natur und Natürlichkeit. Das hat auch Landwirt und
Minister Molterer immer betont. Er wird wissen, was die heimischen
Bauern von ihm erwarten", urteilt Kommunikationsexperte Schillhab.

'Ein "Ökoland Österreich" oder "Feinkostladen Europas" sind mit
Gentechnik am Bauernhof durchaus vereinbar' formuliert versöhnlich
der Fragebogentext von ÖKONSULT. 85 Prozent aller Bauern sind
gegenteiliger Meinung. 63 Prozent bezeichnen eine derartige Aussage
sogar als völligen Unsinn. 7 Prozent können sich eine Harmonie von
Gen, Öko und Bio bestens vorstellen. Frauen sind in dieser Frage noch
bedeutend sensibler als ihre Männer am Hof. Zusätzliche Marktchancen
in Europa aus dem Verzicht auf Gentechnik in der heimischen
Landwirtschaft erwarten 59 Prozent der befragten Bauern. 34 Prozent
hegen diese Hoffnung besonders ausgeprägt. Dem eingeleiteten
Volksbegehren gegen Gentechnik in Österreich in der Landwirtschaft
billigt die bäuerliche Mehrheit Notwendigkeit zu. 77 Prozent erklären
auf Befragen, sie würden das Volksbegehren sicher unterschreiben. 56
Prozent bekräftigen dies mit allem Nachdruck.

Rückfragehinweis: ÖKONSULT
Joschi Schillhab
Tel.: 02238/8570

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