Nun auch Österreichs Bauern: Klares Nein zur Gentechnik in der heimischen Landwirtschaft.

Wien (OTS) - Im Auftrag von Greenpeace hat ÖKONSULT, das unabhängige Institut für Umweltforschung und Management Consulting, erforscht, wie die österreichischen Bauern zum Einsatz von Gentechnik am Bauernhof stehen. An deren deutlicher Ablehnung gegenüber den umstrittenen gentechnischen Veränderungen von Saatgut und Futtermittel kann aufgrund der vorgelegten repräsentativen, bundesweiten Umfrage kein Zweifel bestehen.

ÖKONSULT-Chef Joschi Schillhab betont: "Unser Institut hat als Eigenforschungen im vergangenen Jahr drei österreichweite Gentechnik-Umfragen bei heimischen KonsumentInnen durchgeführt. Insgesamt haben wir 5.500 Personen einschlägig befragt. Mit der nunmehr vorgestellten Auftragsstudie für Greenpeace - mit 671 interviewten Bäuerinnen und Bauern in ganz Österreich - verfügen wir über umfangreichste Informationen über Meinungen und Einstellungen der Bevölkerung zum strittigen Thema Gentechnik. Alle Arbeiten belegen übereinstimmend und zweifelsfrei: Österreich lehnt mit überaus deutlicher Mehrheit Gentechnik auf dem Speisezettel ab. "Wie schon die bisherigen Konsumentenbefragungen, zeigt auch die Bauernstudie ein immer noch bestehendes Informationsdefizit über Vorteile und Gefahren von gentechnischen Manipulationen. Zehn Prozent der befragten Landwirte fühlen sich bestens informiert, dagegen sagen 20 Prozent, sie würden über gar keine diesbezüglichen Informationen verfügen. Anhand der sechsstufigen ÖKONSULT-Skala von "trifft voll und ganz zu" bis "trifft überhaupt nicht zu" protokollieren 58 Prozent der Umfrageteilnehmer, daß sie keine oder zu wenig Informationen zu Auswirkungen, Gefahren und Nutzen der Gentechnik besitzen.

70 Prozent der bäuerlichen Bevölkerung sind der Ansicht, in Österreich wären "in der Frage der gentechnischen Veränderung von Lebensmitteln die Interessen der KonsumentInnen in Österreich" nicht ausreichend geschützt und vertreten. Während 5 Prozent keinerlei einschlägigen Mangel orten, beklagen 28 Prozent ein völliges Versagen des Konsumentenschutzes in der Gentechnikfrage. Frauen beurteilen die Situation signifikant kritischer als Männer. Daß die heimischen Politiker "alles in ihrer Macht Stehende tun, um zu verhindern, daß gentechnisch veränderte Lebensmittel auf die Tische der KonsumentInnen" kommen, wird von 62 Prozent der Befragten verneint. 22 Prozent bestreiten dies sogar mit all dem Nachdruck, den die sechsstufige Antwortskala ermöglicht. Demgegenüber sehen nur 7 Prozent einen vollen Einsatz unserer Politiker gegen Gentechnik. Dabei scheint klar, was die bäuerliche Bevölkerung fordert. In Übereinstimmung mit einer ähnlich großen Mehrheit der gesamtösterreichischen Bevölkerung verlangen beachtenswerte 97 Prozent (!) die "uneingeschränkte Kennzeichnung aller gentechnisch veränderten Lebensmittel".

Österreich solle "grundsätzlich Gentechnik-freie Zone bleiben und auf Freisetzung oder den Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen, Tiere oder Lebensmittel verzichten, fordern 85 Prozent der befragten Landwirte. 65 Prozent fordern dies sogar mit besonderer Entschlossenheit. Nur 7 Prozent sind strikt gegen ein Gentechnik-freies Österreich. Folgerichtig verlangen nahezu unglaubliche 94 Prozent der Bäuerinnen und Bauern die unmißverständliche und deutliche Kennzeichnung von gentechnisch verändertem "Futtermittel und Saatgut auf dem österreichischen Markt". 2 Prozent lehnen eine derartige Kennzeichnung vehement ab, wogegen 86 Prozent diese Produktdeklaration mit aller Entschiedenheit einfordern. Österreichs Landwirte haben eine klare Forderung an Anbieter und Produzenten von Saatgut und Futtermittel: "Deklariert eure Ware. Dies ist kein Wunsch, sondern eine unumgängliche Forderung der österreichischen Bauern", verdeutlicht ÖKONSULT-Chef Schillhab.

Daß die befragten Bauern keine Bedenken haben, wenn Anbieter von Futtermittel herkömmlicher Soja Anteile von genveränderter Soja zumengen, ohne dies ausdrücklich zu kennzeichen, stellen 80 Prozent der interviewten Landwirte in Abrede. 61 Prozent weisen eine solche Aussage sogar auf das Entschiedenste zurück. 4 Prozent finden an einer derartigen Sojamischung rein gar nichts Anstößiges. Der Preis von Futtermitteln ist naturgemäß ein bedeutendes Kaufargument. Daß er "viel wichtiger als die Garantie der Gentechnik-Freiheit und Naturbelassenheit" wäre, verneinen 68 Prozent der Bauern. 40 Prozent tun dies mit aller möglichen Entschiedenheit der vorgegebenen sechsstufigen Antwortskala. 10 Prozent bejahen die vorgelegte Behauptung der völligen Preisdominanz.

"Für die Ertragssteigerung und Einkommenssicherung der österreichischen Landwirtschaft halte ich die gentechnische Verbesserung der bäuerlichen Produktion für sinnvoll und notwendig" lautete ein bewußt besonders gentechnik-freundliches Statement des Fragebogens, den ÖKONSULT den repräsentativ ausgewählten Bauern zur Beurteilung vorgelegt hatte. 73 Prozent stellen die behauptete Sinnhaftigkeit glatt in Abrede. 8 Prozent erklären sich als Gentechnik-Freaks am Hof. Dagegen weisen 47 Prozent die vorgelegte Aussage mit aller Entschiedenheit zurück. Institutsleiter Schillhab:
"Gentechnik am Bauernhof ist laut ÖKONSULT-Umfrage nicht erwünscht. Das ist zur Kenntnis zu nehmen. Anbieter von Futtermittel, Produzenten von Saatgut, aber auch die heimische Politik sollte in dieser Frage nicht über die Bauern d'rüberfahren. Bauern in Österreich haben ein Recht darauf, gehört und ernst genommen zu werden." Gehört und ernst genommen fühlen sich die Bauern von ihrem Ressortminister Molterer. Mit einer Mehrheit, die gerade in der Gentechnikfrage deutlicher ausfallen könnte. Daß sich Molterer in dieser Frage "glaubwürdig und überzeugend für Österreichs Bauern einsetzt", bejahen 49 Prozent. 40 Prozent sind gegenteiliger Auffassung. 11 Prozent wollten nicht Stellung beziehen. 65 Prozent der befragten Landwirte stimmen zu, wenn der Fragebogen behauptet, die Landwirtschaftskammer würde "vehement und glaubwürdig die Interessen und Anliegen der Mehrheit der österreichischen Bauern" in der Gentechnikfrage vertreten. 18 Prozent äußern diese Zustimmung ohne den geringsten Vorbehalt. 30 Prozent fühlen sich von ihrer Kammer in der Gensache mehr oder weniger allein gelassen. "Landwirtschaftskammern und Agrarminister Molterer genießen Ansehen und Vertrauen bei ihrer Klientel. Wenn die Bauern in Österreich bezüglich Gentechnik in der Landwirtschft so ausgeprägte Vorstellungen und Forderungen haben, wäre es politisch widersinnig, das Vertrauensverhältnis zu belasten. Bauern haben eine besondere Beziehung zu Natur und Natürlichkeit. Das hat auch Landwirt und Minister Molterer immer betont. Er wird wissen, was die heimischen Bauern von ihm erwarten", urteilt Kommunikationsexperte Schillhab.

'Ein "Ökoland Österreich" oder "Feinkostladen Europas" sind mit Gentechnik am Bauernhof durchaus vereinbar' formuliert versöhnlich der Fragebogentext von ÖKONSULT. 85 Prozent aller Bauern sind gegenteiliger Meinung. 63 Prozent bezeichnen eine derartige Aussage sogar als völligen Unsinn. 7 Prozent können sich eine Harmonie von Gen, Öko und Bio bestens vorstellen. Frauen sind in dieser Frage noch bedeutend sensibler als ihre Männer am Hof. Zusätzliche Marktchancen in Europa aus dem Verzicht auf Gentechnik in der heimischen Landwirtschaft erwarten 59 Prozent der befragten Bauern. 34 Prozent hegen diese Hoffnung besonders ausgeprägt. Dem eingeleiteten Volksbegehren gegen Gentechnik in Österreich in der Landwirtschaft billigt die bäuerliche Mehrheit Notwendigkeit zu. 77 Prozent erklären auf Befragen, sie würden das Volksbegehren sicher unterschreiben. 56 Prozent bekräftigen dies mit allem Nachdruck.

Rückfragen & Kontakt:

ÖKONSULT
Joschi Schillhab
Tel.: 02238/8570

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GKZ/OTS