• 23.10.2026, 11:18:04
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Pressemitteilung | Hausfrauenidylle mit politischer Botschaft: Studie untersucht, wie Tradwives auf Instagram Ideologie in Reels verpacken

Pressemitteilung | Hausfrauenidylle mit politischer Botschaft: Studie untersucht, wie Tradwives auf Instagram Ideologie in Reels verpacken

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Sanfte Musik, Blumenkleider, selbstgebackenes Brot und Kinder, die zufällig durch das Bild laufen: Tradwives bieten mit ihren Instagram-Reels scheinbar harmlose Einblicke in den Familienalltag. Eine Studie der Linguistinnen Kateryna Pilyarchuk (ehemals Universität Klagenfurt, jetzt Viadrina Universität Frankfurt/Oder) und Eva-Maria Graf (Universität Klagenfurt) zeigt: Hinter der Idylle steckt oft eine ideologische Botschaft.

Auf Instagram zeigen Tradwives (traditional wives) ihr Leben zwischen Kochen, Backen, Kinderbetreuung und Arbeit im Garten oder am Bauernhof einem Millionenpublikum. Die Bildsprache ist dabei sorgfältig gewählt: Sanfte Farben, warmes Licht, romantische Kleidung und ruhige Musik vermitteln ein Bild von Harmonie, Geborgenheit und einem vermeintlich einfacheren Leben. 

Die Sprachwissenschaftlerinnen Kateryna Pilyarchuk und Eva-Maria Graf fragten sich in ihrer jüngst veröffentlichten Studie: Wie viel Ideologie steckt in diesen Darstellungen? Für ihre qualitative Untersuchung mittels Reflexiver Thematischer Analyse sowie Multimodaler und Feministischer Kritischer Diskursanalyse untersuchten die Forscherinnen die Instagram-Auftritte elf nordamerikanischer Tradwife-Influencerinnen mit unterschiedlich großer Reichweite. Im Mittelpunkt standen dabei Reels, also kurze Videos, in denen Bilder, Sprache, Musik und eingeblendete Texte miteinander kombiniert werden. Kateryna Pilyarchuk und Eva-Maria Graf fokussierten sich in ihren Analysen auf die 60 letzten Reels aller elf Influencerinnen, die im Juni und Juli 2025 veröffentlicht wurden. Dabei interessierten sie sich insbesondere dafür, wie Authentizität hergestellt wird, welche Themen immer wieder auftauchen und wie traditionelle Geschlechterrollen angepriesen werden. 

Die Ergebnisse zeigen drei Ausprägungen von Tradwife-Auftritten: „Alles schön und eitel Wonne ist bei der vorwiegend ästhetischen Inszenierung, die ihren Fokus auf das Häusliche und das Kochen legt (aesthetic wifehood). Es werden kaum explizite politische Aussagen getroffen, aber es erfolgt eine implizite Normalisierung weiblicher Unterordnung in der Paarbeziehung. Davon hebt sich das Bild einer Häuslichkeit mit Mission (missionary domesticity) ab, die stärker religiöse und konservativ geprägte traditionelle Werte vermittelt. Am anderen Ende der Skala sehen wir auch offenen Aktivismus mit expliziten politischen Positionierungen (explicit metapolitics), die beispielsweise mit antifeministischen Botschaften oder Anti-Abtreibungsparolen verbunden sind“, erklärt Eva-Maria Graf zu den drei Typen. 

Tradwives seien, so der Befund der Autorinnen, keine homogene Gruppe, dennoch ließen sich wiederkehrende Themen in den Reels aufspüren, wie die Unterordnung der Ehefrau unter ihren Mann, Mutterschaft als zentrale weibliche Bestimmung, die Ablehnung beruflicher Karrieren für Frauen sowie Kritik am Feminismus. Hinzu kommen religiöse Argumentationen, Skepsis gegenüber medizinischen Erkenntnissen und teilweise verschwörungsideologische Inhalte. Dabei zeigen sich auch bemerkenswerte Widersprüche. So kritisieren zwar viele Tradwives die Erwerbstätigkeit von Frauen, sie sind aber gleichzeitig häufig in ihrer Rolle als Influencerinnen erfolgreiche Unternehmerinnen mit hinreichend Selbstmarketing.

Die Studie macht auch deutlich, wie gezielt Tradwife-Influencerinnen mit dem Eindruck von Authentizität arbeiten. Manche präsentieren sich scheinbar ungeschminkt und spontan, zeigen unaufgeräumte Küchen oder lassen ihre Kinder beiläufig durchs Bild laufen. Andere setzen auf perfekt choreografierte Familienautritte, aufwändige Kleidung und professionell gestaltete Videos. 

„Die Reels sind oft nur scheinbar unpolitisch“, fasst Eva-Maria Graf die Erkenntnisse zusammen. Die in warme Farben verpackten Geschichten des schönen Lebens als Hausfrau seien Teil einer größeren Bewegung der Re-Traditionalisierung und des Antifeminismus, die zunehmend auch offline wirke, etwa wenn Influencerinnen bei Anti-Abtreibungskundgebungen auftreten. 

Kateryna Pilyarchuk & Eva-Maria Graf (2026). From ‘I’ve Always Wanted to be a Homemaker’ to ‘Feminism is Cancer’: Performing tradwife identity in Instagram Reels, Discourse, Context and Media, https://doi.org/10.1016/j.dcm.2026.100995 (open access).

Rückfragen & Kontakt

Universität Klagenfurt | Institut für Anglistik und Amerikanistik
Assoc. Prof. Dr. Eva-Maria Graf
Telefon: +43 463 2700 2516, +49 176 800 32 719
E-Mail: [email protected]

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