- 30.07.2026, 09:00:37
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Pressemitteilung: Neues Projekt in Niederösterreich stärkt häusliche Palliativversorgung
PRESSEMITTEILUNG Projekt „KOMMUNIKATION mit Angehörigen“ stärkt häusliche Palliativversorgung in Niederösterreich Mödling, 30. Juli 2026 - Sechs spezialisierte Palliativteams in Niederösterreich starten die Pilotphase des Projekts „KOMMUNIKATION mit Angehörigen" (KOMMA). Ziel ist es, die Bedürfnisse pflegender und betreuender Angehöriger schwerkranker und sterbender Menschen erstmals systematisch und strukturiert zu erheben – als Grundlage für eine gezielte, gemeinsam entwickelte Unterstützung. Das Pilotprojekt wird unter der Leitung des Landes Niederösterreich gemeinsam mit dem Landesverband Hospiz NÖ (fachlich-inhaltliche Begleitung) und der UMIT Tirol (wissenschaftlich-inhaltliche Begleitung) und den unterschiedlichen Trägerorganisationen umgesetzt. Die praktische Umsetzung erfolgt durch die spezialisierten Palliativteams in Niederösterreich.
Sehr geehrte Damen und Herren, Liebe Medienvertreterinnen und Medienvertreter,
viele Menschen wünschen sich, ihre letzte Lebensphase in der vertrauten Umgebung ihres Zuhauses zu verbringen. Ob dieser Wunsch erfüllt werden kann, hängt wesentlich von jenen Menschen ab, die tagtäglich Verantwortung übernehmen: den pflegenden und betreuenden Angehörigen.
„Mit dem Start des Projekts „KOMMUNIKATION mit Angehörigen“ wird in Niederösterreich ein wichtiger Schritt zur nachhaltigen Stärkung der Angehörigenarbeit und der häuslichen Palliativversorgung im Bundesland gesetzt", so Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister.
Angehörige tragen die Hauptlast der Betreuung
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen seit vielen Jahren, dass Angehörige den größten Teil der Betreuung schwerkranker und sterbender Menschen übernehmen. Sie führen pflegerische Tätigkeiten aus, koordinieren medizinische und therapeutische Leistungen, treffen weitreichende Entscheidungen, organisieren den Alltag und begleiten ihre nahestehenden Menschen emotional bis zum Lebensende. Diese Aufgaben gehen häufig mit erheblichen körperlichen, psychischen, sozialen und finanziellen Belastungen einher.
Auch in Österreich werden rund 80 Prozent aller pflege- und betreuungsbedürftigen Menschen überwiegend im häuslichen Umfeld versorgt – den größten Teil davon leisten Angehörige. Der Niederösterreichische Sozialbericht (2024) nennt den demografischen Wandel, die steigende Zahl hochbetagter Menschen und den wachsenden Bedarf an Langzeit- und Palliativversorgung als zentrale Herausforderungen der kommenden Jahre. Eine nachhaltige Versorgung ist daher untrennbar mit einer gezielten Unterstützung pflegender Angehöriger verbunden.
Evidenzbasierter Ansatz aus der internationalen Palliativforschung
Pflegende Angehörige stellen ihre eigenen Bedürfnisse häufig hinter jene der erkrankten Person zurück. Psychosoziale, emotionale und eigene gesundheitliche Belastungen bleiben dadurch oft unerkannt und verdeckt, wenn sie nicht aktiv erhoben und angesprochen werden. Genau hier setzt das Carer Support Needs Assessment Tool Intervention (CSNAT-I) an: eine evidenzbasierte Erhebungsmethode, die den Unterstützungsbedarf von Angehörigen strukturiert erfasst und gemeinsam mit ihnen priorisiert. Studienergebnisse aus Großbritannien, Dänemark und weiteren Ländern zeigen, dass dieser personenzentrierte Ansatz individuelle Unterstützungsbedarfe besser sichtbar macht, die Handlungssicherheit und Selbstwirksamkeit pflegender Angehöriger stärkt und die häusliche Versorgung stabilisiert (Ewing, Austin & Grande, 2016; Lund et al., 2022; Philip & Morgan, 2025).
Der für den deutschsprachigen Raum adaptierte und erprobte KOMMA-Ansatz baut auf diesem international etablierten Modell auf. Im Mittelpunkt stehen nicht nur die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten, sondern gleichermaßen jene der betreuenden Angehörigen. Die systematische Erhebung ihrer Bedürfnisse bildet den Ausgangspunkt für eine gemeinsame Unterstützungsplanung und fördert eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Familien und den multiprofessionellen Palliativteams.
Positive Erfahrungen aus der Implementierungsforschung
Evaluationen zur Implementierung des KOMMA-Ansatzes von Kreyer und Pleschberger (2024) ergeben, dass die strukturierte Angehörigenberatung die Qualität der Angehörigenarbeit nachhaltig verbessert. Mitarbeitende berichteten von einer stärkeren Orientierung an den individuellen Bedürfnissen der Angehörigen, einer bewussteren Gesprächsführung sowie einer gezielteren Planung von Unterstützungsmaßnahmen. Die Evaluation zeigt zugleich: Eine erfolgreiche Umsetzung braucht neben Schulungen auch organisatorische Veränderungen und einen Kulturwandel hin zu einer konsequent familienorientierten Versorgung.
„Der KOMMA-Ansatz rückt die Bedürfnisse pflegender Angehöriger dort ins Zentrum, wo sie hingehören – gleichberechtigt neben jenen der Patientinnen und Patienten. Damit setzen wir in Niederösterreich einen wichtigen Schritt hin zu einer wirklich familienorientierten Palliativversorgung", so Petra Kozisnik, BSc, Geschäftsführerin Landesverband Hospiz Niederösterreich.
Pilotphase mit sechs Palliativteams, landesweite Einführung ab 2027 geplant
Sechs spezialisierte Palliativteams in Waidhofen/Ybbs, Gmünd, Krems, Tulln, Baden und Neunkirchen erproben nun in einer ersten Phase die Anwendung des Einschätzungsbogens im Versorgungsalltag. Die Pilotphase wird wissenschaftlich durch die UMIT Tirol begleitet und evaluiert, um Erfahrungen aus der Praxis zu gewinnen und den Implementierungsprozess weiterzuentwickeln.
Auf Basis dieser Ergebnisse ist ab 2027 die schrittweise Einführung des KOMMA-Ansatzes in allen spezialisierten Palliativteams Niederösterreichs vorgesehen. So fließen die Erkenntnisse aus der Pilotierung unmittelbar in die landesweite Umsetzung ein und ermöglichen eine nachhaltige Qualitätsentwicklung der Angehörigenarbeit.
Ziel: Angehörige stärken, häusliche Versorgung sichern
Ziel des Projekts ist es, Angehörige frühzeitig in ihrer oft hoch belastenden Rolle zu begleiten, ihre individuellen Ressourcen zu stärken und gemeinsam mit ihnen bedarfsgerechte Unterstützungsangebote zu entwickeln. Damit leistet KOMMA einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der häuslichen Versorgung am Lebensende und zur Weiterentwicklung einer evidenzbasierten, familienorientierten Hospiz- und Palliativversorgung in Niederösterreich.
Die Pilotimplementierung unterstreicht den Anspruch Niederösterreichs, wissenschaftliche Erkenntnisse der internationalen Palliativforschung konsequent in die Versorgungspraxis zu übertragen. Mit der Implementierung des KOMMA-Ansatzes wird die Grundlage geschaffen, Angehörigenberatung und Familienorientierung künftig flächendeckend und nach einheitlichen Qualitätsstandards in der spezialisierten Palliativversorgung im privaten Wohnumfeld zu verankern.
Über den Landesverband Hospiz NÖ: Der Landesverband Hospiz NÖ wurde 2001 als gemeinnütziger Verein mit Sitz in Mödling gegründet. Als Dachorganisation ist der Landesverband Hospiz NÖ mit allen Hospiz- und Palliative Care Angeboten und Initiativen in Niederösterreich eng verbunden und fungiert als Botschafter für einen guten und würdevollen Umgang mit dem Leben und dem Sterben. Kernkompetenzen sind die kontinuierliche Qualitätsentwicklung in der niederösterreichischen Hospiz- und Palliativversorgung sowie die Sensibilisierung der Öffentlichkeit und Gesundheitsversorgung für Hospiz und Palliative Care.
Wesentlich ist es, sicherzustellen, dass alle Menschen – unabhängig von sozioökonomischem Hintergrund – Zugang zu qualitativ hochwertiger Hospiz- und Palliative Care bekommen.
Sterben betrifft uns alle. Sprechen wir darüber. Weitere Informationen: www.hospiz-noe.at
Bei weiteren Fragen, stehe ich Ihnen jederzeit sehr gerne zur Verfügung!
Beste Grüße
Eva Nahrgang
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Mag. Eva Nahrgang
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