• 09.03.2026, 08:00:59
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ASCII & WIFO-Studie: Neue US-Zölle schwächen Österreichs Industrie – vor allem durch indirekte Abhängigkeiten

Neue US-Zölle schwächen Österreichs Industrie – vor allem durch indirekte Abhängigkeiten - Drohender Rückgang der Wirtschaftsleistung in Österreich um -0,11 % : Besonders betroffen sind vorleistungsintensive Industrien – allen voran Bergbau (-0,58 %), Chemie (-0,51 %), Metallerzeugnisse (-0,30 % ) sowie Gummi- und Kunststoffwaren (-0,21 %). - Indirekte Effekte dominieren: Nicht der direkte US-Handel, sondern die sinkende Nachfrage in Europa verursacht den Großteil der negativen Auswirkungen. - EU-weit droht stärkerer Rückgang um -0,26 %: In mehreren industriell geprägten Mitgliedstaaten fallen die Verluste voraussichtlich höher aus als in Österreich. - Resilienz stärken: Die Ergebnisse verdeutlichen die hohe europäische Verflechtung und die Notwendigkeit robusterer, diversifizierter Wertschöpfungsketten.

Wien, am 9. März 2026 – Die im Februar 2026 neu verhängten pauschalen US-Zölle von 10 Prozent auf Waren aus der EU könnten laut neuen Modellrechnungen des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII) und des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) zu einem spürbaren, wenn auch moderaten, Rückgang der Wertschöpfung in Europa und Österreich führen. Für Österreich könnte sich demnach ein Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung um rund -0,11 % ergeben - gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Der direkte Effekt, also der Rückgang der Exporte in die USA, fällt dabei vergleichsweise gering aus. Der überwiegende Teil der Verluste entsteht indirekt über europäische Produktionsnetzwerke und die geringere Nachfrage wichtiger Handelspartner innerhalb der EU.

„Österreich ist nur begrenzt direkt vom US-Markt abhängig. Entscheidend ist jedoch die enge Einbindung in europäische Wertschöpfungsketten. Wenn große EU-Volkswirtschaften ihre Produktion drosseln, trifft das österreichische Zulieferbetriebe unmittelbar“, erklärt Asjad Naqvi, Forscher am ASCII und Senior Economist am WIFO. „Damit wird deutlich, wie stark sich Handelskonflikte über Europas eng verflochtene Produktionsnetzwerke systemweit auswirken.“

Österreichs Industrie besonders stark betroffen

Die wirtschaftlichen Verluste könnten je nach Industriezweig unterschiedlich stark ausfallen. Besonders betroffen sind vorleistungsintensive und international eng verflochtene Industrien. Zu den Sektoren mit den größten zu erwartenden Rückgängen zählen der Bergbau und die Rohstoffgewinnung (-0,58 %), die Herstellung von chemischen Erzeugnissen (-0,51 %), die Metallerzeugung und -bearbeitung (-0,30 %) sowie die Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren (-0,21 %). Auch sonstige nicht-metallische Mineralerzeugnisse (-0,20 %) und die Textilindustrie (-0,21 %) könnten deutliche Einbußen verzeichnen. Der Maschinenbau zeigt mit -0,01 % nur einen sehr geringen Rückgang, während weitere industrielle Kernbereiche wie sonstige Warenherstellungen (-0,14 %) und der Transportsektor (-0,14 %) moderat betroffen sind. Im Vergleich zu rohstoff- und grundstoffnahen Sektoren fallen diese Effekte jedoch deutlich geringer aus. In fast allen Branchen entstehen die größten Verluste über europäische Lieferketten – nicht durch direkt sinkende Exporte in die USA. Der negative Gesamteffekt wird daher vor allem durch indirekte Nachfrage- und Vorleistungseffekte bestimmt.

„Gerade in stark verflochtenen Industrien wirken sich selbst kleine Nachfragerückgänge in großen EU-Ländern überproportional auf österreichische Zulieferer aus“, betont Klaus Friesenbichler, stellvertretender Direktor des ASCII.

Wirtschaftseinbußen in der EU belasten Österreich indirekt

Im EU-Durchschnitt könnte sich ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um rund -0,26 % ergeben. Größere Volkswirtschaften mit starker industrieller Basis wie Deutschland (-0,13 %), Italien (-0,13 %) und Frankreich (-0,14 %) könnten spürbare Einbußen verzeichnen. Österreich liegt mit -0,11 % unter dem EU-Durchschnitt, ist jedoch aufgrund seiner engen Einbindung in zentraleuropäische Produktionsnetzwerke strukturell besonders exponiert. Produktionsrückgänge in Deutschland und Italien wirken sich besonders stark aus, da diese Länder zu den wichtigsten Abnehmern österreichischer Vorleistungen zählen. Die Modellrechnungen zeigen, dass die negativen Effekte in der EU primär über indirekte Nachfrage- und Lieferkettenkanäle wirken. Steigende Preise und sinkende Realeinkommen dämpfen die Nachfrage zusätzlich und verstärken damit die Produktionsrückgänge entlang der europäischen Wertschöpfungsketten.

Resilienz stärken

Die Studie empfiehlt, die Widerstandsfähigkeit der österreichischen und europäischen Wirtschaft gezielt zu erhöhen. Dazu zählt eine breitere Diversifizierung der Exportmärkte, um die Abhängigkeit von einzelnen Handelspartnern zu reduzieren. Darüber hinaus sollte die Stabilität und Anpassungsfähigkeit europäischer Wertschöpfungsnetzwerke gestärkt werden, insbesondere in vorleistungsintensiven Schlüsselindustrien. Weiters braucht es eine gezielte Unterstützung zur Erneuerung besonders betroffener Industriesegmente, etwa durch Innovationsförderung, Investitionen in technologische Modernisierung und strategische Standortpolitik. Schließlich ist eine koordinierte europäische Industrie- und Handelspolitik erforderlich, um die Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz im Binnenmarkt gemeinsam zu sichern.

„Handelskonflikte wirken heute weniger bilateral, sondern systemisch über Produktionsnetzwerke. Eine vorwärtsgewandte, europäische Industriepolitik ist daher zentral, um solche Schocks künftig besser abzufedern“, schließt Friesenbichler.

 


 

Bildmaterial: entnehmen Sie bitte aus dem Dokument im Anhang

Über die Studie

Die Studie basiert auf dem ASCII-WIFO-WAVE-Modell (Welfare and Value-Added Elasticities), das Nachfrageschätzungen (QUAIDS) mit einer Multi-Region-Input-Output-Analyse (MRIO) kombiniert, um die kurz- bis mittelfristigen Auswirkungen wirtschaftlicher Schocks abzubilden. Dieses Modell ermöglicht es, sowohl direkte als auch indirekte Effekte von Zollmaßnahmen auf Produktion, Wertschöpfung und Wohlstand präzise zu quantifizieren. Die Studie wird laufend aktualisiert, sobald neue Handelsdaten und politische Entwicklungen verfügbar sind. 

Über das Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII)

Das Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII) ist ein unabhängiges, weltweit führendes Lieferketteninstitut für interdisziplinäre, datengetriebene Analysen globaler Produktions- und Logistiknetzwerke – mit dem Ziel, resiliente, nachhaltige und zukunftsfähige Lieferketten zu gestalten. Das Institut wurde als Forschungs-Joint Venture vom Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) gemeinsam mit dem Complexity Science Hub (CSH), dem Logistikum der Fachhochschule Oberösterreich und dem Verein Netzwerk Logistik (VNL) gegründet. www.ascii.ac.at

 

Wissenschaftlicher Kontakt: Asjad Naqvi, Forscher am ASCII und Senior Economist am WIFO, [email protected], +43 1 798 26 01 - 222

Rückfragen & Kontakt

Presse | Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII)

E-Mail: [email protected]
Telefon: +43 664 25 41 320

Metternichgasse 8, 1030 Wien

www.ascii.ac.at

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