• 08.03.2026, 10:22:06
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Pressemitteilung zum Internationalen Frauentag: Gender Gap schließen: Weibliche Palliativpatientinnen im Fokus

PRESSEMITTEILUNG Gender Gap schließen: Weibliche Palliativpatientinnen im Fokus Mödling, 8. März 2026: Anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März macht der Landesverband Hospiz Niederösterreich auf bestehende geschlechterspezifische Unterschiede in der medizinischen und pflegerischen Versorgung aufmerksam – insbesondere im Bereich der Palliativmedizin beim Schmerzmanagement.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Medienvertreterinnen und Medienvertreter,

Frauen leiden nachweislich häufiger an chronischen Schmerzen als Männer. Die Studienlage zeigt, dass Frauen nicht nur öfter, sondern auch intensiver und länger anhaltend Schmerzen erleben. Gleichzeitig werden ihre Beschwerden im medizinischen Alltag häufig relativiert oder vorschnell psychosomatischen Ursachen zugeschrieben. Dieser sogenannte Gender Gap in der gesundheitlichen Versorgung hat weitreichende Folgen – auch in der Hospiz- und Palliativversorgung, in der eine wirksame und individuell angepasste Schmerz- und Symptomtherapie zentral für Lebensqualität und Würde am Lebensende ist.  „Gerade in Hospiz und Palliative Care geht es darum, Leid umfassend zu lindern - körperlich, psychisch, sozial und spirituell. Dafür müssen geschlechterspezifische Unterschiede ernst genommen und sowohl in der Praxis als auch in der Forschung konsequent berücksichtigt werden“, betont Petra Kozisnik, BSc, Geschäftsführerin vom Landesverband Hospiz NÖ.

Ein wesentlicher Grund für diese Ungleichheit liegt in der historischen Entwicklung der medizinischen Forschung. Über viele Jahrzehnte hinweg wurden klinische Studien überwiegend mit männlichen Probanden durchgeführt, wodurch geschlechterspezifische Unterschiede in der Wirkung von Medikamenten oder in der Schmerzverarbeitung zu wenig berücksichtigt wurden. Dabei ist wissenschaftlich belegt, dass Frauen Schmerzen teilweise anders wahrnehmen, andere Symptome entwickeln und sogar Medikamente anders verstoffwechseln als Männer. Wird dies in Diagnostik und Therapie nicht ausreichend einbezogen, kann es zu falschen Dosierungen, unzureichender Schmerz- und Symptomlinderung oder verspäteten Behandlungen kommen.

Frauen tragen viel

Neben den medizinischen Faktoren wirken auch gesellschaftliche Strukturen auf die Versorgungssituation von Frauen. Frauen übernehmen im Laufe ihres Lebens nach wie vor den überwiegenden Anteil an unbezahlter care- und Sorgearbeit und betreuen häufig über viele Jahre hinweg Angehörige. Diese gesellschaftlich unverzichtbare Leistung bleibt oft wenig sichtbar und wirkt sich langfristig auf Erwerbsbiografien, Einkommen und Absicherung aus. Am Lebensende stehen Frauen daher nicht selten vor der Situation, über geringere finanzielle Ressourcen und ein kleineres soziales Unterstützungsnetz zu verfügen. Da Frauen statistisch länger leben als Männer, erleben sie zudem häufiger den Verlust ihres Partners und müssen ihre letzte Lebensphase ohne eine partnerschaftliche Unterstützung bewältigen. Auch diese sozialen Rahmenbedingungen beeinflussen die Versorgungssituation und müssen in der Hospiz- und Palliativarbeit mitgedacht werden. 

Mit dem Projekt KOMMA – Kommunikation mit Angehörigen werden die Bedürfnisse und Belastungen stärker in den Blick genommen. Da ein großer Teil dieser Sorgearbeit von Frauen geleistet wird, trägt das Projekt dazu bei, ihre Perspektiven in der palliativen Versorgung besser zu berücksichtigen. Die Umsetzung des Projekts startet in den niederösterreichischen Palliativteam im September 2026 und soll 2027 flächendeckend ausgerollt werden. 

Der Internationale Frauentag, der auf Initiativen der deutschen Frauenrechtlerin Clara Zetkin zurückgeht und 1910 bei einer internationalen Frauenkonferenz in Kopenhagen angeregt wurde, steht weltweit für Gleichstellung und das Sichtbarmachen struktureller Benachteiligungen. Für den Landesverband Hospiz Niederösterreich ist dieser Tag Anlass, auf Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung aufmerksam zu machen. 

Der Landesverband Hospiz Niederösterreich fordert daher eine konsequent geschlechtersensible Forschung in der Schmerz- und Palliativmedizin, verbindliche geschlechterspezifische Datenauswertung in klinischen Studien, eine verstärkte Sensibilisierung von Gesundheitsberufen für geschlechterbezogene Unterschiede in der Symptomwahrnehmung und -behandlung. Darüber hinaus braucht es stabile soziale Rahmenbedingungen für einen kontinuierlichen Ausbau wohnortnaher Hospiz- und Palliativangebote, um Menschen in den unterschiedlichen Lebenssituationen am Lebensende bestmöglich zu unterstützen.

„Eine würdevolle und gerechte Gesundheitsversorgung und Begleitung am Lebensende darf nicht vom Geschlecht abhängen. Frauen tragen in unserer Gesellschaft wesentlich zum sozialen Zusammenhalt bei, auch durch ihr langjähriges Engagement in der Sorgearbeit. Umso wichtiger ist es, dass sie im Gesundheitssystem eine Versorgung erhalten, die ihre spezifischen Bedürfnisse ernst nimmt. Der Internationale Frauentag erinnert uns daran, dass Gleichstellung auch in Hospiz und Palliative Care verwirklicht werden muss“, so Petra Kozisnik.

 

Über den Landesverband Hospiz NÖ: Der Landesverband Hospiz NÖ wurde 2001 als gemeinnütziger Verein mit Sitz in Mödling gegründet. Als Dachorganisation ist der Landesverband Hospiz NÖ mit allen Hospiz- und Palliative Care Angeboten und Initiativen in Niederösterreich eng verbunden und fungiert als Botschafter für einen guten und würdevollen Umgang mit dem Leben und dem Sterben. Kernkompetenzen sind die kontinuierliche Qualitätsentwicklung in der niederösterreichischen Hospiz- und Palliativversorgung sowie die Sensibilisierung der Öffentlichkeit und Gesundheitsversorgung für Hospiz und Palliative Care.

Wesentlich ist es, sicherzustellen, dass alle Menschen – unabhängig von sozioökonomischem Hintergrund – Zugang zu qualitativ hochwertiger Hospiz- und Palliative Care bekommen. 

Sterben betrifft uns alle. Sprechen wir darüber. Weitere Informationen: www.hospiz-noe.at

 

Bei weiteren Fragen, stehe ich Ihnen jederzeit sehr gerne zur Verfügung!

 

Beste Grüße

Eva Nahrgang 

Rückfragen & Kontakt

Public Relations Atelier
Mag. Eva Nahrgang
Telefon: 06645348400
E-Mail: [email protected]

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