- 04.03.2026, 08:05:21
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Pressemitteilung | Der Traum vom ganz neuen Leben: Buch über Lotteriefantasien wird in Utrecht präsentiert
Pressemitteilung | Der Traum vom ganz neuen Leben: Buch über Lotteriefantasien wird in Utrecht präsentiert
Was wäre, wenn morgen plötzlich alles anders wäre? Wenn ein einziger Gewinn das eigene Leben komplett auf den Kopf stellen würde? Genau dieser Traum vom radikalen Neuanfang stand am Anfang eines internationalen Forschungsprojekts, an dem Angela Fabris in den vergangenen vier Jahren gemeinsam mit norwegischen, niederländischen, deutschen, britischen und amerikanischen Literatur-, Geschichts- und Medienwissenschaftler:innen gearbeitet hat. Das Ergebnis ist der Sammelband „Lottery Fantasies, Follies, and Controversies“, der am Freitag, den 6. März, am Utrecht University Centre for Early Modern Studies vorgestellt wird. Großzügig gefördert wurde das Projekt vom Norwegian Research Council.
„Die Lotterie liefert uns eine der stärksten Fantasien überhaupt“, sagt Angela Fabris, assoziierte Professorin am Institut für Romanistik der Universität Klagenfurt und Mitherausgeberin des Buches. „Wir alle kennen dieses Gedankenspiel: Was würde ich mit dem Gewinn machen? Wie würde sich mein Leben von heute auf morgen verändern? Die Lotterie lädt uns ein zu träumen – und groß zu träumen!“
Doch hinter diesem Traum steckt mehr als nur die Hoffnung auf Reichtum. Gemeinsam mit internationalen Kolleg:innen hat Fabris untersucht, wie sich die Lotterie in Europa entwickelte – und wie die Sehnsucht nach dem großen Gewinn ihren Weg in Literatur, Theater, Film und Popkultur fand.
Ein Blick ins 18. Jahrhundert zeigt, wie eng Glücksspiel und gesellschaftlicher Wandel miteinander verbunden waren: „Zum ersten Mal wurde sozialer Aufstieg möglich. Man war nicht mehr zwangsläufig dazu bestimmt, arm zu bleiben“, erklärt Fabris. Auch Giacomo Casanova trug dazu bei, das Glücksspiel von Italien ausgehend in Europa – insbesondere in Paris – populär zu machen.
Besonders faszinierend ist eine Anekdote aus Genua: Dort war das Glücksspiel mit politischen Wahlen verknüpft. 120 Adelige traten an – und man konnte auf einzelne Kandidaten wetten. Gewann der Favorit, gewann auch der oder die Spielende. Und es gab sogar eine soziale Variante: Hinter jedem Adligen und seiner Zahl stand ein junges Mädchen ohne ausreichende Mitgift. Wurde „ihr“ Kandidat gewählt, erhielt sie die finanzielle Grundlage für ihre Hochzeit. Glücksspiel, Politik und Sozialhilfe – alles in einem System vereint.
Auch wirtschaftlich hatte die Lotterie enorme Wirkung: Als 1734 in Venedig die staatliche Lotterie eingeführt wurde, eröffneten innerhalb von nur drei Jahren 37 neue Geschäfte. „Das Glücksspiel kurbelte auch das Unternehmertum an“, betont Fabris. Zwar verlieren die meisten – doch einige wenige konnten ihre Träume tatsächlich in die Realität umsetzen.
Gleichzeitig umweht das Glücksspiel stets ein Hauch des Verbotenen. „Hier zeigt sich eine gewisse Doppelmoral – sowohl bei Kirche als auch Staat“, so Fabris. Während die katholische Kirche vor dem Spielen warnte, organisierte sie selbst Lotterien zur Finanzierung wohltätiger Zwecke – und auch eigener Projekte. Und auch Staaten bewegen sich in diesem Spannungsfeld: In Norwegen etwa gibt es eine staatliche Lotterie – und zugleich öffentliche Programme gegen Spielsucht.
In ihrem Vortrag in Utrecht nähert sich Fabris dem Thema aus der Perspektive des „homo ludens“, inspiriert vom Kulturhistoriker Johan Huizinga: „Wer spielt, betritt einen magischen Zirkel. Genau so funktionieren auch Casinos – für einige Stunden blendet man den Alltag aus. Problematisch wird es erst, wenn man diesen Kreis nicht mehr verlassen kann oder will.“
Mit der Buchpräsentation endet das gemeinsame Forschungsprojekt – doch für Angela Fabris öffnen sich bereits neue Türen. Unter anderem wirkt sie nun in der Jury der Benetton-Stiftung mit, die einen Preis für junge Forscher:innen vergibt, die sich in ihren Arbeiten mit dem Glücksspiel beschäftigen.
Johanne Slettvoll Kristiansen, Marius Warholm Haugen und Angela Fabris (2026). Lottery Fantasies, Follies, and Controversies. A Cultural History of European Lotteries. Berlin: de Gruyter.
Rückfragen & Kontakt
Universität Klagenfurt | Institut für Romanistik
Assoc.-Prof. Dr. Angela Fabris
Telefon: +43 463 2700 2426
E-Mail: [email protected]
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