- 23.11.2023, 11:48:31
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„Universum History“ erzählt das Nibelungenlied neu – als ersten deutschen „Frauenroman“ des Mittelalters
„Das Nibelungenlied – Kampf der Königinnen“ am 24. November um 22.35 Uhr in ORF 2
Utl.: „Das Nibelungenlied – Kampf der Königinnen“ am 24. November um
22.35 Uhr in ORF 2 =
Wien (OTS) - Das Nibelungenlied: Ein Heldenepos aus dem Mittelalter,
geschrieben zu Beginn des 13. Jahrhunderts auf Mittelhochdeutsch,
Autor oder Autorin sind unbekannt. Im 19. und 20. Jahrhundert gilt es
als Nationalepos der Deutschen, und Protagonist Siegfried, der
Drachentöter, gilt als deutscher Nationalheld. In der „Universum
History“-Neuproduktion „Das Nibelungenlied – Kampf der Königinnen“
von Alexander Hogh und Saskia Weisheit (ORF-Bearbeitung: Judith
Brandner) wird die alte Geschichte neu erzählt: das Nibelungenlied
als der erste deutsche „Frauenroman“ des Mittelalters – mit einer
selbstbewussten Königin namens Kriemhild als Hauptfigur. Ihre
Geschichte steht im Mittelpunkt. Der Film dokumentiert am Freitag,
dem 24. November 2023, um 22.35 Uhr in ORF 2 die Schlüsselszenen des
Nibelungenliedes und geht den historischen Hintergründen und der
Rolle der Frau im Mittelalter nach.
Hintergrund für das Nibelungenlied ist die Nibelungensage, die alle
Zutaten eines guten Fantasy-Stücks besitzt: Heldentaten, einen
Drachen, Liebe, Mord, Rache und Intrigen. Wie sehr das Epos auf
Kriemhild bezogen ist, belegt ein Manuskript aus dem 16. Jahrhundert,
das die Überschrift trägt: „Dies ist Kriemhilds Buch“. Die Doku
zeigt, dass der Drache, der Schatz und die Schwertkämpfe nur
Randerscheinungen der Geschichte sind. Im Mittelpunkt steht vielmehr
die Auseinandersetzung der Geschlechter und der Kampf der Frauen um
Anerkennung in einer von Männern dominierten Gesellschaft.
In den adeligen Kreisen des Mittelalters dreht sich alles um Ehre,
Rang und Ansehen. Attribute, die in dieser Zeit meist mit der Waffe
in der Hand verteidigt werden. Frauen werden zum Spielball männlicher
Ambitionen und Pläne. Der Kern der Nibelungensage reicht zwar bis in
die Zeit der „Völkerwanderung“ in der Spätantike zurück, der Text
spiegelt jedoch seine Entstehungszeit im Hochmittelalter wider. Ohne
zu moralisieren, hält der unbekannte Autor des Epos dem adeligen
Publikum einen Spiegel vor und macht deutlich, wie problematisch der
Ehrenkodex der Zeit ist, der schnell zu Mord und Totschlag führen
kann. Die weiblichen Protagonistinnen des Textes – neben Kriemhild
spielt Brünhild eine wichtige Rolle – werden von den Männern
instrumentalisiert und getäuscht und zu Opfern männlicher Gewalt.
Kriemhild wandelt sich zur Rächerin, die vom Wunsch nach unbedingter
Vergeltung besessen ist.
„Universum History“ erzählt in opulenten Spielszenen die
Schlüsselszenen des Nibelungenliedes und geht der Frage nach, welche
historischen Wahrheiten sich hinter den Akteuren und ihren Handlungen
verbergen. Wissenschafter und Wissenschafterinnen unterschiedlicher
Disziplinen beleuchten Hintergründe, decken Zusammenhänge auf und
führen in den faszinierenden Kosmos des höfischen Adels. Historische
Dokumente wie der „Sachsenspiegel“ stellen den Zusammenhang zum
Rechtsverständnis der Zeit her. Entstanden ist „Das Nibelungenlied“
in einer Epoche des Wandels – von der Rache zum Recht, von der
Willkür zum Gesetz, von der Frauenverachtung zur erstmaligen
Hochschätzung von Frauen im Zuge des neuen Minne-Ideals.
Der Film bietet einen neuen Zugang zu dem klassischen Stoff: Nicht
der Drachentöter Siegfried ist der Held, sondern seine Ehefrau und
Rächerin Kriemhild spielt die Hauptrolle. Es ist ihre Geschichte –
mit der sich zugleich eine neue Perspektive auf die Welt des
Mittelalters eröffnet.
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