Presserat präsentiert Jahresbericht und Fallstatistik für 2016

Wien (OTS) -

Fallstatistik 2016

Der Presserat zog bei seiner Jahrespressekonferenz Bilanz für das Jahr 2016.

Die Senate des Presserats behandelten im Vorjahr insgesamt 307 Fälle, in 33 Fällen stellten sie Verstöße gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse fest. 9 Ethikverstöße wurden als geringfügig eingestuft und daher bloß Hinweise ausgesprochen. Zum Verglich: 2015 gab es bei 253 Fällen 44 Ethikverstöße (davon 9 Hinweise). Im Vergleich zum Vorjahr ist die Fallzahl um 20 Prozent gestiegen.

Nachfolgend die Fallzahlen 2016 für einzelne Medien und in Klammer dazu jeweils die medienethischen Verstöße: „Kronen Zeitung“ 65 Fälle (13), „Österreich“ 35 (4), „Wochenblick“ 7 (3), „Heute“ 24 (2), „Kurier“ 18 (2), „Bezirksblätter“ 8 (2), VN 4 (1), „Der Standard“ 24 (0), „Die Presse“ 10 (0), „Kleine Zeitung“ 10 (0), „Profil“ 10 (0), TT 9 (0), SN 5 (0), „Wiener Zeitung“ 5 (0), „OÖNachrichten“ 4 (0).

In sieben Fällen wurden die Senate eigenständig aktiv; dabei wurde ein Ethikverstoß festgestellt. 

Medienethische Entscheidungen des Jahres 2016

Die meisten Ethikverstöße betrafen Persönlichkeitsverletzungen (Punkt 5 des Ehrenkodex für die österreichische Presse) und Diskriminierungen von Personengruppen (Punkt 7 des Ehrenkodex).

Zu den Persönlichkeitsverletzungen zählten u.a.: Die Feststellung in einem Artikel in einer Fachzeitschrift, dass eine Journalisten eine „weiße Leber“ habe (also nymphomanisch veranlagt sei). Die Veröffentlichung von Bildern der Opfer eines Amoklaufs in München auf oe24.at. Ein Artikel auf „wochenblick.at“, in dem ein unbeteiligter Schwarzer in Zusammenhang mit Sexattacken auf Kinder gebracht wird. Die Veröffentlichung von brutalen Bildern von Opfern des Bürgerkriegs im Kongo in einer Straßenzeitung.

Als Diskriminierungen werteten die Senate z.B.: Einen Artikel in der „Kronen Zeitung“ über angeblichen Sozialmissbrauch durch muslimische Bigamisten. Neben dem Artikel war eine Fotomontage mit einem lächelnden muslimischen Mann, den Schattenbilder zweier verschleierter Frauen und herabregnenden Geldscheinen. Einen Kommentar in einer Beilage der Wochenzeitschrift „News“, in dem Muslimen pauschal sehr negative Haltungen und Eigenschaften bis hin zu Ehrenmord und Blutfehde zugeschrieben werden. Die Bezeichnung der befreiten KZ-Häftlinge von Mauthausen als „Massenmörder“ und „Landplage“ in der Zeitschrift „Aula“.

Darüber hinaus gab es auch Verstöße gegen das Gebot, zwischen Werbung und redaktionellen Inhalten zu unterscheiden. So wurde z.B. ein Artikel in der „Kronen Zeitung“ zur Superbowl, in dem ein Brotlaibchen in der Form eines American Footballs gezielt beworben wurde, als Ethikverstoß eingestuft. Beanstandet wurde auch eine nicht ausreichend gekennzeichnet Werbeeinschaltung für den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer auf der Titelseite einer Grazer Wochenzeitung.

Keine Ethikverstöße stellte der Presserat beim Abdruck des „Schmähgedichts“ von Jan Böhmermann in der Tageszeitung „Österreich“ fest. Der zuständige Senat hielt eine öffentliche Debatte über das Gedicht, das auch politisch hohe Wellen geschlagen hatte, für gerechtfertigt.

Den Tätigkeitsbericht 2016, in dem viele Fälle aus 2016 genauer beschrieben werden, sowie eine detaillierte Fallstatistik finden Sie unter www.presserat.at.

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