- 23.02.2017, 10:01:41
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WWF und Naturschutzbund Steiermark: UVP-Auflagen beim Murkraftwerk klar verletzt
Bagger überrollen europaweit geschützte Würfelnattern
Utl.: Bagger überrollen europaweit geschützte Würfelnattern =
Graz, Innsbruck 22. Februar 2017 (OTS) - Möglichst vollständig hätte
die Energie Steiermark die streng geschützten Würfelnattern vor
Beginn der Rodungen für das Murkraftwerk absammeln und umsiedeln
müssen. So schreibt es der gültige Bescheid des Umweltsenates vor.
Tatsächlich handelte es sich um maximal zehn bis 20 Prozent. „Die
EStAG hat angegeben, dass vor dem Fällen der Uferbäume 755
Würfelnattern abgesammelt wurden“, erklärt Gebhard Tschavoll vom WWF
„In Wirklichkeit wurden jedoch nur 84 Exemplare der laut Roter Liste
stark gefährdeten Reptilienart in Sicherheit gebracht – eine
eklatante Verletzung der UVP-Auflagen.“
Die Beantwortung einer Anfrage nach dem Umwelt-Informations-Gesetz
von Naturschutzbund und WWF an Landesumweltanwältin Ute Pöllinger
brachte diese neuen Tatsachen ans Licht. Sie hat Akteneinsicht in den
Bericht der EStAG genommen. In der Periode zwischen April und Oktober
2016 wurden lediglich 84 Exemplare der laut der
Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU gefährdeten und streng
geschützten Würfelnatter gefangen und abgesammelt. Bei den übrigen
Tieren handelte es sich um andere Reptilienarten, vor allem um
Blindschleichen. Von Seiten der Landesumweltanwaltschaft wurde
daraufhin eine Beschwerde bei der zuständigen UVP-Behörde
eingereicht.
Dr. Werner Kammel, international anerkannter Reptilienexperte,
leitete in den Jahren 2013 bis 2016 im Auftrag der Umweltanwaltschaft
vergleichende Erhebungen in Sachen Würfelnatter an den betroffenen
Murufern. „Bei den Untersuchungen wurde klar, dass es sich um einen
bedeutenden Würfelnatter-Lebensraum handelt. Allein im Abschnitt
Puntigamer Brücke bis zur Seifenfabrik konnten wir mit unserem
wissenschaftlich fundierten Monitoring nachweisen, dass
wahrscheinlich 800 – jedenfalls über 400 - Würfelnattern dort leben
und sich auch fortpflanzen“, so Kammel. Der Rodungsbereich ist aber
erheblich größer.
Oliver Gebhardt von der Steirischen Naturschutzjugend, der gemeinsam
mit Kammel die Würfelnatter-Erhebung durchgeführt hatte, ist
fassungslos: „Obwohl man bei der EStAG über die abzufangende Anzahl
der Würfelnatter informiert war, wurden die Rodungen rücksichtslos
durchgeführt. Die Auflage aus dem Verfahren, die Würfelnattern
möglichst vollständig abzusammeln, wurde nicht erfüllt“.
WWF und Naturschutzbund Steiermark haben bereits bei der zuständigen
Umweltbehörde und bei Staatsanwaltschaft Anzeigen und
Sachverhaltsdarstellungen zur Würfelnatter eingebracht. „Das Vorgehen
der Energie Steiermark widerspricht den Anordnungen, die man laut
UVP-Bestimmungen hätte durchführen müssen“, kritisieren Johannes
Gepp, Präsident des Naturschutzbundes Steiermark und Gebhard
Tschavoll vom WWF, „die Behörde muss jetzt tätig werden!“ Erneut
fordern die Naturschutzorganisationen einen sofortigen Baustopp und
Gespräche unter Einbindung aller Beteiligten.
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