- 18.02.2016, 13:51:27
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Unterrichtsausschuss setzt Signal für lebenslanges Lernen
Nationaler Qualifikationsrahmen zur Verleichbarkeit von Abschlüssen mehrheitlich gebilligt
Utl.: Nationaler Qualifikationsrahmen zur Verleichbarkeit von
Abschlüssen mehrheitlich gebilligt =
Wien (PK) - Mit einem Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) sollen
künftig in der Ausbildung oder im Beruf erworbene Fertigkeiten besser
vergleichbar werden. Diese Regierungsinitiative zur Förderung der
Lern- und Arbeitskräftemobilität erhielt heute im
Unterrichtsausschuss des Nationalrats mehrheitliche Zustimmung. SPÖ
und ÖVP erwarten vom neuen Vergleichsschema mehr Transparenz und
Durchlässigkeit im Bildungsbereich, wobei besonders die berufliche
Ausbildung eine Aufwertung erfahren soll. Um ein möglichst breites
Personenspektrum in der NQR-Steuerungsgruppe abzubilden, ergänzten
die Koalitionsparteien das im Gesetzesentwurf festgeschriebene
Gremium um Mitglieder der Bundesjugendvertretung und der
Österreichischen Privatuniversitäten Konferenz.
Ab Herbst soll das elektronische Register zum Nationalen
Qualifikationsrahmen online gehen, so Bundesministerin Gabriele
Heinisch-Hosek. Die zuständige Steuerungsgruppe beginne dieses
Frühjahr mit ihren Sitzungen, dabei werde auch das NQR-Handbuch für
die Zuordnung von formalen Qualifikationen zum Nationalen
Qualifikationsrahmen verabschiedet. Einen mitverhandelter FPÖ-Antrag
auf höhere Einstufung des Ingenieur-Abschlusses in der NQR-Skala
vertagte die Ausschussmehrheit vorerst mit dem Hinweis auf den
unabhängigen Beirat, der die Qualifikationen einordnet.
Die Organisationsform des NQR prangerte wiederum für die FPÖ
Bildungssprecher Walter Rosenkranz als überbordend an. Sein
Bereichskollege von den Grünen, Harald Walser, gab ihm nicht nur
Recht, er vermutete auch eine Bevorzugung privater
Bildungseinrichtungen, weswegen er namens seiner Fraktion ebenfalls
den Gesetzesentwurf ablehnte. NEOS-Sprecher Matthias Strolz
kritisierte zwar, das NQR-Schema sei zu sehr vom österreichischen
Akademikerbild geprägt, er trage das Projekt als gesamteuropäische
Initiative aber dennoch mit.
Geschlossen monierten die Oppositionsparteien abseits der
Tagesordnung, bislang fehle dem Parlament jeglicher Hinweis auf
konkrete Gesetzesvorschläge zur letzten November zwischen den
Regierungsfraktionen vereinbarten Bildungsreform. In ihrer Erklärung
dazu versicherte Bundesministerin Heinisch-Hosek, ihr Ressort habe
bereits Ministerratsvorträge - auch zu notwendigen
Verfassungsänderungen - erstellt, die Abstimmungen mit dem
Koalitionspartner darüber würden demnächst abgeschlossen. Berichte
zur einer angedachten Schulrechtsnovelle zwecks geänderter
Leistungsbeurteilung an Volksschulen seien ohne ihr Wissen publik
geworden; mangels Übereinkunft mit der ÖVP sei noch nichts davon
spruchreif.
Übersetzungshilfe für Qualifikationen soll Orientierung geben...
Basis des Regierungsvorschlags (999 d.B.) zum Nationalen
Qualifikationsrahmen bildet der 2008 geschaffene Europäische
Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen. Dieser besteht aus acht
Referenzniveaus zur grenzüberschreitenden Zuordnung von Abschlüssen
anhand von Lernergebnissen. Dazu zählen laut Vorlage auch durch
informelles Lernen erworbene Kompetenzen wie am Arbeitsplatz
gewonnene Erfahrungen oder Sprachen, die während eines
Auslandsaufenthalts erlernt werden. SPÖ-Bildungssprecherin Elisabeth
Grossmann macht einen Paradigmenwechsel aus: künftig zähle das
faktische Können mehr als die in einem formalen Bildungssystem
verbrachte Zeit. Ziel sei, die Lern- und Arbeitsmobilität in der
Europäischen Union durch bessere Vergleichbarkeit von Qualifikationen
zu fördern. "Geschaffen wird eine Orientierungshilfe zur
Verwertbarkeit der eigenen Abschlüsse sowie zu deren Anerkennung
international", ist Grossmann einig mit Daniela Holzinger-Vogtenhuber
(S), die gerade hinsichtlich Entlohnung mehr Durchblick erwartet.
Vergleichswerte vom europäischen Arbeitsmarkt könnten leichter
herangezogen werden. Überdies lobte Grossmann, in der Praxis
erworbene Fertigkeiten erführen mit dem NQR vermehrt Anerkennung, was
in der Erwachsenenbildung eine große Rolle spiele.
...und mehr Durchlässigkeit im Bildungssystem
ÖVP-Abgeordneter Karlheinz Töchterle verspricht sich eine verstärkte
Durchlässigkeit der Bildungsgänge. Das gelte sowohl für die
berufliche Ausbildung, "die von hohem Wert in sich ist", als auch für
den Universitätssektor, wo der NQR "eine Bresche in die Front der
ECTS-Befürworter" schlagen könne. Das European Credit Transfer System
(ECTS) als internationale Maßeinheit für Studienleistungen stelle
nämlich rein auf zeitliche Aspekte ab, Lernleistungen würden damit
kaum vergleichbar. Die Bemessung von Eingangsqualifikationen sei aber
wichtig für Universitäten, wenn sie sich künftig - wie der
Wissenschaftssprecher hofft - einer breiteren Bevölkerungsschicht
zuwenden. Eine automatische Zugangsberechtigung zu Universitäten
ergibt sich aus einer Qualifikationseinstufung auf einem bestimmten
Level im NQR allerdings nicht, heißt es in der Regierungsvorlage.
Die Bewertung von verschiedenen Lernkontexten - vom klassischen
Unterricht, über wissenschaftliche Disziplinen bis zum Berufsleben -
beruht laut Gesetzesentwurf im Qualifikationsrahmen grundsätzlich auf
einer gleichwertigen Ausgangsbasis. Sektionschef Christian Dorninger,
künftiger Leiter der NQR-Steuerungsgruppe, informierte die
Abgeordneten aber, unter den EU-Mitgliedsländern werde der Umgang mit
non-formalen Qualifikationen noch debattiert. Im Bereich der
beruflichen Qualifikation wollte er folglich nicht ausschließen, dass
dabei in Anlehnung an die universitäre Schiene im Register neue
Strukturen auf den obersten Stufen vereinbart werden.
Dorninger reagierte damit auf eine Unmutsäußerung von Klubobmann
Strolz (N) zur österreichischen Variante des Europäischen
Qualifikationsrahmens, "die Akademisierung als Sonderklasse des
Menschseins" im Gesetz festschreiben zu wollen. Grünen-
Wissenschaftssprecherin Sigrid Maurer hinterfragte zudem, wie
unabhängig die Einstufung diverser Abschlüsse sich gestaltet. In
ihren Augen ist der Regierungsvorschlag zum Qualifikationsrahmen eine
"sozialpartnerschaftliche Übereinkunft", ohne Vetorecht einer
wissenschaftlichen Interessensvertretung. Walter Rosenkranz (F)
vermisst überdies die Möglichkeit, individuelle Ansuchen um
Einreihung einer Kompetenz im NQR zu stellen und Harald Walser (G)
meinte, eine Bundesbehörde anstatt der NQR-Steuerungsgruppe wäre wohl
kostengünstiger gekommen. Für Ministerin Heinisch-Hosek belegen indes
die über 50 Stellungsnahmen zum Gesetzesvorschlag, dass man sich
umfassend mit verschiedenen Meinungen dazu auseinandergesetzt hat.
Außerdem könnten die Fraktionen im parlamentarischen Prozess immer
noch weitere Änderungen anregen. Dorninger fügte an, bei behördlichen
Verfahren in Verbindung mit der Registererstellung wäre der
bürokratische Aufwand weitaus größer.
Koordinierungsstelle wird Qualifikationen einstufen
Katharina Kucharowits (S) und Eva-Maria Himmelbauer (V) hielten
einhellig fest, der Nationale Qualifikationsrahmen bringe etliche
Verbesserungen für die Bevölkerung, nicht zuletzt einen guten
Überblick über Qualifikationen erworben durch formelles wie
informelles Lernen. Nachvollziehen konnte Himmelbauer zwar die
Forderung der FPÖ nach einer adäquaten Anerkennung österreichischer
IngenieurInnen auf der Qualifikationsskala. Tatsächlich verfügten
AbsolventInnen Höherer Technischer Lehranstalten (HTL) oder Höherer
Land- und Forstwirtschaftlicher Lehranstalten (HLFL) über eine
äußerst hochwertige Ausbildung. Sie empfahl aber die Vertagung des
Antrags (281/A(E)), diese Berufsgruppe auf Bachelor-Niveau, also
Ebene 6, im achtstufigen Qualifikationsrahmen zu bringen. Es gelte,
die Implementierung der zuständigen Koordinierungsstelle abzuwarten,
erklärte die ÖVP-Mandaratin. Damit die außerschulische Kinder- und
Jugendarbeit als Lernkontext ebenfalls berücksichtigt wird, habe man
nun auch ein Mitglied der Bundesjugendvertretung im Steuerungsgremium
zum Qualifikationsrahmen vorgesehen, erläuterte Kucharowits den
Hintergrund des entsprechenden SPÖ-ÖVP-Abänderungsantrags.
Die Einteilung der Qualifikationen in die acht Niveaus des NQR soll
dem Regierungsplan zufolge in einer eigens zu schaffenden nationalen
NQR-Koordinierungsstelle erfolgen. Als Standort ist die
Österreichische Außendienst-GmbH für internationale Mobilität und
Kooperation in Bildung, Wissenschaft und Forschung angedacht. Die
veranschlagten Kosten von jährlich 190.000 € für sonstige
Aufwendungen übernehmen das Bildungsministerium und das
Wirtschaftsministerium. (Fortsetzung Unterrichtsausschuss) rei
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