- 08.10.2015, 09:30:01
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Presserat feiert sein fünfjähriges Jubiläum
Der Presserat feierte sein fünfjähriges Bestehen – in den letzten fünf Jahren wurden 807 Fälle von den drei Senaten entschieden und in 92 Fällen Ethikverstöße festgestellt

Utl.: Der Presserat feierte sein fünfjähriges Bestehen – in den
letzten fünf Jahren wurden 807 Fälle von den drei Senaten
entschieden und in 92 Fällen Ethikverstöße festgestellt =
Wien (OTS) - Der Presserat feierte gestern auf Einladung des
Parlaments im Palais Epstein sein fünfjähriges Bestehen - nach einer
achtjährigen Pause wurde er 2010 wiedergegründet.
Insgesamt sind beim Presserat ca. 50 Personen involviert:
Mittlerweile gibt es drei Senate, die die Fälle medienethisch
bewerten und in denen 33 Personen ehrenamtlich arbeiten, 30 davon
sind Journalisten. Der Presserat verfügt zudem über zwei Ombudsleute
und drei Mitarbeiter in der Geschäftsstelle; im Trägerverein sind 14
Vertreter.
Astrid Zimmermann, Präsidentin des Presserats, freut sich über die
positive Entwicklung in den letzten fünf Jahren: "Bei den meisten
wichtigen Medien und Institutionen genießt der Presserat heute wieder
Anerkennung und Bedeutung."
Festreden
Irmgard Griss, Vorsitzende des Senats 3, hielt eine der Festreden.
Sie war der Meinung, dass der Presserat eine einzige
Erfolgsgeschichte sei - dies belegen die kontinuierlich steigenden
Fallzahlen. Als großen Vorteil bewertete sie den Umstand, dass die
Entscheidungen des Presserats von Journalisten getroffen werden, die
die publizistische Arbeit aus nächster Nähe kennen.
Als Wermutstropfen empfand Griss es, dass die drei auflagenstarken
Zeitungen "Heute", "Krone" und "Österreich" nicht beim Presserat
mitmachen. Dennoch werden selbstverständlich auch Artikel aus diesen
drei Medien von den Senaten des Presserats überprüft. Der OGH habe
dies unlängst in einem Gerichtsurteil gegen die Tageszeitung
"Österreich" ausdrücklich gestattet; schließlich gelte auch für den
Presserat das Recht auf freie Meinungsäußerung iSd. Art. 10 EMRK.
Kritisch sah Griss, dass Personen, die von der Berichterstattung
selbst betroffen sind, auf den Rechtsweg verzichten müssen, wenn sie
eine Entscheidung des Presserats erwirken möchten. Da der Presserat
nicht über gleichwertige Sanktionen wie die Gerichte verfüge, sei
dies nicht gerechtfertigt.
Am Ende ihrer Rede mahnte Griss ein, dass Journalisten nicht nur
schlagzeilenverdächtigen Sagern nachjagen, sondern die "richtigen"
Fragen aufwerfen, in die Tiefe gehen und wahrheitsgemäß und umfassend
informieren sollen.
Aidan White, der Direktor des "Ethical Journalism Network" London,
betonte in der zweiten Festrede den Stellenwert der Selbstreflexion
für eine Demokratie. Im Bereich der Medienselbstkontrolle nehme
Europa eine Vorreiterrolle ein. Dennoch könne die Selbstkontrolle
auch hier noch ausgebaut werden. White sprach sich dafür aus, das
Bewusstsein der Öffentlichkeit für ethisch korrekten und unabhängigen
Journalismus zu schärfen. Ethischer Journalismus sei die Lebensader
einer Demokratie.
Fallstatistik für fünf Jahre
Die Senate des Presserats behandelten von 2010 bis heute 807 Fälle,
in 92 Fällen stellten sie Verstöße gegen den Ehrenkodex für die
österreichische Presse fest. 40 Fälle konnten durch die Ombudsleute
des Presserats einvernehmlich gelöst werden. In 112 der 806 Fälle
wandten sich Betroffene an die Ethikwächter, also Personen, die
selbst von dem beanstandeten Bericht betroffen waren.
2015 sind bisher 184 Fälle beim Presserat eingelangt (2014 gab es 238
Fälle und 37 Verstöße).
Nachfolgend die Fallzahlen der letzten fünf Jahre für einzelne Medien
und in Klammer dazu jeweils die medienethischen Verstöße: "Kronen
Zeitung" 159 Fälle (41 Verstöße), "Österreich" 95 (28), "Der
Standard" 83 (1), "Heute" 82 (14), "Kleine Zeitung" 45 (1), "Kurier"
44 (2), "Die Presse" 39 (1), TT 24 (0), "OÖNachrichten" 23 (1), SN 23
(1), VN 19 (0), "Bezirksblätter" 17 (2), Profil 16 (0), NÖN 11 (0),
News 8 (2), "Zur Zeit" 5 (3).
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein gemeldeter Fall zu einem Verstoß
führt, beträgt bei "Zur Zeit" 60 % (die Zahl der gemeldeten Fälle war
hier allerdings niedrig), bei "Österreich" 29,5 %, bei der "Kronen
Zeitung" 25,8 %, bei "Heute" 17 %, bei den "Bezirksblättern" 11,8 %,
beim "Kurier" 4,5 %, bei den "OÖN" und den "SN" jeweils 4,3 %, bei
der "Presse" 2,5 %, bei der "Kleinen Zeitung" 2,2 % sowie beim
"Standard" 1,2 %.
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