- 03.02.2015, 11:26:57
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Parlament erinnert an das Attentat von Oberwart
Bundesrats-Vizepräsidentin Posch-Gruska lädt zu Buchpräsentation ein
Utl.: Bundesrats-Vizepräsidentin Posch-Gruska lädt zu
Buchpräsentation ein =
Wien (PK) - In der Nacht vom 4. auf den 5. Februar 1995 wurden vier
Roma bei einem Rohrbomben-Attentat im burgenländischen Oberwart
getötet. Es war und ist der bislang schwerste politisch motivierte
Anschlag auf Menschen aufgrund ihrer Herkunft in der Zweiten
Republik. Was aber bleibt heute, zwanzig Jahre später, vom damaligen
Schock, von den Solidaritätskundgebungen und dem gleichermaßen
sichtbaren wie abscheulichen Akt von Rassismus, den eine ganze
Republik erschüttert hat?
Fragen, denen sich heute Abend auf Einladung der Vizepräsidentin des
Bundesrats Inge Posch-Gruska und dem burgenländischen Verlagshaus
edition lex liszt 12 ab 18.00 Uhr eine Buchpräsentation mit dem Titel
"Das Attentat von Oberwart - Terror, Schock und Wendepunkt" im
Parlament widmet.
Posch-Gruska: Klar Stellung gegen Hetze auf der Straße beziehen
Denn, geht es nach Posch-Gruska, ist Erinnern allein für
Vergangenheitsbewältigung zu wenig. "Gefragt sind Zivilcourage der
Bürgerinnen und Bürger und eine verantwortungsbewusste Politik, die
Intoleranz und Demagogie keinen Platz lässt. Wenn wir uns auch heute,
20 Jahre nach den grausamen Morden von Oberwart, fassungslos die
Frage stellen, wie ein solches Verbrechen geschehen konnte, ob dieses
tatsächlich völlig unvorhersehbar war, so ist die notwendige
Konsequenz daraus, kompromisslos für Menschenrechte, Menschenwürde
Demokratie und Rechtsstaat einzutreten. Wir dürfen uns nicht sicher
sein, dass sich Ausgrenzung, Hass und Menschenhatz nicht
wiederholen", so die Vizepräsidentin des Bundesrats. "Gerade wenn
unter dem Deckmantel einer 'BürgerInnenbewegung' von 'Pegida' Hetze
auf die Straße getragen wird, müssen wir klar Stellung beziehen: Wir
haben die Verantwortung, gegen jede Form der Diskriminierung
vorzugehen und auch für soziale Entwicklungsmöglichkeiten aller
Menschen in Österreich zu sorgen". Posch-Gruska sieht gerade in Bezug
auf die Roma eine besondere Verpflichtung, Benachteiligungen
abzubauen und Chancengerechtigkeit herzustellen. "Der Jahrestag des
Attentats gegen die burgenländischen Roma sollte Anlass sein, nicht
nur zu gedenken, sondern auch nachhaltig an einer Verbesserung ihrer
Situation zu arbeiten", bekräftigt sie.
Zwazl: Wer Ehrfurcht vor dem Leben und dem Anderen lebt, steht auf
der richtigen Seite
Begrüßen wird die Präsidentin des Bundesrats Sonja Zwazl. Auch sie
sieht alle Menschen in der Gesellschaft gefordert, jeglicher Form von
Ausgrenzung mit einer klaren Botschaft entgegenzutreten: "Gewalt -
körperliche ebenso wie verbale - ist grundsätzlich der falsche Weg",
betont sie. Es gebe nichts - keine Religion, keine Kultur, keine
Ethnie, kein Andersdenken -, das Gewalt im Zusammenleben und im
Austausch unterschiedlicher Meinungen und Gedanken auch nur im
Entferntesten rechtfertigen könne und dürfe. "Wer Ehrfurcht vor dem
Leben und dem Anderen lebt, der steht auf der richtigen Seite", so
Zwazl.
Ana Blatnik: Wer nicht bereit ist, das Vergangene zu verarbeiten,
wird die Gegenwart niemals verstehen
Ebenso Gebot der Stunde ist für die ehemalige Präsidentin des
Bundesrats Ana Blatnik, nicht wegzuschauen und Verantwortung zu
übernehmen, vor allem auch angesichts der Tatsache, dass die Roma -
mit Abstand die größte Minderheit in Europa - noch immer gegen
Diskriminierung, Ausgrenzung, Vorurteile und Segregation kämpft und
größtenteils in Armut und prekären Wohnungsverhältnissen lebt.
Blatnik liegt die Sensibilisierung der Jugend in diesem Zusammenhang
besonders am Herzen: "Wir wollen hellhörig machen, wenn mit
diskriminierender Hetze einfache Antworten auf schwierige Fragen
gegeben werden. Es sollte uns wichtig sein, den Geschehnissen mit all
ihren dunklen Kapiteln zu gedenken, diese aber nicht als Geschichte
abzustempeln, sondern an ihren gegenwärtigen Anknüpfungspunkten zu
arbeiten." Wer nicht bereit ist, das Vergangene zu verarbeiten, wird
die Gegenwart niemals verstehen, ist Blatnik überzeugt.
Über das Buch, in dem sich ZeitzeugInnen, Familienangehörige der
Opfer, VertreterInnen der Roma-Vereine sowie AutorInnen wie Doron
Rabinovici, Gerhard Roth und Marlene Streeruwitz eingehend und
differenziert mit den Geschehnissen auseinandersetzen, spricht Horst
Horvath. Daraus lesen werden Erich Schneller, Christoph Krutzler und
Barbara Horvath. Eine Keynote hält der Landtagspräsident des
Burgenlandes Gerhard Steier sowie Bundesrat Walter Temmel.
Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung von der Band Romano Rath,
Eveline Rabold sowie Ferry Janoska. (Schluss) keg/jan
HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie im Fotoalbum auf
www.parlament.gv.at.
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